Symbolfoto Gericht Justitia mit Taube
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Die Mutter des Babys, das von seinem Vater verbrüht wurde, hat heute vor Gericht ausgesagt.

Alkohol, Drogen und Überforderung

Vater soll Baby verbrüht haben - Kindesmutter sagt vor Gericht aus

Eine ungeplante Schwangerschaft und zwei vom Leben heillos überforderte junge Menschen könnten der Hintergrund zu dem Geschehen sein, das derzeit vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda als Mordversuch an einem Baby betrachtet wird.

  • Ein 33-Jähriger steht vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda. Der Vorwurf: Versuchter Mord am drei Monate alten Baby.
  • Die Kindesmutter, die Mutter des Angeklagten und ihr Lebensgefährte haben vor Gericht ausgesagt.
  • Der Angeklagte musste sich vorrangig um den Sohn kümmern, hatte Alkohol- und Drogenprobleme und war der Vaterrolle nicht gewachsen.

Fulda - Im Prozess um den versuchten Mord an einem drei Monate alten Säugling vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda schweigt der 33 Jahre alte Angeklagte aus Heringen zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft.

Demnach hat der Vater das Baby am 18. September 2015 lebensgefährlich verletzt, indem er es im Badezimmer mit dem Gesicht in bis zu 69 Grad heißes Wasser tauchte. Auch Rippenbrüche und Hämatome sollen den Kind zugefügt worden sein. Heute wurden vor Gericht die Kindesmutter, die Mutter des Angeklagten und ihr damaliger Lebensgefährte vernommen.

Angeklagter war der Vaterrolle nicht gewachsen

Die lebensgefährliche Misshandlung des drei Monate alten Säuglings lastet Staatsanwältin Natalia Fuchs alleine dem heute 33-jährigen Heringer an, in dessen Obhut sich der Sohn am 18. September 2015 befand. Doch haben wohl auch die familiären Umstände dazu beigetragen, dass der Angeklagte in eine Situation geraten war, der er letztlich nicht gewachsen war.

Die Mutter des Kindes, eine 33 Jahre alte Hausfrau aus Rotenburg, hatte nach der Entbindung unter einer Wochenbett-Depression gelitten und sich nur sporadisch um das Baby kümmern können. Ohnehin war sie zuvor überzeugt davon gewesen, nicht schwanger werden zu können und hatte deshalb auch nicht verhütet.

Alkohol und Drogen im Spiel

So war es der selbst durch Alkohol und Drogen belastete Vater, der nachts aufstand, um das Kind zu füttern, der die Windeln wechselte und auf den Sohn aufpasste. Erschwerend kam hinzu, dass die ohnehin schon labile Beziehung der Eltern im September 2015 endgültig zerbrach.

„Sehr nervös gewesen“

Von körperlicher Gewalt war allerdings in der Aussage der 33-jährigen Mutter keine Rede. Auch attestierte sie ihrem Ex-Gefährten, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten in die Vaterrolle gefügt zu haben. Sie seien beide sehr nervös gewesen, weil sie nichts falsch machen wollten, sagte die Zeugin.

Vier Tage vor dem Vorfall bat sie wegen einer schweren Erkältung ihre Schwiegermutter, den Kleinen in der damaligen Wohnung in Bebra abzuholen. Die heute 54-Jährige nahm das Kind mit in die Wohnung ihres Partners, wo sich mittlerweile auch ihr Sohn aufhielt.

Vorwurf: Angeklagter rief nicht den Rettungsdienst

Wie es in der fraglichen Nacht zum Geschehen im Badezimmer kam, ist bislang unklar. Am folgenden Morgen fiel jedenfalls der schlimm gerötete Kopf des Säuglings auf. Auch befand sich der Vater in einem aufgelösten Zustand und versicherte: „Ich wollte das nicht.“ Seiner ehemaligen Freundin schrieb er per WhatsApp: „Schatz, es tut mir leid. Er ist mir einfach aus dem Arm gerutscht.“

Der Vorwurf des Mordversuchs erklärt sich im Übrigen nicht aus dem unmittelbaren Tatgeschehen, sondern aus dem anschließenden Fehlverhalten des Vaters. Trotz der schweren Verletzungen des Kindes hatte er es unterlassen, den Rettungsdienst zu rufen. Erst Stunden später informierte seine Mutter die Polizei und einen Betreuer.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag mit der Vernehmung von Ärzten und Polizisten fortgesetzt.

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