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Vergewaltigung oder nicht? 28-Jähriger muss zwei Jahre ins Gefängnis

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Ist der Sex gegen den Willen seiner Freundin passiert? Mit dieser Hauptfrage hat sich das Amtsgericht Fulda am Dienstag beschäftigt. Ein 28-Jähriger saß wegen mehrerer Straftaten auf der Anklagebank und wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt – aber nicht wegen Vergewaltigung.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Am 25. März 2018 ist der 28-Jährige laut Anklageschrift in der Wohnung seiner Freundin aufgekreuzt, nachdem sie zuvor gemeinsam auf einer Geburtstagsfeier waren. Bereits auf der Party habe es eine Pöbelei gegeben, die der Angeklagte begonnen hatte.

Gewürgt und an den Haaren gezogen

In der Wohnung seiner Freundin war er noch immer aggressiv. Und er war „sternhagelvoll“, beschrieb die 27-Jährige aus Fulda, die als Nebenklägerin auftrat und als Zeugin aussagte. „Wir haben viel Wodka getrunken“, gab der Angeklagte vor Gericht zu. „Ich habe sie beleidigt ohne Ende und rumgeschrien.“

Und er wurde auch handgreiflich: Über Stunden hinweg hat er seine Freundin mehrmals gestoßen, dass sie stürzte, sie an den Haaren wieder hochgezogen, und sie gewürgt. Sie bat ihn zu gehen, doch er blieb. Die 27-Jährige trug Verletzungen davon – unter anderem schmerzte ihre Schulter und ein blauer Fleck bildete sich auf der Wange. All das sah das Gericht als erwiesen an.

Sagte sie „Nein“ oder nicht?

Uneins war man darüber, was dann geschah. Als die Situation sich schließlich beruhigt hatte, sei die 27-Jährige Schlafen gegangen. Er habe sich zu ihr ins Bett gelegt, ihr langsam die Schlafanzughose heruntergezogen und sei in sie eingedrungen – „vielleicht zwei- oder dreimal“, sagte er. Doch als sie ihr Gesicht zu ihm drehte, habe er die „Traurigkeit“ in ihren Augen gesehen. Dann habe er aufgehört und sei gegangen.

„Nein“ habe sie nicht gesagt, war er sich sicher. Hat sie oder hat sie nicht? – Das war die Frage. Denn obwohl die 27-Jährige in mehreren Vernehmungen bei der Polizei immer wieder betonte, sie habe „Nein“ gesagt, war sie sich als Zeugin plötzlich nicht mehr so sicher. Sie deutete sogar an, dass ihr dies bei der Polizeibefragung in den Mund gelegt wurde.

„Sie wollte ihn entlasten“

Bei der Befragung kam heraus, dass die Zeugin wieder mit dem 28-Jährigen zusammen ist, von dem sie sich eigentlich getrennt hatte und gegen den sie sogar jüngst vor Gericht ein Kontaktverbot erwirkt hatte. „Sie hat ihm offenbar verziehen und wollte ihn nun entlasten“, schlussfolgerte Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken.

Bereits in neun Fällen vorbestraft

Richter Ulrich Jahn sprach den Angeklagten vom Vorwurf der Vergewaltigung frei: „Wir können nicht beweisen, dass er anfangs bemerkt hat, dass sie das nicht möchte.“ Körperverletzung und Bedrohung – in mehreren Fällen – seien jedoch bewiesen. Dafür muss er für zwei Jahre ins Gefängnis. Damit bewegte sich Richter Jahn zwischen den Plädoyers der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage (Stefan Schulze) und des Verteidigers Andreas Scheia.

„Ich sehe keine günstige Prognose für ein gewaltfreies Leben“, begründete Jahn. Vor allem, weil der 28-Jährige einschlägig vorbestraft ist – in neun Fällen. Unter anderem wegen Körperverletzung gegen seine Freundin.

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