Reisende gehen im Juli 2021 im Flughafen Düsseldorf mit Koffern durch die Abflughalle.
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Trotz Corona bleibt die Nachfrage in den Reisebüros hoch. Vor allem der Urlaub im Süden ist weiterhin beliebt. (Symbolbild).

Hochinzidenzgebiete

Urlaub trotz Corona: Reisewarnungen schrecken Fuldaer nicht - Reisebüros verzeichnen viele Buchungen

  • Leon Weiser
    VonLeon Weiser
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Urlaub im Süden - selbst in Hochinzidenzgebieten wie Spanien - bleibt trotz der Corona-Pandemie beliebt. Reiseanbieter aus der Region berichten von starkem Interesse an Buchungen.

Osthessen - Im Reisebüro Fulda in der Heinrichstraße bleiben die Kunden reisewillig. „Bis auf zwei Stornierungen reisen - Stand jetzt - alle unsere Kunden“, berichtet Geschäftsführer Udo Gutberlet. Auch nach Spanien werde geflogen, jedoch komme es dabei häufiger zu Umbuchungen. Insbesondere Geimpfte oder Genesene entschieden sich jedoch für eine Reise in das Hochinzidenzgebiet.

„Ob wir in naher Zukunft viele Buchungen für Spanien erhalten, wissen wir noch nicht. Das ändert sich ja sehr oft“, sagt er. Bei Kunden, die kurzentschlossen umbuchen wollen, gebe es keine Probleme. Für die Zukunft wünscht er sich, dass auch die Fernreiseziele - etwa die USA, Australien und Neuseeland - wieder besucht werden können. „Wir hoffen, dass das in Zukunft wieder losgeht, weil das wichtig für uns ist“, sagt Gutberlet, der weiterhin zuversichtlich bleibt. (Lesen Sie auch: Droht Kreta nun der Touristen-Ansturm? Eine Corona-Auszeit in Hersonissos)

Urlaub trotz Corona: Reisen in den Süden bei Reisebüros in Hessen beliebt

Auch beim Holidayland Reisebüro in den Kaiserwiesen werden Reisen in Hochinzidenzgebiete, etwa Spanien oder Ägypten, angeboten. „Viele fliegen trotzdem in die Gebiete. Es gibt Umbuchungen und Stornierungen, wobei sich das in Grenzen hält“, sagt Büroleiterin Alexandra Heindl. Die Kunden werden beraten, aber nicht von den Reisen abgehalten. Für die Zukunft hofft sie, dass sich die Menschen auf den Urlaub freuen können. „Gespräche ohne Bürokratie und Reisewarnungen wären für alle Beteiligten wünschenswert“, erläutert Heindl.

Ralf Seidel vom Reisebüro Gutermuth in Fulda bemerkt hingegen, dass seine Kunden „entspannter und flexibler geworden sind“. Nachfragen zu Einreisebestimmungen habe es in den vergangenen Monaten gegeben, dennoch seien vollständig Geimpfte bereit, Risiken einzugehen. Er freut sich, dass Stornierungen Umbuchungen gewichen seien. Wegen möglicher Quarantäne seien Familienurlaube schwierig. Die Reiseveranstalter seien aber kulant. (Lesen Sie hier: Mallorca, Griechenland oder Türkei? - Tui-Deutschland-Chef Andryszak: „Reisen ist und bleibt sicher“)

Selbst Hochinzidenzgebiete wie Spanien und Ägypten werden weiter besucht

Auch Joachim Teiser, Geschäftsführer der Reisewelt Teiser und Hüter in Neuhof, berichtet von wenigen Stornierungen. „Die Menschen haben sich an das Reisen unter Pandemiebedingungen gewöhnt“, sagt er. Momentan sei Aufklärungsarbeit ihre Haupttätigkeit. „Wir rufen alle Gäste kurz vor der Reise an, da die Dinge sich laufend ändern“, erzählt Teiser.

Andrea Findeis vom Reisebüro Alltours Reisecenter in Hünfeld setzt ebenfalls auf Aufklärung. Die Nachfrage ist trotz der Corona-Beschränkungen hoch. „Viele wollen reisen, das merkt man recht deutlich“, erklärt Findeis. Auch Reisen nach Spanien werden unternommen. Die Inhaberin informiere ihre Kunden zwar, was in dem Land auf sie zukomme, rate ihnen aber nicht von Reisen ab.

Weniger Stornierungen - Kunden buchen um oder reisen zu einem späteren Zeitpunkt

Stornierungen habe es ebenfalls nicht viele gegeben, da die meisten ihrer Kunden entweder umbuchen oder zu einem späteren Zeitpunkt reisen wollten. „Die Kunden werden vor die Wahl gestellt, ob sie reisen möchten oder nicht“, erklärt Findeis. Aktuell befinden sich einige ihrer Kunden auch in Spanien im Urlaub. „Wir sind im Austausch mit den Veranstaltern und Kunden und bekommen immer viele Infos zur aktuellen Situation. Aber solche Telefonate sind unser tägliches Geschäft“, sagt sie.

Video: Spahn plant Testpflicht für alle Reise-Rückkehrer

Nur im Dolce Vita Reiseclub Neuhof laufen die Dinge etwas anders: Simone Faulstich erzählt, dass ihre Kunden aktuell nicht in Hochinzidenz- und Risikogebiete reisen möchten. „Wir bieten momentan gar keine Reisen nach Spanien und Griechenland an“, sagt Faulstich. Ihre Kunden seien stattdessen vor allem an Reisen innerhalb von Deutschland interessiert.

Vier Fragen zum Thema Reisen während Corona:

Kann die Reise ohne Stornogebühren abgesagt werden?

Das kann möglich sein. Eine höchstrichterliche Entscheidung gibt es dazu noch nicht.

Wann darf ich eine Pauschalreise kostenlos stornieren?

Die Reise muss erheblich beeinträchtigt sein. So sieht es das Pauschalreiserecht vor. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt als Indiz für eine Beeinträchtigung. Vor der Pandemie bedeutete die Warnung der Regierung ein kostenloses Stornorecht. Mittlerweile kommt es darauf an, ob die Warnung zum Buchungszeitpunkt bestand. Es ergibt sich nicht unbedingt ein kostenloses Rücktrittsrecht. Das Risiko war bekannt.

Kostenlose Stornierung von Pauschalreisen: Risiko zum Buchungszeitpunkt ausschlaggebend

Was heißt das nun konkret für Spanien?

Für Spanien wird formal eine Reisewarnung ausgesprochen. Die Warnungen waren für einfache Risikogebiete aufgehoben worden, nicht aber für Hochinzidenzgebiete. Ungeimpfte Urlauber müssen laut geltender Einreiseverordnung der Bundesregierung mindestens fünf Tage in Quarantäne, wenn sie aus einem Hochrisikogebiet heimkehren. Die zweite Impfung, um diesem Szenario zu entgehen, lässt sich nicht einfach vorziehen. Angesichts der hohen Fallzahlen in Spanien besteht ein höheres Corona-Infektionsrisiko als noch vor wenigen Wochen. Zudem führen die Behörden wieder strengere Maßnahmen ein.

Was gilt für Individualtouristen?

Wer seinen Urlaub eigenständig gebucht hat, für den gilt das Pauschalreiserecht nicht. Solange der Flug stattfindet, ergibt sich kein kostenloses Rücktrittsrecht. Reisende können lediglich vom gebührenfreien Umbuchen Gebrauch machen, das die meisten Fluggesellschaften anbieten. Wer ein Hotel mit kurzfristiger Storno-Option gebucht hat, kann diese Möglichkeit nutzen. Ansonsten fallen Stornierungsgebühren an. Dasselbe gilt für Ferienwohnungen: Solange die Unterkunft geöffnet und erreichbar ist, ergibt sich durch die Einstufung eines Landes als Hochrisikogebiet kein Gratis-Stornorecht. (In Mitarbeit: Sophie Brosch)

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