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Umgangsrecht während Corona-Krise: Vater darf seine Tochter nicht sehen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Die Corona-Krise ist eine bislang noch nicht dagewesene Herausforderung – auch für das Familienrecht. Die meisten Fragen von Betroffenen drehen sich um die Frage, ob Umgang ohne Weiteres wegen der Krise einfach abgesagt werden kann, auch wenn man die gemeinsame elterliche Sorge hat.

Getrennt lebende Eltern sind in der Corona-Krise ganz besonderen Belastungen ausgesetzt. Arbeiten hier Vater und Mutter im Interesse des Kindes gut zusammen, lässt sich diese Last auf mehrere Schultern verteilen, und ist insbesondere für das/die gemeinsame(n) Kind(er) eine große Stütze in Zeiten, die von Sorge und Unsicherheit geprägt sind. Leider ist dies nicht immer die Regel, wie es sich an dem unter anderem aktuellen Beispiel leicht erkennen lässt:

Alle zwei Wochen freut sich Manuel (Name durch die Red. geändert), mit seiner Tochter ein weiteres Wochenende verbringen zu können, obwohl sich beide sehr gerne noch öfters sehen würden. Leider waren die bisherigen Regelungen zum Umgang nur unter Inanspruchnahme aller rechtlichen Möglichkeiten über einen Zeitraum von einigen Jahren zu erreichen.

Tochter sollte nicht mit zum Vater

Es steht der erste Umgang in der beginnenden Phase der Corona-Krise an. Eine Vorahnung des Vaters hat sich nun leider bestätigt: Als er seine Tochter zum vereinbarten Umgang abholen wollte, verweigerte die Mutter die Übergabe mit dem Argument aus Sorge um Ansteckung des Kindes beim Vater hinsichtlich COVID-19.

Trotz seiner Aussage, die Tochter alleine auf dem kürzesten Weg zur Wohnung des Vaters zu bringen, sie dort alleine ohne jeglichen Kontakt zu einer anderen Person für dieses Wochenende bei sich zu betreuen, und der Aussage, dass er nicht zu einer Risikogruppe gehöre, völlig symptomfrei sei und niemand in seiner Umgebung unter Quarantäne stehe, erwiderte die Mutter, dass das Infektionsrisiko zu hoch sei.

Gefühl der Ausgrenzung

Manuel fühlt sich ausgegrenzt und als Vater schon beinahe diskriminiert. „Letztlich hat die Tochter Kontakt zu den Nachbarskindern, befindet sich regelmäßig bei den Eltern der Mutter (Risikogruppe) im Haus, die Mutter geht zum Einkaufen und an den Osterfeiertagen kommt ein Großteil der Familie der Mutter und auch Verwandte zusammen“, sagt er.

Dann müsse er als Vater doch auch gemeinsame Zeit mit seiner Tochter verbringen dürfen. Manuel lebt alleine in einem Fuldaer Ortsteil, und arbeitet seit Beginn der Corona-Krise im Home Office. Außer zum Einkaufen, zum Sport (was er ebenso alleine macht), und zum Abholen seiner Tochter, verlässt er seine Wohnung nicht.

Wie sieht hier die rechtliche Lage aus?

Betroffen sind Zehn-, wenn nicht Hunderttausende Kinder und Jugendliche in der ganzen Bundesrepublik, die ihre Väter oder Mütter auf unbestimmte Zeit nicht sehen können. Inzwischen haben mehrere Länder und auch die Bundesregierung klargestellt, dass Eltern ihr Umgangsrecht auch in der Corona-Krise wahrnehmen dürfen.

Auf der Facebook Seite der Bundesregierung heißt es: „In Trennungsfamilien bleibt grundsätzlich die bisherige Vereinbarung oder gerichtliche Festlegung gültig – denn auch in Zeiten von Corona bleibt die emotionale Bindung zu beiden Elternteilen für Kinder wichtig“.

Krise wird als Vorwand benutzt

Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) stellt auf Grund einer Flut von Anfragen in den vergangenen zehn Tagen fest: Mehrfach wird die Corona-Krise dazu benutzt, um den Umgang eigenmächtig zu bestimmen, auszusetzen oder ganz offensichtlich auch zu verweigern. „In der gegenwärtigen Krise muss die Gesundheit des Kindes und die beider Eltern im Mittelpunkt stehen. Umgangskontakte müssen nur dann entfallen, wenn krankheitsbedingte Gründe dem entgegenstehen.

Das Familienrecht geht davon aus – ob in der Krise oder im ganz normalen Alltag – jeder Umgangskontakt mit einem Elternteil steht im Interesse des Kindswohls. Gerade in der Krise ist der Umgang mit Mutter und Vater vorrangig“, meint Klaus Bednorz von der ISUV Kontaktstelle in Fulda.

„Zu einer Familie gehören Mutter und Vater“

Im Zusammenhang mit der Coronakrise weist Bednorz darauf hin, da es stets im Interesse beider Elternteile sein sollte, dass sich beide Parteien auch wirklich ausreichend um den Nachwuchs kümmern können. „Häufig werden die Väter als die Übeltäter angesehen, weil sie lediglich am Wochenende oder alle paar Wochen für das Kind da seien. Viele wollen jedoch weitaus mehr eingebunden werden“, weiß Bednorz.

Er führt das unter anderem auf die klassische Rollenverteilung, die bei vielen noch immer sehr tief sitze, zurück. „Natürlich darf man das nicht pauschalisieren, aber: Meist sind es die Mütter, die auf der einen Seiten über zu wenig Einsatz seitens der Väter klagen, auf der anderen Seiten lassen sie aber gar nicht mehr zu. Ein Widerspruch in sich“, findet der Experte und ergänzt: „Das ist schade für die Kinder, denn sie wollen Familie. Und dazu gehören im besten Fall Mutter und Vater.“ / kra

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