Die Hotellerie hat aufgrund der Corona-Krise mit Einbrüchen zu kämpfen.
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Die Hotellerie hat aufgrund der Corona-Krise mit Einbrüchen zu kämpfen.

Tourismus von Krise hart getroffen

Osthessische Hotellerie verliert im ersten Halbjahr jeden zweiten Gast

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Seit Beginn der Sommerferien kommen wieder mehr Gäste nach Osthessen. Dieser Aufwärtstrend verdeckt ein wenig die schweren Verluste, die der Tourismus im ersten Halbjahr hinnehmen musste. Die Einbußen liegen im Vergleich zum Vorjahr bei rund 50 Prozent.

  • Trotz der guten Tourismus-Zahlen zum Jahresbeginn hat die Corona-Krise zu einem herben Einbruch in der osthessischen Hotellerie geführt.
  • Die meisten Hoteliers in der Region müssen mit einem Minus von bis zu 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr rechnen.
  • Lediglich die Rhön scheint sich dank der Inlandsurlaube einigermaßen aus dem Minus wühlen zu können.

Fulda - Minus 50 Prozent – schon diese Zahl ist für Unternehmen beängstigend. Der Einbruch war aber noch drastischer, als es die Durchschnittszahl für das erste Halbjahr wiedergibt. Denn der Tourismus lief bis zum Corona-Shutdown Mitte März gut, wie auch Martin Gremm, Geschäftsführer des Kongresszentrums Esperanto in Fulda, erläutert: „Das Jahr begann für uns sehr gut. Wir dachten, jetzt kommt ein richtig gutes Jahr. Wir wollten investieren. Dann kam Corona.“

Das Land verbot touristische Übernachtungen. Nur Geschäftsreisende durften noch Hotelzimmer buchen. Der Einbruch Mitte März traf alle Kommunen im Kreis – auch die Stadt Fulda, die allein 40 Prozent der Übernachtungen im Kreis verbucht.

Minus in der osthessischen Hotellerie: Fehlende Gäste von Fuldaer Musicalsommer und Domplatzkonzerten schlagen zu Buche

Zwischen Januar und Juni wurden 167.400 Übernachtungen gezählt – 48,1 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. In Hessen steht Fulda damit noch gut da: In Darmstadt und Kassel lag das Übernachtungs-Minus bei 51 Prozent. „Die Hotellerie vermisst vor allem die Gäste des Musicalsommers und anderer Großveranstaltungen wie der Domplatzkonzerte“, sagt Johannes Heller von der Pressestelle der Stadt Fulda.

„Jetzt sind immer noch die Folgen des Lockdowns im Frühjahr zu spüren. Einige Reisesegmente wie Busreisen sind nach wie vor nur sehr eingeschränkt möglich“, erläutert Heller. Der Trend zum Inlandsurlaub, gerade bei Individualreisenden, könne die Verluste durch das komplette Wegbrechen des Tagungs- und Kongressgeschäfts sowie der fehlenden Großveranstaltungen nicht wettmachen.

Rückgang macht auch vor Hünfeld und dem Hessischen Kegelspiel nicht Halt

Ein Gradmesser für den Tagestourismus seien die Gästeführungen. „Deren Zahl liegt zwar noch deutlich unter der von 2019, doch war das Jubiläumsjahr 2019 ein Ausreißer nach oben. In Anbetracht der Umstände sind wir mit der aktuellen Nachfrage nach den Stadtführungen sehr zufrieden. Renner ist das Format ,Geführte Heimatliebe‘, das sich vor allen an Menschen aus Fulda und Umgebung richtet“, sagt Heller.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich deutlich die Auswirkungen der Corona-Krise.

Auch Hünfeld und das gesamte Hessische Kegelspiel sind von dem Rückgang betroffen: „Seminare und Tagungen sind weggefallen. Motorradfahrer, von denen viele nach Hünfeld kamen, werden von politischer Seite angegriffen“, berichtet Christine Jecker, Geschäftsführerin beim Hessischen Kegelspiel. Zudem fielen in vielen Betrieben die Monteure und Geschäftsreisenden weg.

Kann die Rhön ihr Minus dank der Inlandsurlaube wettmachen?

Betroffen vom Rückgang sind auch Kurorte wie Bad Salzschlirf. „Mit einem Minus von 43 Prozent liegen wir im Trend der hessischen Kurorte“, sagt Petra Schwing-Döring, Geschäftsführerin der Tourist- und Service-Gesellschaft Bad Salzschlirf. Das Problem für die Kliniken: Wenn Kliniken ihre OPs absagen – wie dies im Frühjahr erfolgte –, folgte auch keine Reha-Kur. Die Belegung der Klinken wachse aber wieder, Tomesa sei sogar komplett belegt.

Poppenhausens Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU), Sprecher der Touristischen Arbeitsgemeinschaft „Die Rhöner“, blickt bereits wieder optimistisch nach vorn: „Im Juli hatten wir in der Rhön mehr Übernachtungen. Auch August, September und Oktober entwickeln sich positiv.“ Die Rhön profitiere vom Trend zum Inlandsurlaub: „Die Rhön wird vom Verlust des ersten Halbjahres viel wettmachen. Zum Jahresende dürfte ein Minus von nur noch 20 Prozent bleiben.“

Auch Landrat Bernd Woide (CDU) macht Mut: Der Hessische Tourismusverband hat die Rhön neben Nordhessen als die „gegenwärtig am stärksten aufgestellte Destination in Hessen“ bezeichnet. Der eingeschlagene Weg der Rhön sei sehr hoffnungsvoll. Woide: „Das sollte für uns alle Ansporn sein.“

Ebenfalls starkt von der Corona-Krise betroffen sind Reisebusunternehmen in Osthessen. Glücklicherweise gingen die ersten Buchungen bereits wieder ein und Touristen besuchten Fulda. Lesen Sie auch hier: Boom im Schlitzerland: Der Kanu-Tourismus auf der Fulda wird immer beliebter – „wie auf dem Amazonas“.

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