Fotos: Jessica Vey

Video: Hunderte verabschieden sich von der Milseburghütte

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Milseburg - Auf 835 Metern, auf der Milseburg in der Rhön, steht die urige Milseburghütte. Sie ist 135 Jahre alt – und marode. Am Montag war sie das letzte Mal geöffnet, bevor Abriss und Neubau folgen sollen. Hunderte nahmen Abschied.

Das wird es in dieser Form nie wieder geben: Die Montagssänger sitzen in der engen Milseburghütte, singen laut ihre Lieder – so wie jeden Montag. Doch ab kommender Woche müssen sie einen anderen Ort finden.

Denn die Milseburghütte wurde am Montag für immer zugeschlossen. Sie soll abgerissen werden. Allein am Montag kamen Hunderte, um sich zu verabschieden.

Emotionaler Abschied

Das Pächterehepaar Patrizia und Wolfgang Kümpel haben emotionale Wochen hinter sich. Seitdem bekannt wurde, dass sie zum Ende der Wandersaison – am 28. Oktober – die Hütte zuschließen werden, kamen viele Milseburgfreunde auf den Berg.

„In den letzten sechs Wochen haben Tausende Abschied genommen“, erzählt Patrizia Kümpel. Als sie am letzten Betriebstag nun vor den Montagssängern sprach und sich bei ihrem Team bedankte, stockte ihr die Stimme. Dass die Familie Kümpel an der Hütte hängt, ist ihnen anzumerken. Immerhin haben sie die kleine Gastwirtschaft 13 Jahre lang betrieben.

Gebäudesubstanz marode

Doch die Hüttenwirtin betont, dass es so nicht hätte weitergehen können. Bereits 2015 wurde bei Untersuchungen festgestellt, dass die Gebäudesubstanz marode ist. Nach vier Jahren steht nun fest, dass das Gebäude abgerissen und auf den Fundamenten neu aufgebaut werden soll.

Schwierig für die Planungen war die Frage nach der Ver- und Entsorgung. Wasser und Abwasser müssen auf den Berg und vom Berg herunter transportiert werden. Die Idee einer Bohrung, so dass Leitungen gelegt werden können, wurde zunächst von Naturschutzverbänden ausgebremst, die mit einer Klage gedroht hatten. Diese Diskussion ist erst mal vertagt worden.

Neubau 2020?

Der Landkreis Fulda und die Gemeinde Hofbieber haben entschieden, einen Neubau zu errichten, bei dem in Sachen Ver- und Entsorgung erst einmal alles beim Alten bleiben wird.

Bürgermeister Markus Röder (parteilos) betonte, dass die Milseburg in der Kernzone des Biosphärenreservat Rhön liegt, und dass sich deshalb eine Genehmigung lange hinziehen kann. Er wünsche sich, dass mit dem Neubau im Sommer 2020 begonnen werden kann.

Die Montagssänger werden bis dahin in Allmus singen. Und die Familie Kümpel? Sie wird höchstwahrscheinlich auch die neue Hütte bewirtschaften – „aber wir werden nicht mehr die Hauptverantwortung tragen, sondern einer unserer drei Söhne“, verriet Patrizia Kümpel. / jev

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