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Video: Bischof Gerber erinnert in Weihnachtsgruß für FZ-Leser an Flüchtlinge

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Bischof Dr. Michael Gerber denkt Weihnachten vor allem an Menschen, die verfolgt werden, und berichtet von einer Begegnung beim Weltjugendtag 2016 in Krakau. Schauen Sie sich seinen Weihnachtsgruß für unsere Leser im Video an

Und unmittelbar ergänze ich sogleich vor meinem geistigen Auge Personen aus meinem Lebensumfeld: Wem bin ich in den vergangenen Monaten begegnet, mit dem ich jetzt zur Krippe ziehe? Wer hat meinen Horizont geweitet und in mir unbekannte Erfahrungen ausgelöst – so wie die Botschaft des Engels die Routine der Hirten gehörig durcheinandergebracht hat?

Eine dieser „Begegnungen“, mit der ich mich in diesem Jahr der Krippe nähere, hatte ich im Frühjahr, beim Auspacken meiner Umzugskartons. Plötzlich hatte ich sie unvermittelt wieder in der Hand – jene kleine Gebetsschnur. Zwei dicke Schnüre – tiefrot und schwarz. Am einen Ende ein Knoten, dann weitere zehn Knoten in gleichem Abstand und schließlich am anderen Ende ein geknüpftes Kreuz.

Ich habe sie seit 2016 bei mir, seit dem Weltjugendtag in Krakau. Auf einer überfüllten Straße stand mir damals unvermittelt eine Gruppe junger arabischer Christen gegenüber. Dass sie bei sich die Fahne des Irak hatten, erregte meine Aufmerksamkeit. „Wir sind eine Delegation aus Bagdad und Basra“, antworteten sie auf meine Nachfrage.

Und dann erzählten sie mir von ihrem Leben. Was es heißt, als überzeugte junge Christen zwischen Bürgerkrieg und Bombenterror zu leben. Was es bedeutet, morgens aus dem Haus zu gehen, zur Schule, zur Universität und zur Kirche und nicht zu wissen, ob man am Abend wieder lebend nach Hause kommt. „Werdet ihr nach dem Jugendtreffen wieder in euer Land zurückgehen?“ – so meine Frage. Ich hätte sofort Verständnis dafür gehabt, dass sie nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren werden sondern im sicheren Europa bleiben.

Umso mehr beeindruckte mich die Antwort der jungen Iraker: „Ja, wir werden alle in unsere Heimat zurückkehren. Wir werden dort gebraucht. Auch wenn es nur kleine Gesten sind, mit denen wir in unserer Heimat ein Stück Menschlichkeit leben können.“ So ist mir ihre Reaktion in Erinnerung geblieben. Und dann schenkten sie mir eben jene Gebetsschnur: „Beten Sie für uns“, baten sie mich zum Abschied. Immer wieder habe ich seitdem an diese Begegnung in Krakau gedacht. Ob ich den Mut gehabt hätte, an ihrer Stelle wieder in die Heimat zurückzukehren?

Nicht zuletzt die Fluchtgeschichte im Matthäusevangelium unmittelbar nach der Geburt Jesu sollte in uns eine große Nachdenklichkeit provozieren. Weihnachten lädt uns ein, gerade an Menschen zu denken, die verfolgt werden. Weihnachten erzählt uns von Menschen, die nach der sehnsuchtsvollen Begegnung an der Krippe wieder in ihren Alltag, ja in ihre weit entfernte Heimat zurückkehren.

Die Gebetsschnur in meinen Händen knüpft ein weihnachtliches Band zu Menschen, die das Flucht-Schicksal Jesu wenige Tage nach seiner Menschwerdung teilen. Diese Menschen verkünden eindrücklich die Friedensbotschaft des Verkündigungsengels der Heiligen Nacht.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

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