Laura Baumgart (von links), Pfarrer Markus Blümel, Schwester Dominika Krönung, Guido Pasenow, Schwester Isabell Lustig, Björn Henkel und Carsten Noll / Fotos: FZ-Archiv

Umfrage: Viele nutzen Fastenzeit, um Zeit für Wesentliches zu finden

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Kein Fleisch, kein Alkohol, keine Schokolade – diese Vorsätze werden in der Fastenzeit, die heute beginnt, oft genannt. Doch es gibt auch andere Wege, sich auf Neues zu konzentrieren, um die 40 Tage vor Ostern, dem Fest der Auferstehung Christi, zu nutzen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Mit einer Woche Heilfasten ohne feste Nahrung beginnt Vinzentinerin Dominika Krönung (56) die Fastenzeit. „Dann folgt eine basische Woche, in der man nichts Tierisches und kein Getreide isst, und eine Woche Intervallfasten, in der man am Tag nur acht Stunden isst.“ Dem Fasten kann man sich in Kursen anschließen. „So bringe ich Glaube und Gesundheit zusammen“, sagt Schwester Dominika. „Das Fasten macht mich achtsamer, wacher und freier, um über mein Leben nachzudenken.“ Weniger zu essen, das sei für sie kein Opfer: „Beim Fasten ist die Freude größer als der Verzicht.“

Mit einer anderen Grundstimmung durch die Fastenzeit gehen, mit Dank und Zuversicht, darum geht es Schwester Isabell Lustig (60), Oberin im Schönstatt-Zentrum. „Wenn ich mir morgens Zeit nehme für Gott und auch zwischendurch mal einen Stopp einlege, dann gewinne ich Distanz von der üblichen Hektik. Dann fällt es mir leichter zu begreifen, dass in den alltäglichen Dingen Jesus zu mir spricht und mir begegnen will - und das macht so froh!“

Björn Henkel (29), Pfarrer der Christuskirche in Fulda, will sich in der Fastenzeit mit zwei Fragen verstärkt beschäftigen: Was bedeutet Christsein, und was heißt es, Christus nachzufolgen? „Ich spreche gerade Christen an, die nicht mehr in die Kirche kommen.“ Privat nimmt sich Henkel vor, sich Themen zu stellen, die ihn belasten und die ihn schon lange beschäftigen.

„Ich strukturiere meine Tage klarer“, sagt der Eckweisbacher Pfarrer Carsten Noll (48). „Das Gebet kommt in der Hektik des Alltags oft zu kurz. Wenn man sich die Zeit für ein Gebet nimmt, dann wird die übrige Zeit nicht weniger, sondern mehr.“ Noll verzichtet auf das Glas Wein zum Essen. „Damit mache ich mir bewusst, dass das Schöne nicht selbstverständlich ist.“

„Die Fastenzeit ist Anlass, Nötiges von Unnötigem zu unterscheiden“, sagt Pfarrer Markus Blümel (48) aus Eiterfeld. Ihm ist wichtig, seine Zeit besser einzuteilen. „Oft vertun wir Zeit. In der Fastenzeit nehme ich mir vor, mehr Zeit für das Gebet einzuplanen.“ Es gehe nicht um Verzicht, sondern um Zugewinn. Auch Besuche bei Menschen zu machen, die schon lange darauf warten, stehe auf seinem Plan. Das sei oft schwieriger als der Verzicht auf Süßes. „Die Fastenzeit kann helfen, innere Klarheit zu gewinnen für das, was mein Leben wirklich wertvoll macht. Das Weniger wird dann zum Mehr.“

„In der Fastenzeit hole ich mir etwas in den Alltag, was ich sonst nicht habe: Zeit für Bibellektüre am Morgen“, erklärt Laura Baumgart (33), Pfarrerin für den Aschenberg und Trätzhof. Für sie ist es wichtig, in der Zeit vor Ostern Jesus mehr Platz zu geben. Für sie selbst ist der Verzicht – etwa auf Süßes – kein notwendiger Bestandteil der Fastenzeit, aber sie merkt, dass die bei vielen jetzt geänderten Gewohnheiten ein Anlass sind, um mit ihnen über Gott zu sprechen.

„Bei der Fastenzeit geht es nicht um ein ,weniger‘, sonder um ein ‚mehr‘“, sagt der Eichenzeller Pfarrer Guido Pasenow (43). „Gott hat nichts davon, wenn ich 40 Tage keinen Bissen Schokolade anrühre. Wenn ich – was durchaus sinnvoll ist – bewusst auf etwas verzichte, dann deshalb, um Raum für anderes zu bekommen. Wenn ich etwa weniger im Internet surfe, bleibt Zeit zum Nachdenken, Beten oder für einen Besuch.“

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