Tina, Patrick, Richard und Annette Markus pausieren bei einer Tasse Kaffee, bevor es nach Italien geht.
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Tina, Patrick, Richard und Annette Markus pausieren bei einer Tasse Kaffee, bevor es nach Italien geht.

Pause für Urlauber und Trucker

Autobahn-Raststätte Uttrichshausen-Ost: Interessante Menschen machen hier zum Ferien-Ende Halt

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Wer weit reist, aber zugleich zügig von A nach B kommen will, nutzt die Autobahn. Wenn dort Hunger oder Durst kommen, fährt man auf eine Raststätte. Und kann spannende Menschen treffen - wie in den Ferien auf dem A-7-Rasthof Uttrichshausen-Ost.

  • In mehreren Bundesländern sind bald die Sommerferien vorbei.
  • Auf der Autobahn 7 sind deshalb viele Urlauber auf Rückreise unterwegs.
  • Einige von ihnen machen Pause an der Raststätte Utrrichshausen-Ost. Dort treffen sie auf Pendler und Trucker.

Uttrichshausen - Es sind heiße Reisetage: Nicht nur wegen der Temperaturen, die Rekordstände erreichen. In mehreren Bundesländern neigen sich die Sommerferien dem Ende. Für viele Urlauber heißt das: Rückreise. Für die A 7 als infrastrukturelle Schlagader heißt das volle Spuren.

An der Raststätte Uttrichshausen-Ost ist in jenen Tagen vom großen Reisestress jedoch (noch) wenig zu spüren. Heiß ist allenfalls die Sonne, die die Autos aufheizt. Tina und Bernd Siedenburg aus Bad Segeberg haben deshalb das Wohnmobil unter Bäumen abgestellt. Darin genießen sie am späten Vormittag Kaffee und Schnitten – es ist ihr Frühstück. „Wir waren heute um 5 Uhr in der Werkstatt in Fulda“, erzählt der 73-Jährige. An Urlaub, Ausschlafen und Essen war da nicht zu denken. Das Fahrzeug hatte auf dem Weg gen Süden gestreikt, weswegen das Paar das Wochenende auf einem Campingplatz in Ullrichstein verbringen musste. Nun soll die verlorenen gegangene Zeit auf der A 7 zumindest zum Teil aufgeholt werden.

Raststätte Uttrichshausen-Ost: Urlauber und Trucker machen hier Kaffee-Pause

Ziel ist Kroatien – eigentlich. Ob sie die Adriaküste in ein paar Tagen erreichen, machen sie davon abhängig, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. „Wir entscheiden von Tag zu Tag“, sagt Bernd Siedenburg. Das Wohnmobil macht sie autark und unabhängig. Das mache das Reisen so reizvoll.

Bernd und Tina Siedenburg mit Hund Lucky frühstücken, bevor sie Richtung Südeuropa reisen.

Ohne Umwege ans Ziel kommen will dagegen Christoph Ganglitz aus NRW. Der Programmierer hat einen Auftrag in Österreich angenommen. Weil er zu Hause seinem Hobby nicht nachgehen kann, hat er sein gelbes Paddelboot kurzerhand aufs Dach geschnallt und mitgenommen. „So kann ich Beruf und Freizeit hoffentlich verbinden“, sagt der 33-Jährige. Am Rasthof an der A 7 angehalten hat er für ein kurzes Rundum-Programm: tanken, Kaffee und WC. Dann geht es schnell weiter. „Der Kaffee schmeckt ganz gut“, urteilt er. Selbstgemachte Brote habe er dabei. Auffallend wenig Lkws seien unterwegs, lobt er noch. Er hofft daher gut durchzukommen.

Lastwagen, Autos, Wohmobile: An dem A-7-Rasthof ist in den Sommerferien viel los

Einer der Lastwagenfahrer, die an diesem Mittag Uttrichshausen-Ost angesteuert haben, ist Oliver Weinhold (56). Der Trucker hat Rohstoffe für die Farbindustrie geladen. Am Abend will er schon in Rottweil sein. Von da geht es nach Blaubeuren und mit Futterkalk nach Holland. In Uttrichshausen parkt er, weil er seine Ruhezeit einhalten muss. „Ich bin genau auf die Minute“, sagt der gebürtige Sachse. Die Dreiviertelstunde Pause nutzt er für Zigarettenkauf, Toilettengang und um etwas zu essen. Weinholds Volvo ist an dem Mittag einer von nur einer Handvoll Brummis, die auf dem weitgehend leeren Lkw-Areal der Raststätte parken.

Lkw-Fahrer Oliver Weinhold macht Rast auf dem Weg nach Rottweil.

Ständiges Kommen und Fahren heißt es dagegen auf dem Pkw-Parkplatz; es halten immer mal Autos an, andere fahren gerade los. Die vorderen Stellflächen sind meist gut gefüllt, nach hinten wird es leerer. Campinganhänger sind selten zu sehen. Unter den Reisenden an diesem Mittag sind auffallend viele Pärchen und Einzelreisende; selten steigen Gruppen aus Fahrzeugen.

Mindener Familie von Uttrichshausen nicht begeistert: „Rasthöfe in Österreich sind wie Sterne-Restaurants“

Eine ist Familie Markus aus Minden, die auf dem Weg nach Süden ist. „Italien ist Plan B.“, sagt Mutter Annette. Gebucht eine Woche vor Reiseantritt, weil die Grenzen wieder offen sind. Eigentlich wollte die Familie schon einen Tag früher los. Wegen eines Autounfalls sind sie nun mit dem Leihwagen unterwegs. Ursprünglich sollte es auf die Malediven gehen. Wegen Corona habe die Fluggesellschaft die Reise jedoch abgesagt.

Die vierköpfige Familie hat sich zu einem Kaffee vor der Raststätte in der Sonne versammelt. Beine vertreten nach dem langem Sitzen. Für das Quartett ist es die zweite Pause der Reise. Uttrichshausen wurde angesteuert, „ganz ehrlich, wegen der Toilette“, sagt Tochter Tina augenzwinkernd. Das Ambiente lade ja eher nicht ein; es ist „naja“, urteilt Vater Richard. In Österreich seien die Rasthöfe wie „Sterne-Restaurants“; die Pause werde da zum „Event“. Der Kaffee sei aber ganz in Ordnung.

Am Autohafen Fulda-Nord entsteht ein neuer Rasthof mit Tankstelle. Dort soll es 50 Lkw-Stellplätze geben. Außerdem kommt der Bau eines Fastfood-Restaurants infrage. Lesen Sie außerdem: Letzter Tag für Rasthaus und Esso-Station. Und: Shell-Tankstelle in der Frankfurter Straße schließt wegen Bauarbeiten.

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