„Reisen ist und bleibt sicher“, sagt Tui-Chef Marek Andryszak im Interview mit unserer Zeitung.
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„Reisen ist und bleibt sicher“, sagt Tui-Chef Marek Andryszak im Interview mit unserer Zeitung.

Urlaub im Sommer 2021

Mallorca, Griechenland und Türkei - Tui-Deutschland-Chef Andryszak: „Reisen ist und bleibt sicher“

  • Daniela Petersen
    VonDaniela Petersen
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Die Sommerferien sind gestartet, viele fahren in den Urlaub. Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, welche Länder gefragt sind und weshalb die Tui auch Reiseangebote in Hochinzidenzgebiete macht.

Die Delta-Variante scheint die Deutschen nicht vom Buchen abzuhalten. Wie gefährlich ist es, derzeit zu reisen?
Mit dem jetzigen Buchungsverhalten sind wir erst einmal zufrieden. Was das Risiko betrifft, so können wir sagen, dass Pauschalreisegäste keine Pandemietreiber sind. Das konnten wir an Ostern gut beobachten, als Reisen durchaus skeptisch betrachtet wurden: Die Touristen haben es genossen, einen ruhigen Urlaub zu machen. Und siehe da: Weder auf Mallorca noch in Deutschland sind daraufhin die Fallzahlen gestiegen. Das Gegenteil war der Fall. 
Im generell buchungsstärksten Monat Januar war die Nachfrage noch verhalten. Ist das Reisejahr überhaupt noch zu retten?
Insgesamt ist das natürlich kaum möglich, weil die großen Buchungswellen im Januar, Februar und März fehlen. Allerdings hatten wir im Mai und Juni gute Zahlen, und auch die Monate, die vor uns liegen, könnten sich weiterhin positiv entwickeln.
Welche Länder sind besonders gefragt? 
Es führt weiterhin Mallorca, aber auch Griechenland ist für uns ein Ziel, das sich momentan sehr gut verkauft. Generell erfreuen sich Inseln im Mittelmeer oder Atlantik großer Beliebtheit. Seit Mitte Juni ist auch die Türkei stark zurückgekommen. (Lesen Sie hier: Urlaub 2021 - Diese Corona-Regeln gelten in Deutschland)

Urlaub: Türkei, Mallorca, Griechenland - Tui-Chef sagt: „Reisen bleibt sicher“

Immer mehr Reiseländer werden nun wieder als Risikogebiete eingestuft: Spanien, Zypern, Griechenland. Hat das Auswirkungen auf die Buchungen?
Kurzfristig sehen wir hier und da eine Verunsicherung. Wir bekommen viele Anrufe, die Nachfrage ist aber nach wie vor da.
Das liegt auch daran, dass Sie eine Garantie dafür geben, dass die Reise auch dann stattfindet, wenn die Zieldestination als Risikogebiet eingestuft wird. Damit stellen Sie sich gegen das Auswärtige Amt.
Nein überhaupt nicht. Bis vor zwei Jahren hatte man beim Begriff Risikogebiet noch etwas anderes im Hinterkopf. Damals waren Risikogebiete Regionen, in denen für die Kunden ganz andere Risiken bestanden, als wir sie in Deutschland kennen: politische Unruhen, Erdbeben, Hurrikane. Das ist bei der Corona-Pandemie anders.
Inwiefern?
Hier haben wir eine Pandemie, die wir auch aus Deutschland kennen. Und durch die Impfungen sind große Teile der Bevölkerung immun, auf sie trifft das Risiko nicht zu. Alle anderen, die verreisen möchten, müssen sich testen lassen. Natürlich gibt es immer ein Ansteckungsrisiko, aber das besteht auch zu Hause. (Lesen Sie auch: Touristen-Ansturm ? Corona Pause auf Kreta nur von kurzer Dauer)

Reisen im zweiten Corona-Sommer: Geimpfte und Genesene haben es leichter

Machen Sie einen Unterschied, wenn es um Hochinzidenzgebiete geht?
Wir bieten Reisen in Hochinzidenzgebiete an. Auch hier gilt für Geimpfte und Genesene, dass sie normal zurückreisen können. Lediglich Gäste, die diese Kriterien nicht erfüllen, müssen sich nach dem Aufenthalt in einem Hochrisikogebiet fünf Tage in Quarantäne begeben und können sich dann freitesten. 
Halten Sie es für verantwortbar, als Reiseveranstalter Gäste in Hochinzidenzgebiete zu schicken?
Wir machen den Menschen ein Angebot, die im Rahmen einer Pauschalreise unterwegs sein möchten. Wir haben gesehen, dass sich die Gäste sonst ohne Absicherung auf den Weg machen. Aber vor allem diejenigen, die geimpft sind, können gar keine Pandemietreiber sein, und alle anderen nehmen danach eine Quarantäne in Kauf. Reisen ist und bleibt aus dieser Perspektive sicher.
Vor einigen Tagen hat Peter Heinz, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, gefordert, für Ungeimpfte ein Reiseverbot zu erlassen. Hat er damit recht?
Ich tue mich schwer mit Verboten. Es ist allerdings richtig, dass diejenigen, die nicht geimpft sind, einen Test vorlegen müssen, wenn sie verreisen möchten. Hier geht es ja auch um den Schutz der anderen. 
Das sieht nicht jeder Reiseveranstalter so: Alltours zum Beispiel hat vor Kurzem erklärt, dass in einigen Hotels im Winter nur Geimpfte buchen können. Wird es so etwas auch bei der Tui geben?
Nein, davon gehe ich nicht aus. Wir konzentrieren uns auf die Vorgaben der Urlaubsländer und letztlich werden ja auch immer ungeimpfte Kinder in den Hotelanlagen sein, wenn man Familien nicht trennen möchte. 

Lesen Sie hier: Urlaub im Süden bleibt trotz Corona beliebt: Reiseanbieter aus dem Kreis Fulda berichten

Interview mit Tui-Deutschland-Chef - Was passiert, wenn sich ein Gast mit Corona ansteckt?

Zu Beginn der Pandemie wurden spezielle Quarantäne-Hotels eingerichtet. Auch Hotels, die die Tui im Portfolio hat, halten spezielle Zimmer für Corona-Infizierte frei. Sind diese Räume häufig belegt?
Ich kann nicht sagen, ob wir überhaupt auf zehn Gäste kommen, die in den letzten Monaten in Quarantäne mussten. Wenn man das auf all unsere Reisekunden umrechnet liegt der Inzidenzwert weit unter 1.
Was passiert, wenn sich ein Gast mit Corona ansteckt?
Wir geben all unseren Kunden zur Buchung ein Paket mit dazu: Wenn sich der Gast ansteckt, werden die Quarantänekosten und auch der womöglich spätere Rückflug durch eine Versicherung übernommen.
Wie läuft das Kreuzfahrtgeschäft wieder an?
Es sind momentan sechs unserer Schiffe unterwegs. Mit Tui Cruises sind schon jetzt wieder über 100.000 Gäste unterwegs gewesen. Zu dem, was auch bei allen anderen Reisen gilt – das Testen, die Abstandsregeln, die Maskenpflicht – kommt noch hinzu, dass nur ein Teil des Schiffs belegt wird. 
Gibt es weitere Einschränkungen?
Es gibt einige Häfen, die noch nicht angesteuert werden können, aber was möglich ist, steht vorher fest. Zur Zeit werden die Landgänge über Ausflugspakete der Reederei organisiert, aber in den ersten Häfen werden auch bald wieder individuelle Lösungen möglich sein und damit auch ein Kaffee an der Uferpromenade. 
Was hat die Tui unternommen, um das Reisegeschäft wieder anzukurbeln? 
Bevor wir die Destinationen geöffnet haben, waren wir in engem Kontakt mit den Regierungen vor Ort. Die Orte sind momentan etwas ganz Besonderes, weil sie leerer und entspannter sind. An einem 500 Meter breiten Strand zu liegen, an dem nur zwei Menschen zu sehen sind, das ist schon schön.(Lesen Sie hier: Diese Urlaubsregeln gelten in Spanien, Italien und Co.)

Verlängerte Regeln der Bundesregierung

Hochinzidenzgebiete: Touristen müssen nach einer Rückkehr in eine zehntägige Quarantäne gehen, die sie aber nach fünf Tagen mit einem negativen Corona-Test vorzeitig beenden können.

Risikogebiete: Rückkehrer aus Risikogebieten müssen die digitale Einreiseanmeldung vornehmen. Zudem bringt die Einstufung als Risikogebiet zwar grundsätzlich eine Quarantänepflicht mit sich. Diese kann aber durch ein negatives Testergebnis beziehungsweise einen Genesenen- oder Impfnachweis vermieden werden.

Wirtschaften in der Krise - Mit Coronahilfen und Krediten durch die Pandemie

Für den Gast ist das wunderschön. Für die Menschen vor Ort, die vom Tourismus leben, ist es wahrscheinlich eine Katastrophe. Gibt es denn viele Hotels, die es nicht durch die Krise geschafft haben?
Nein, das beobachten wir nicht. Das ist für mich auch eine positive Nachricht und hat sicherlich damit zu tun, dass für viele Länder in Südeuropa Tourismus die Hauptwirtschaftsquelle ist. 
Befürchten Sie, dass das noch kommt?
Eigentlich nicht. Die Infrastruktur ist weiterhin da. Und die Tui arbeitet auch eher mit größeren und renommierteren Partnern zusammen. 
Wie ist die Tui selbst durch die Krise gekommen? Sie haben ja Kredite in Höhe von 4,3 Milliarden Euro erhalten.
Wir haben in Deutschland natürlich auch die Kurzarbeit genutzt. Die meisten Kollegen sind aber zu 100 Prozent jetzt wieder eingestiegen.
Hat die Politik in Ihren Augen richtig reagiert?
Am Anfang war es für uns sehr schmerzhaft. Es gab ziemlich klare Ansagen vonseiten der Politik, bis hin zum Flugverbot. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Coronahilfen, Kredite und auch die Kurzarbeit der gesamten Branche geholfen haben, durch die Krise zu kommen. 
Wie sieht es in den Reisebüros aus?
Wir haben 450 eigene Filialen in Deutschland und vor einiger Zeit beschlossen, knapp 60 zu schließen oder zusammen zu legen. Dieser Prozess ist im Gange. Damit haben wir dann eine Größe, die stabiler ist und die Effekte, die die Pandemie mit sich gebracht hat, abfedert. 

Video: TUI erwartet jetzt verlängerte Urlaubssaison

Waren die 60 der Anfang vom Ende der Reisebüros?
Nein, nein. Natürlich sehen wir, dass in der Pandemie viele Menschen gelernt haben, verschiedenste Onlineangebote in allen Wirtschaftszweigen zu nutzen. Wir haben ja auch ein Onlineangebot. Es wird aber auch in Zukunft Kunden geben, die die Auswahl zwischen Onlineangebot und Reisebüro schätzen und sich dann bewusst für die persönliche Beratung vor Ort entscheiden. Und darauf setzen wir ebenfalls. 
Sie haben vor Kurzem eine Beratungspauschale im Reisebüro eingeführt. Kunden zahlen zwischen 15 und 39 Euro. Wird das angenommen?
Sehr gut sogar. Man merkt gerade jetzt, wo viel zusätzliche Beratung notwendig ist, dass Kunden diese Beratung gern in Anspruch nehmen, weil sie feststellen, dass es ihnen wichtig ist. 
Wird sich das Reiseverhalten in Zukunft verändern?
Ich denke, dass Flexibilität und Vertrauen in Zukunft eine größere Rolle spielen werden. Man merkt auch jetzt schon, dass Kunden bewusster reisen und auch die Ziele bewusster auswählen. 
Bewusster reisen, heißt das auch weniger reisen?
Nicht unbedingt. Die Gäste wählen häufiger ganz bewusst bessere Produkte aus und bleiben länger vor Ort.
Wo werden Sie 2021 Urlaub machen?
Ich bin in diesem Jahr schon viel verreist, war auf den Kanaren, auf Mallorca und in der Türkei. Im Sommer werde ich den Urlaub in einem Ferienhaus in Dänemark verbringen. 

Ein beliebtes Urlaubsziel im Sommer 2021 ist Kroatien. Welche Corona-Regeln Reisende in Kroatien beachten müssen, lesen Sie hier.

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