Tourismus: Die Wasserkuppe, Hessens höchster Berg, ist ein Anziehungspunkt für viele Urlauber im Landkreis Fulda.
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Die Wasserkuppe, Hessens höchster Berg, ist ein Anziehungspunkt für viele Urlauber.

Wegen Corona-Zahlen

Urlaub in der Rhön: Touristiker sind mit Sommer zufrieden, blicken aber mit Sorge auf den Herbst

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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  • Jessica Vey
    Jessica Vey
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Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu. Die Tourismusbetriebe in der Rhön verzeichnen keinen Boom, sind aber mit der Buchungslage zufrieden. Wichtig für sie ist vor allem die Wandersaison im Herbst. Mit Blick auf die Corona-Zahlen machen sich viele Sorgen. 

Rhön - Hamburg, Köln, Berlin, Urlaubsgäste aus ganz Deutschland sind in diesem Sommer in die Rhön gekommen. Für viele war es das erste Mal gewesen – die Resonanz war sehr gut, berichten Vermieter und Hoteliers. Die Urlauber hätten das Mittelgebirge im Landkreis Fulda für sich entdeckt.

Uta Weinig betreibt zusammen mit Ehemann Udo die Pension Weinig in Gersfeld. Die Kommune unterhalb der Wasserkuppe gilt als Rhöner Tourismushauptstadt. Weinig stellt nach Gesprächen mit ihren Gästen fest, dass die Urlauber, die zum ersten Mal in der Rhön waren, positiv überrascht sind, welche Möglichkeiten sich zum Wandern bieten und wie schön das Land der offenen Fernen ist. Mit der Sommersaison 2021 – die nach Ende des Corona-Lockdowns Anfang Juni begonnen hat – ist sie zufrieden. Die Resonanz sei in etwa so wie vergangenes Jahr.

Die Region profitiert vom Inlandstourismus, der durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen an Fahrt aufgenommen hat. Davon ist auch Thorsten Sehmisch vom Hotel Hof Wasserkuppe in Poppenhausen überzeugt. Er berichtet von einer „sehr guten Resonanz“, seit das Haus am 1. Juni wieder öffnen durfte. „Wir sind sehr zufrieden.“

Urlaub in der Rhön: Touristiker blicken wegen Corona sorgenvoll auf den Herbst

Sehmisch freut sich, dass sich der Trend zum Inlandstourismus fortsetzt. Viele Gäste, die zum ersten Mal im Hotel Hof Wasserkuppe Urlaub gemacht hätten, seien von der Rhön begeistert gewesen. Das sei insofern positiv, weil die Chance besteht, dass sie wiederkommen. (Lesen Sie auch hier: Urlaub in Deutschland: Diese Corona-Regeln gelten jetzt in den jeweiligen Bundesländern)

Über Stammgäste kann sich jetzt schon das Feriendorf auf der Wasserkuppe freuen. Das berichtet Betreiber Andreas Schubert. „Viele Urlauber sind schon mehrmals hier gewesen“, erklärt er. Obwohl die Ferienhäuser auf dem höchsten Berg in Hessen erst seit 2019 geöffnet sind – und ab 2020 eine schwierige Zeit mit zwei Corona-Lockdowns folgte.

„Bis auf einzelne Nächte sind wir ausgebucht“, erklärt Schubert zur Auslastung der 13 Häuser. Zwei Gebäude sollen demnächst noch gebaut werden, dann ist das Feriendorf – eine Fünf-Millionen-Euro-Investition – komplett fertiggestellt. „Angesichts der Verluste durch die Corona-Lockdowns konnten wir jetzt in der Saison 2021 mehr aufholen, als wir dachten“, zeigt sich der Betreiber zufrieden.

Camping in der Rhön ist trotz der verregneten Jahreszeit angesagt

Er freue sich besonders, dass auch viele Menschen aus nahegelegenen Regionen das Feriendorf für sich entdecken: „Man muss nur ein paar Kilometer fahren und man ist in einer anderen Welt“, beschreibt er einen Urlaub in der Anlage auf 950 Höhenmetern.

Das durchwachsene Wetter im Sommer 2021 scheinen die Beherbergungsbetriebe demnach wenig zu spüren. Selbst Camping ist trotz der verregneten Jahreszeit angesagt, auch wenn es Anlaufschwierigkeiten gab, wie Alexander Keidel vom Rhön Camping-Park in Wüstensachsen berichtet. Er bietet dort fast 150 Stellplätze an.

Nach dem Corona-Lockdown sei die Saison „sehr verhalten angelaufen. Die Auslastung lag bei knapp 20 Prozent und war damit weit unterdurchschnittlich“, berichtet Keidel. „Ich denke, viele Gäste waren angesichts der Corona-Lage noch verunsichert. Damals brauchte man außerdem alle drei Tage einen Negativnachweis, was bestimmt manchen abgeschreckt hat.“ (Lesen Sie auch hier: Urlaub in Hessen: Regen verpasst Tourismusregion Edersee kräftigen Schub)

Video: Abenteuerurlaub Deutschland – Das sind die Trends 2021

Im Juli zogen die Buchungen an. Und seit August erlebt der Camping-Platz eine riesige Nachfrage, „die wir gar nicht komplett befriedigen können“, erklärt der Betreiber, und spricht von einer Auslastung von 90 bis 100 Prozent. An das Rekord-Camping-Jahr 2020 komme man nicht heran. Im vergangenen Jahr habe eben auch das Wetter viel besser mitgespielt.

Aber mit diesem Jahr sei man bislang dennoch zufrieden. „Die Saison in der Rhön geht ja noch eine ganze Weile“, betont Keidel. Die Monate September und Oktober seien sehr wichtig, weil dann die Haupt-Wandersaison beginne. Hier mache er sich große Sorgen, dass es angesichts der steigenden Corona-Zahlen wieder zu schärferen Einschränkungen oder gar Schließungen kommen könnte.

Auch die Tourismusgesellschaft Rhön GmbH berichtet, dass die Tourismusbetreiber derzeit zufrieden sind, aber mit gemischten Gefühlen auf den Spätsommer und Herbst blicken. Melissa Kalmund aus der Kommunikationsabteilung erklärt auf Nachfrage: „Die Betreiber sind zuversichtlich, dass es weiter viele Buchungen geben wird und sehen sich mit den Hygienekonzepten gut gerüstet. Aber viele haben die Befürchtung, dass es zu einem neuerlichen Lockdown kommen kann.“

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