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Unmut bei Rhön-Touristikern – „Gipfeltreffen“ wegen Aussagen der Rhön GmbH

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Wasserkuppe - Dass es dieses Jahr kaum Schnee gibt, sei „kein Problem“ für den Tourismus in der Rhön – das erklärte die Rhön GmbH in einem Bericht in unserer Zeitung. Die Äußerung sorgt für großen Unmut bei Touristikern in der hessischen Rhön. „Ich bin von diesen Aussagen wirklich enttäuscht“, sagt Skiliftbetreiber Harald Jörges.

Denn immerhin investiere man – sowohl am Zuckerfeld als auch auf der Wasserkuppe – in Schneekanonen. Diese seien angeschafft worden, um durch künstlichen Schnee Wintersport in der Rhön überhaupt möglich zu machen. „Und das ist auch gut so. Den Wintersport in der Rhön darf man nicht kleinreden“, ärgert sich Jörges. Das sei Negativ-Werbung. „Sollen wir die Lifte zumachen? Dann würden sich viele umsehen“, ist er sich sicher.

Lifte an 60 Tagen geöffnet

In der Wintersaison kommen normalerweise Tausende in die Rhön – gerade wegen des Schnees. Im Schnitt sind die Lifte an circa 60 Tagen geöffnet, an noch mehr Tagen ist Langlauf möglich. In den vergangenen Wintern sei die Wasserkuppe häufig an Wochenenden für Fahrzeuge gesperrt gewesen, weil der Besucherandrang so groß war. Daran erinnert Florian Heitmann, Betriebsleiter der Ski- und Rodelarena.

Und diese Wintertouristen „bringen Wertschöpfung in die Rhön“ – sagt Manfred Helfrich (CDU), Bürgermeister der Anrainerkommune Poppenhausen. Denn die Besucher nutzen dort Einkaufsmärkte, Tankstellen und Bäckereien. Und sie gehen in den Gaststätten essen und übernachten in Hotels und Ferienwohnungen. Das betonen auch die Bürgermeister aus Gersfeld und Ehrenberg, Dr. Steffen Korell (CDU) und Peter Kirchner (parteiunabhängig).

Auf Wintergäste angewiesen

„Viele Betriebe sind auf den Schnee und die Wintergäste angewiesen“, sagt Korell. „Die Touristen kommen vielleicht nicht, um zwei Wochen Skiurlaub zu machen. Aber sie nutzen ein paar freie Tage, um Zeit im Schnee zu verbringen, um rodeln zu gehen oder einen Winterspaziergang zu machen. Oder um für die Kinder einen Skikurs zu buchen. Und ein solcher Winterurlaub ist vor allem sehr viel günstiger als in den Alpen“, betont Korell.

Die anwesenden Gastronomen pflichten ihm bei. Dieter Kehl vom Landgasthof Kehl in Tann-Lahrbach erklärt: „Wir haben es sowieso schon schwer im ländlichen Raum. Irgendwie müssen wir ja Gäste anlocken. Und im Winter geht das eben gut mit Wintersportangeboten. Wenn wir die nicht hätten, müssten wir am Ende von November bis April zumachen. Das wäre vor allem auch für unsere Mitarbeiter schlecht.“

Er sagt: „Die Wasserkuppe ist das Highlight bei unseren Gästen und hat für die Gastronomie eine große Bedeutung.“ Das gilt auch für die Hotellerie. Michael Horstmann, Direktor des Gersfelder Hofs, berichtet von einer Gruppe aus den Niederlanden, die ihre Reise dieses Jahr stornieren musste. „Sie wollten auf der Wasserkuppe Snowkiting machen. Damit sind uns 40 Buchungen weggebrochen. Diese Einbußen tun weh.“

„Nicht ernst genommen“

Umso wichtiger sei, dass die Touristiker dennoch die Rhön als Wintersportdestination bewerben. Darin waren sich alle einig. Im Falle der Rhön GmbH gebe es da deutlichen Nachholbedarf. „Wir fühlen uns nicht gut vertreten und nicht ernst genommen“, sagen Boris Kiauka und Andreas Schubert, Geschäftsführer von Papillon, die einen Skiverleih betreiben, Snowkiting anbieten und die das neue Feriendorf verwirklicht haben.

Da fehle die Wertschätzung. „Die Rhön GmbH sollte generell viel mehr für die hessische Rhön tun.“ Und die Tourismusgesellschaft sollte insbesondere mehr mit den Akteuren der hessischen Rhön sprechen, sind sich die anwesenden Touristiker einig. „Die Rhön GmbH schaut noch zu sehr nur aufs Fränkische. Es gibt in Sachen hessische Rhön noch viel Verbesserungsbedarf“, resümiert Bürgermeister Helfrich.

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