Vegetarische und Vegane Ernährung wird immer beliebter. (Symbolfoto)
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Vegetarische und Vegane Ernährung wird immer beliebter. (Symbolfoto)

Ohne Fleisch, Eier und Milch

Ernährungsexperte aus Fulda erklärt: Darum sind Veganer gesünder

Vegane und vegetarische Kost wird immer beliebter. Doch was bedeuten die Ernährungsformen – und worauf sollte man achten? Diesen Fragen ist Professor Dr. Daniel Jaspersen, Experte für Ernährungsmedizin, in einem Gastbeitrag nachgegangen.

Fulda - Die Zahl der Vegetarier in Deutschland steigt stetig. Der Wunsch nach klimaeffizienter Ernährung, Gesundheit oder Tierschutz sind nur einige der Gründe, die hinter dieser Ernährungsform stecken. Grundsätzlich versteht man unter Vegetarismus den Verzicht auf Fleisch und Fisch. Variationen des Vegetarismus schließen zudem weitere tierische Lebensmittel wie Milch oder Eier aus. Fest steht: Im Vergleich zur Debatte um den Veganismus ist die Diskussion um die vegetarische Lebensweise nicht ganz so kontrovers.

Betrachtet man den Ursprung des Wortes, umfasst die vegetarische Ernährungsweise jedoch mehr als nur den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel. Die deutsche Übersetzung des lateinischen Begriffs vegetare lautet „wachsen“ oder „beleben“, vegetus wird mit „lebendig“ oder „frisch“ übersetzt.

Ernährungsexperte aus Fulda erklärt: Darum sind Veganer gesünder

Der Vegetarismus ist also vielmehr ein Lebensstilkonzept, das eine lebendige und belebende Ernährungs- und Lebensweise verfolgt. Dabei sind im ursprünglichen Sinne Lebensmittel und Produkte vom lebenden Tier – etwa Milch, Eier und Honig – durchaus erlaubt.

Doch warum macht es Sinn, sich vegetarisch zu ernähren? Denn aus ernährungsmedizinischer Sicht hat ein moderater Fleischkonsum durchaus seine Vorteile: Fleisch besitzt eine hohe Nährstoffdichte, wodurch mit wenig Nahrung viele lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen werden können. Fleisch liefert eine effiziente Eiweißversorgung und ein qualitativ ausgewogenes Aminosäurenprofil. Besonders Vitamin B12 muss sonst anderweitig aufgenommen werden und ist nicht so hochwertig, wie es in natürlicher Form vorkommt.

Doch es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, um sich fleischlos und doch vollwertig zu ernähren. Zu den Grundpfeilern der vegetarischen Küche gehören Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Kartoffeln. Hinzu kommen – je nach vegetarischer Ernährungsform – Milch und Milchprodukte.

Vielleicht haben Sie auch schon einmal von dem Begriff „Pudding-Vegetarier“ gehört. Dieser bezeichnet Menschen, die auf Fisch und Fleisch verzichten, ansonsten aber stark verarbeitete Lebensmittel konsumieren. Hier ist der Grundgedanke an eine gesunde, kraftgebende und frische Kost jedoch nicht mehr gegeben.

Diese Nährstoffe sind für eine vegane Ernährung besonders wichtig

Die vegane Ernährung beinhaltet ausschließlich pflanzliche Lebensmittel und schließt alle tierischen Produkte aus – also Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig. Wer über die Ernährungsweise hinaus einen veganen Lebensstil verfolgt, verzichtet außerdem auf Lederwaren, Wolle und andere Produkte, die tierische Inhaltsstoffe enthalten, das können etwa bestimmte Kosmetikprodukte sein. So verzichtet der Musiker Paul McCartney etwa auf Ledersitze in seinen Luxuskarossen.

Der Autor

Professor Dr. Daniel Jaspersen ist Spezialist für Innere Medizin, Gastroenterologie, Proktologie, Diabetologie, Infektiologie und Ernährungsmedizin. Zuletzt hatte er in einem Gastbeitrag darüber geschrieben, wie sich unsere Esskultur verändert hat.

Doch was spricht gegen eine vegane Ernährung? Hier lassen sich vor allem mögliche Mangelerscheinungen durch nicht ausreichend aufgenommene Nährstoffe, Mineralien und Vitamine anführen. Wer gezielt darauf achtet, sollte jedoch keine Probleme haben. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine ausreichende Nährstoffversorgung auch durch eine vegetarische oder vegane Ernährung durchaus gut umsetzbar ist – und diese sogar fördert.

Auf einige Nährstoffe sollte besonders geachtet werden: Eiweiß, Vitamin D, Vitamin B2, Omega-3-Fettsäuren, Kalzium, Eisen, Zink und Jod. Ein Beispiel: Mit einer Kombination aus Getreiden oder Hülsenfrüchten wie etwa Vollkornreis mit Bohnen oder Quinoa mit Kichererbsen, kann der Eiweiß- und Mineralienbedarf gut gedeckt werden. Außerdem sind genügend Obst und Gemüse, Nüsse sowie Öle mit Omega-3-Fettsäuren wichtig. Lediglich das Vitamin B12 muss supplementiert werden, da es durch eine vegane Ernährung kaum aufgenommen werden kann.

Video: 5 Tipps für eine vollwertige vegane Ernährung

Das Contra-Argument, vegane Ernährung sei teuer, stimmt übrigens nicht. Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sind sogar deutlich günstiger als Fleischprodukte. Einzig Ersatzprodukte wie veganer Käse oder vegane Wurst sind kostspieliger – was einem aber zu denken geben sollte.

Eins ist klar: Das Bewusstsein für Nahrungsmittel und Inhaltsstoffe wird durch eine vegetarische oder vegane Ernährungsweise auf jeden Fall gestärkt. Und auch die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit sind nicht zu unterschätzen. Veganer erkranken erwiesenermaßen seltener an Herzerkrankungen, Diabetes oder Krebs. Und da die vegane Ernährung im Gegensatz zu einer Mischkost-Ernährung mehr Ballaststoffe und keine tierischen Fette enthält, ist die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden, verringert. (Von Daniel Jaspersen)

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