Biden- und Trump-Anhänger aus der Region

Schicksals-Wahl in den USA: Diese vier Amerikaner aus Osthessen haben schon gewählt

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Die Präsidentschaftswahl am heutigen 3. November wird mit Spannung erwartet. Donald Trump oder Joe Biden? – Viele Amerikaner sehen diese als Schicksalsfrage. Doch wie betrachten ihre in Osthessen lebenden Landsleute die Situation? Wir haben einige befragt. Es sind sowohl Biden- als auch Trump-Anhänger dabei.

Fabian Schad aus Fulda hat US-amerikanische Wurzeln.

Fabian Schad

Fabian Schad lebt in Fulda. Sein Vater ist Amerikaner. Der 37-Jährige lässt keinen Zweifel daran, für wen er seine Stimme – per Briefwahl – abgegeben hat: „Spätestens jetzt, nach vier Jahren Trump, sieht man doch, was dieser Typ angerichtet hat“, sagt er. „Die Nation ist tief gespalten, die Verschuldung exorbitant, die Wirtschaft am Boden. Trump hat das Land um Jahre zurückgeworfen.“ Er hoffe inständig, dass die US-Bürger gemerkt haben, dass sie mit der Wahl Donald Trumps einen Fehler gemacht haben, sagt Schad, der einen deutschen und einen amerikanischen Pass hat. Würde mit Joe Biden alles besser? „Er ist auch nicht mein Favorit, aber er ist das geringere Übel“, so der Berufskraftfahrer. Biden würde immerhin versuchen, das Land wieder zu einen.

Milton S. Gilbert

Milton Gilbert - der frühere Master Sergeant der US Army wohnt seit Jahrzehnten in Fulda.

Milton S. Gilbert lebt seit Jahrzehnten in Fulda und hat sich in Osthessen über die Jahre hinweg in vielfältiger Weise sozial engagiert. Der frühere Master Sergeant der US Army ist den altgedienten Fuldaer Karnevalisten auch als „Ami in der Bütt“ bekannt.

Trotz seiner 88 Jahre ist Gilbert noch immer ein scharfer Beobachter der amerikanischen Politik – und misst der Präsidentenwahl eine enorme Bedeutung zu. „Es ist die wichtigste Wahl in meinem Leben“, sagt der ehemalige Armeeangehörige. Und es ist nicht schwer zu erraten, wem seine Sympathien gelten: „Trump repräsentiert das amerikanische Volk nicht. Er repräsentiert nur sich selbst und möchte gerne der König der Vereinigten Staaten sein.“

Gilbert hält Trumps Herausforderer Biden für einen „guten Mann“, der wieder für mehr politische Vernunft sorgen könne. Dass die Wahl schon entschieden ist, glaubt der 88-Jährige nicht: „Es wird ein enges Rennen. Trumps Anhänger laufen ihm wie die Roboter hinterher.“

William Deitch

William Deitch ist ehemaliger Soldat und war unter anderem in Wertheim stationiert.

„Ich bin zu 100 Prozent Anhänger von Donald Trump“, sagt der 81-jährige William Deitch, der seit 1981 in Schlitz lebt. Trump komme in den deutschen Nachrichten viel zu schlecht weg. Biden sei ihm zu alt und sein Gehirn nicht mehr fit. Der Präsident dagegen habe in den vergangenen Jahren seine Erwartungen mehr als erfüllt, weil er viel für das Land tue, Arbeitsplätze – auch für Schwarze und Hispanos geschaffen habe. Deitch geht davon aus, dass Trump die Wahl gewinnen wird.

Lonnie Tague

Lonnie Tague ist Fotograf und Countrymusiker. Er wohnte in Poppenhausen und Weyhers, Washington und nun in Seligenstadt bei Volkach in Franken.

„Ich bin mit Joe und habe schon vor ein paar Wochen gewählt“, verrät der 62-jährige Lonnie Tague freimütig. Über eine Internetseite habe er die Briefwahlunterlagen beantragt und diese dann „bis auf das i-Tüpfelchen genau ausgefüllt, weil meine Stimme sonst nicht gezählt würde.“ Überhaupt gebe es große Unterschiede von Bundesstaat zu Bundesstaat. Tague: „Die Republikaner wollen leider, dass weniger Menschen wählen. Würden alle Bürger zur Wahl gehen, hätten sie keine Siegchance. Der republikanische Gouverneur von Texas hat angeordnet, dass es in jedem Landkreis nur einen Wahl-Briefkasten gibt – auch in den Millionenstädten Houston und Dallas.“

Präsident Donald Trump habe „meine Befürchtungen erfüllt. Als er 2015 seine Kandidatur bekanntgab und über die Mexikaner herzog, war das für mich ein absolutes Signal“, sagt der Mann, der einst bei der US-Armee in Wildflecken tätig war, während dieser Zeit in Poppenhausen und Weyhers wohnte – und einer breiten Bevölkerung in der Region als Musiker und Bandleader der Lonnie Dales Road Band bekannt ist.

Nach seiner Zeit in Osthessen ging Tague nach Washington, wo er von 2002 bis 2016 als Fotograf den jeweiligen Justizminister begleitete: „Die letzen Jahre unter Obama waren fantastisch. Da habe ich gesehen, wie das alles funktioniert. Als Trump gewonnen hat, war das ein Schock.“

Dass er nun auf Joe Biden setzt, begründet er auch mit einer persönlichen Begegnung mit dem damaligen Vizepräsidenten im Weißen Haus: „Nach einem Treffen wurden noch Fotos gemacht. Ein Mann telefonierte. Biden fragte, wer an der Leitung sei – es war der Bruder –, ließ sich den Hörer geben und plauderte mit dem Mann am anderen Ende der Leitung. Da hat er mein Herz gewonnen. Bidens Umgang mit den Menschen zeigt, dass er Mitgefühl hat.“

Solches sei nun gefragt, wenn er die wichtigen Aufgaben angehe: den Wissenschaftlern zuhören, um Corona in den Griff zu bekommen, das Gesundheitssystem reformieren und den Rassismus bekämpfen.

Rubriklistenbild: © JIM WATSON, MANDEL NGAN/AFP

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