Fotos: Ric Ergenbright/Danita Delimont, Dieter Kircher

Vater, Tochter und Freundin erklimmen gemeinsam die Zugspitze

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Gersfeld - In der Pubertät wollen Jugendliche ihre eigenen Wege gehen. Das ist auch gut so. Das Familienleben kommt dabei aber oft zu kurz. Dieter Kircher und Tochter Tessa hatten dennoch ein gemeinsames Ziel: die Zugspitze. Zusammen mit Freundin Janka Pudor haben sie den Berg erklommen.

Von unserem Redaktionsmitglied Nadine Buß

Der Alltag von Tessa Kircher (14) und Janka Pudor (14) sieht aus wie der von vielen Jugendlichen. Die beiden gehen in die Schule, üben ein- bis zweimal die Woche ihre Hobbys aus und treffen sich mit Freunden. Sie ziehen sich aber auch gerne in die virtuelle Welt zurück. Der Blick ist nicht selten nach unten aufs Handy gerichtet – zum Leidwesen ihrer Eltern. Dieter Kircher ging das „Gedaddel“ seiner Tochter auf die Nerven. Er selbst ist Sportler durch und durch. Höhenmeter legt er in seiner Freizeit einige zurück. Und auch beruflich ist er als Wildhüter viel draußen.

„Nicht nur mit dem Handy auf dem Sofa“

„Mir geht es darum, dass sie etwas unternehmen – und nicht nur mit dem Handy auf dem Sofa sitzen“, sagt der 53-Jährige. Vor den Herbstferien fragte er seine Tochter sowie deren Freundin, ob sie Lust hätten, mit ihm, die Zugspitze zu erklimmen. „Janka war die treibende Kraft“, erinnert sich Kircher. Die 14-Jährige motivierte daraufhin seine Tochter Tessa.

Zwei Tage für 2254 Höhenmeter

Nach akribischer Planung und einer Übungstour war es dann so weit. Die dreiköpfige Truppe hatte sich die Partnachklamm durch das Reintal zum Ziel gesetzt. Die Route zählt zu den längsten aber einfachsten Wegen hoch zur Zugspitze. Für die 2254 Höhenmeter ließen sie sich zwei Tage Zeit.

Es war ein Weg, der die Jugendlichen über sich hinaus wachsen ließ – und zwar sinnbildlich mit jedem Höhenmeter. Sie sammelten neue Erfahrungen und Erkenntnisse.

Ehrfurcht gelehrt

Schon im Tal wurde ihnen Ehrfurcht gelehrt. Denn kaum hatten sie mit ihrem Wohnmobil im Morgengrauen Garmisch-Patenkirchen erreicht, stand zur Begrüßung ein Hirsch auf der Straße. Später machten sie zwar keine weitere Begegnung mit einem solchen Tier, aber: „Es war Hirschbrunft“, erinnert sich Kircher. „Die Hirsche haben geröhrt und das schallte durch den ganzen Wald.“ Die Mädels legten daraufhin einen Zahn zu.

„Heimlich meine Mutter angerufen“

Abverlangt wurde ihnen aber vor allem eines: Ausdauer. „Ich hatte ein paar Momente, da wollte ich nicht mehr. Ich habe heimlich meine Mutter angerufen“, verriet Tessa mit einem Schmunzeln im Gesicht. Sie leistete der 14-Jährigen moralischen Beistand. „Was die beiden da hinter meinem Rücken tuschelten, wusste ich eine ganze Weile nicht“, antwortete Dieter Kircher. „Ja, weil Papa nicht hinter uns laufen durfte. Der hat uns zu sehr gehetzt“, nannte Tessa als Grund. Heute kann die ganze Familie darüber lachen.

Neue Geduldsprobe

Durchhalten mussten die Mädchen aber auch, nachdem die körperliche Anstrengung der ersten Tagesetappe geschafft war. Kaltes Bergwasser, ein schnarchender Mitbewohner, und keine Möglichkeiten, sich zu schminken – Tessa und Janka wurden in der Knorrhütte, in der sie sich einquartiert hatten, auf eine neue Geduldsprobe gestellt. Doch die Belohnung ließ mit dem Sonnenaufgang nicht lange auf sich warten. Zwei Tage lang genoss die Truppe schönstes Bilderbuchwetter. Und spätestens der Ausblick, den die Drei auf dem höchsten Berg Deutschlands hatten, war alle Anstrengung wert.

„Das Projekt Zugspitze ist gelungen! Darauf können die beiden stolz sein“, sagt Dieter Kircher. „Es war toll, dass wir oben waren“, fassen auch die beiden 14-Jährigen Tessa und Janka zusammen. Vom Bergsteigen haben sie nun aber erst einmal genug.

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