Fotos: Sabine Kohl

Video: Deutsche Cricket-Nationalmannschaft trainiert in Fulda

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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FULDA - 13 junge Frauen zwischen 15 und 33 Jahren haben sich an diesem Wochenende in der Sporthalle der Bardoschule versammelt, um intensiv zu trainieren. Sie sind Teil der deutschen Cricket-Nationalmannschaft, einer Sportart, die in Deutschland nahezu unbekannt ist. Der DAFKS Fulda hat sich vorgenommen, das zumindest für Osthessen zu ändern.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Kohl

„Cricket? Ist das nicht das mit den Pferden?“ – So oder ähnlich hört Monika Loveday, Vizepräsidentin des Deutschen Cricketbundes, es häufiger, wenn sie von ihrer Sportart erzählt. Doch nein, ist es nicht. Außer dass beide Sportarten in Großbritannien beliebt sind, haben Polo (das Mannschaftsspiel zu Pferde, das ursprünglich aus dem Iran stammt) und Cricket nichts miteinander gemein.

Bekanntheitsgrad nahe bei Null

Doch die Frage spricht Bände über den Bekanntheitsgrad von Cricket in Deutschland. Dieser liegt nämlich nahe bei null. Für den Laien lässt sich Cricket am ehesten mit Baseball vergleichen. Doch auch wenn die Strukturen hierzulande – vor allem im Frauenbereich, Cricket ist noch immer in erster Linie ein Männersport – schlecht ausgebaut sind, gibt es für Kainat Qureshi keinen schöneren Sport. „Cricket ist ein harter, aber vor allem auch sehr fairer Sport“, sagt Kainat. Die gebürtige Hamburgerin mit pakistanischen Wurzeln spielt seit rund anderthalb Jahren in der deutschen Nationalmannschaft.

Wertungsspiele im Oman

In Fulda trainiert das Team für einige Wertungsspiele, die im Februar im Oman stattfinden. Dort geht es um die Platzierung in der Weltrangliste, auf der Deutschland aktuell Rang 39 einnimmt. Im vergangenen Jahr hat die Mannschaft erstmals an einer WM-Qualifikationsrunde teilgenommen. Auch einmal eine Endrunde zu erreichen, das wünschen sich die Frauen.

Team aus Amateuren

Allerdings ist es bis dahin wohl noch ein weiter Weg, denn die Nationalmannschaft ist ein Team aus Amateuren und wird dies auf lange Sicht auch bleiben. In Ländern wie Großbritannien, Australien, Indien oder Pakistan hingegen ist Cricket Nationalsport.

Fulda ist Ausnahme

„Für uns ist es schon schwierig, überhaupt geeignete Trainingsmöglichkeiten zu finden“, erklärt Monika Loveday. Denn Cricketfelder oder auch nur Flächen, die annähernd die Anforderungen eines regulären Spielfeldes erfüllen, sind selten. Fulda bildet da eine Ausnahme. Denn seit dem vergangenen Sommer gibt es hier ein Cricketfeld. Angelegt hat dieses der Deutsch-Amerikanische Freundschaftsverein (DAFKS) Fulda. „Wir haben seit einigen Jahren in Fulda ein Cricket-Herrenteam, die Fulda Knightriders“, berichtet Winfried Jäger, Vorsitzender des DAFKS. Anlass der Gründung sei das Interesse von Flüchtlingen aus etwa Afghanistan oder Syrien gewesen, die hier eine Möglichkeit gesucht hatten, den Sport aus ihrer Heimat fortzuführen.

Ein eng getaktetes Programm

„Ich wusste, dass es dieses Feld gibt und habe deshalb einfach mal gefragt, ob ein Training in Fulda möglich ist“, so Monika Loveday. War es. Dass dennoch in der Halle trainiert wird, ist dem winterlichen Wetter geschuldet. Ein wirkliches Trainingsspiel ist dort zwar nicht möglich – die Fläche ist zu klein – für ausgiebiges Techniktraining reicht es aber allemal. Trainer Michael Thewlis hat für seine Damen ein eng getaktetes Programm ausgearbeitet. Im Wechsel trainieren die 13 Frauen mit Hilfe einer Ballmaschine die richtige Schlagtechnik, in Paaren werfen sie sich gegenseitig die Bälle zu oder üben das Fangen. Zwischendurch werden immer wieder Sprints und Wendungen geübt.

Bald ein Fuldaer Damenteam?

Winfried Jäger freut sich über den Besuch der Mannschaft in Fulda. „Wir vom DAFKS haben uns vorgenommen, den ‚weißen Fleck‘ Cricket von der osthessischen Landkarte verschwinden zu lassen und die Sportart zu pushen.“ Deshalb soll es möglichst neben dem Herrenteam bald auch ein Fuldaer Damenteam geben. Bisher befindet sich das nächstgelegene in Frankfurt.

Hintergrund: Was ist Cricket?

Cricket ist eine Ballsportart, die mindesten seit dem 16. Jahrhundert in England gespielt wird. Heutzutage ist Cricket auch in vielen ehemaligen britischen Kolonien Nationalsport, allen voran Australien, Neuseeland und Indien.

Vergleichbar ist der Sport mit dem amerikanischen Baseball. Auf dem etwa 20 Meter langen „Pitch“ in der Mitte des Spielfeldes stehen sich ein Werfer („Bowler“) sowie ein Schlagmann/-frau („Batsman“) gegenüber. Ziel des Werfers ist es, das hinter dem Schlagmann stehende „Wicket“, eine Konstruktion aus drei Holzstäben, zu treffen. Der Schlagmann versucht, den Ball mit seinem Schläger („Bat“) abzuwehren. Spielt er den Ball ins Feld, hat er daraufhin Zeit, durch sogenannte Runs Punkte für seine Mannschaft zu sammeln. Diese sammelt er dadurch, das Pitch auf und ab zu laufen. Die Feldmannschaft (die des Werfers) versucht, den Ball so schnell wie möglich zum Werfer zurückzubringen. Gelingt dies, während der Schlagmann zwischen den beiden Ziellinien unterwegs ist, scheidet dieser aus.

Die genauen Cricketregeln finden sich im Internet. Mehr über Cricket in Deutschland erfahren Sie ebenfalls im Internet.

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