Die Verhandlung fand am Landgericht Fulda statt. Im September wurde die Anklage verlesen.
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Die Verhandlung fand am Landgericht Fulda statt. Im September wurde die Anklage verlesen.

Urteil gegen 22-Jährigen

30 Kilo Drogen umschlagen – viereinhalb Jahre Haft, Gericht lässt 40.000 Euro und Auto einziehen

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Viereinhalb Jahre muss ein 22-Jähriger aus dem Altkreis Hünfeld in Haft, weil er mit Drogen gehandelt hat. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Joachim Becker geht davon aus, dass mindestens 30 Kilo Haschisch, Marihuana und Amphetamine umgeschlagen wurden.

Fulda - Zudem wird von dem Angeklagten ein Geldbetrag im fünfstelligen Bereich eingezogen. Über Monate hat die Polizei den jungen Mann observiert: Das Telefon und der Innenraum seines Autos wurden abgehört.

Die Beamten wussten genau, wann der 22-Jährige zu einer seiner Touren aufbrach, um Geld aus einem Drogenverkauf abzuholen oder um Betäubungsmittel auszuliefern. Meistens waren es Sonntage, an denen er in den Wartburgkreis oder auch in den schwäbischen Raum fuhr.

Urteil: 30 Kilo Drogen umschlagen – viereinhalb Jahre Haft, Geld und Auto weg

Und sie wussten auch, dass dies im Auftrag eines anderen Mannes geschah, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Dass der 22-Jährige nicht der Haupttäter in der Sache ist, das hat die Kammer in ihrem Urteil berücksichtigt. In den meisten Fällen ging sie von Beihilfe, nicht von Mittäterschaft aus.

„In diesen Fällen hat er genau gesagt bekommen, von wem er Geld holen soll. Es gab für ihn keinen eigenen Entscheidungsspielraum. Eine Mittäterschaft liegt vor, wenn es über den reinen Transport hinausging“, erklärte Becker. Mitunter sei das so gewesen, nämlich dann, wenn er am Umsatz beteiligt war.

„Er hat die Betäubungsmittel teilweise übernommen und ausgeliefert. Bei diesen Aktionen hat er das Umsatzgeschäft selbst vorgenommen.“ Auch einige Fälle, die als Beihilfe gewertet wurden, kämen „nah an die Täterschaft“ heran: „Er war nicht nur am Rande beteiligt. Er hat das Ganze gewerbsmäßig betrieben, um seinen Lebensstil zu finanzieren.“

Zugutehalten könne man ihm, dass er ein Geständnis ablegte und Erstverbüßer sei. Es seien zwar nur „leichte Drogen“ mit denen gehandelt wurde: „Aber vor Gericht sieht man oft, was der Dauerkonsum solcher leichter Drogen mit dem Gehirn eines Menschen anrichtet“, sagte Becker. 

Gegen den 22-Jährigen spreche, dass er selbst nicht vor „drastischen Maßnahmen“ zurückgeschreckt habe. Dem Angeklagten wurde neben Drogenhandel vorgeworfen, einen potenziellen Kunden genötigt und mit einer geladenen Pistole bedroht zu haben.

Vor Gericht schilderte der Angeklagte diesen Vorfall etwas anders: Es seien zwei Mittäter gewesen, mit denen er geplant habe, den Kunden „abzuziehen“. Gedroht hätten die beiden anderen. Das Opfer, das mit einem Baseballschläger verprügelt wurde, sagte vor Gericht jedoch nicht aus.

Letztlich wertete die Kammer den Vorfall nicht als räuberische Erpressung, wie es angeklagt war, sondern als Betrugsfall in Tateinheit mit Körperverletzung und Nötigung. Auch wenn ein „hoher Organisationsgrad“ zu erkennen sei, liege kein bandenmäßiges Handeltreiben vor. Laut Becker fehle der sogenannte Bindungswille. Der Angeklagte habe kein Interesse an der Zusammenarbeit mit zwei anderen Männern gehabt, die ebenfalls für den Auftraggeber gearbeitet hätten. 

Weil der 22-Jährige im Tatzeitraum zwischen Juli 2017 und Februar 2020 zum Teil Heranwachsender war und eine Reifeverzögerung nicht ausgeschlossen werden könne, wurde Jugendstrafrecht angewendet. „Er war abhängig von äußerer Anerkennung und unterlag der hohen Verführungskraft durch Dritte, die ihm sagten: Du bist wichtig, auf dich kann man sich verlassen“, sagte Becker. 

Mit dem Urteil folgt die Kammer weitgehend den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, die für die Taten eine Strafe von fünf Jahren und vier Monaten forderte. Die Verteidiger Gerhard Schaller und Esther Boos stellten die Strafe ins Ermessen des Gerichts und sprachen sich dafür aus, dass die Einziehung des Wertersatzes unterbleiben sollte.

Das sah die Kammer anders: Vom Angeklagten werden 30.950 Euro eingezogen, die er durch den Drogenhandel für sich eingenommen habe. Auch 11.050 Euro, die bei der Verhaftung im März 2020 sichergestellt wurden, zwei Handys und sein Auto werden als Tatmittel eingezogen. 

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