Foto: Volker Nies

Urteil gesprochen: 1500 Euro Geldstrafe nach Unfall mit vier Toten auf B 27

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Marbach/Fulda - Es war einer der folgenreichsten Verkehrsunfälle in der Geschichte der Region: Vier Menschen starben vor einem Jahr auf der B 27 bei einem Zusammenstoß bei Marbach. Jetzt hat das Amtsgericht Fulda das Urteil gegen die 31 Jahre alte Fahrerin aus Buttlar gesprochen, die den Unfall verursacht hatte. Sie muss 150 Tagessätze zu je zehn Euro zahlen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Das Urteil sprach das Amtsgericht in einem Strafbefehl aus, berichtet Christoph Mangelsdorf, Sprecher des Gerichts, unserer Zeitung. Eine mündliche Verhandlung gab es nicht – so sei es im Strafbefehlverfahren üblich. Der bereits Ende Mai ergangene Strafbefehl ist rechtskräftig.

Fahrlässige Tötung

Das Amtsgericht entsprach mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Staatsanwalt Harry Wilke hatte eine Verurteilung zu 150 Tagessätzen zu je 10 Euro wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung beantragt, wie er unserer Zeitung sagte.

„Bei dem Unfall waren die Folgen gewaltig. Aber die Höhe der Strafe richtet sich vor allem nach dem individuellen Verschulden“, erklärt Wilke. „Das Verschulden war vergleichsweise gering: In einem Augenblicksversagen hat es die Fahrerin versäumt, nach links zu sehen. Sie hat den in der Fahrschule so oft eingeübte Schulterblick unterlassen“, sagt Wilke. „Sie fuhr nicht zu schnell, war nicht alkoholisiert. Sie hat einen Moment nicht aufgepasst – nicht mehr und nicht weniger“, erklärt der Staatsanwalt.

Bei fahrlässiger Tötung sehe das Gesetz eine Geld- oder eine Haftstrafe vor. „Ich halte 150 Tagessätze für tat- und schuldangemessen.“ Eine höhere Strafe wäre aus seiner Sicht dem Verschulden nicht gerecht worden, betont Wilke. Die Höhe der Tagessätze richtet sich nach dem Einkommen der Angeklagten: Die 31-Jährige ist Hausfrau und hat kein eigenes Einkommen.

Drei Fahrzeuge waren beteiligt

Drei Fahrzeuge waren in den Unfall am 8. Juni 2018, einem Freitagnachmittag, verwickelt: Die Unfallverursacherin war auf der B 27 aus Hünfeld in Richtung Fulda unterwegs. Im zweispurigen Bereich wollte sie ein anderes Fahrzeug überholen. Sie scherte aus – übersah aber, dass links neben ihr in ihrer Fahrtrichtung ein Volvo mit fünf Männern fuhr. Ihr Opel und der Volvo stießen seitlich zusammen, wobei der Volvo nach links auf die Gegenfahrbahn in Richtung der Leitplanke rutschte. In diesem Moment kam ein VW entgegen. Der Fahrer fuhr frontal in die rechte Fahrzeugseite des Volvo – und zwar in Höhe der Rückbank. Drei Männer auf der Rückbank des Volvo wurden bei dem Zusammenprall tödlich verletzt. Sie waren 22, 45 und 53 Jahre alt und lebten im Vogelsberg. Sie waren Arbeitskollegen. Der 20 Jahre alte Fahrer des Volvo wurde schwer verletzt, der 42 Jahre alte Beifahrer starb fünf Tage später im Klinikum. Er hatte das Bewusstsein nach dem Unfall nicht wiedererlangt. Die Unfallverursacherin in ihrem Opel und der Fahrer des VW wurden leicht verletzt.

Amtsgericht befasst sich mit weiterem Unfall

Am kommenden Donnerstag hat sich das Amtsgericht Fulda erneut mit einem tödlichen Verkehrsunfall zu befassen. Auf der B 254 bei Bimbach war am 13. Dezember 2017 eine 45 Jahre alte Frau aus Schlitz getötet worden. Ihr elf Jahre alter Sohn wurde schwer verletzt. Ein 27-jähriger Mann aus Fulda hatte in einer langgezogenen Rechtskurve mit überhöhter Geschwindigkeit einen Holztransporter überholt. Nach dem Überholvorgang scherte er aus Unachtsamkeit nicht wieder auf die rechte Fahrspur ein, so dass es einem frontalen Zusammenstoß kam.

Das könnte Sie auch interessieren