Foto: Franz-Josef Enders

Vierzehnheiligen-Wallfahrt abgesagt – Unsicherheit auch für Bonifatius- und Walldürn-Pilger

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Die Vierzehnheiligen-Wallfahrt ist abgesagt. Sie ist eine der größten Pilgerfahrten in der Region mit einer jahrhundertealten Tradition, die nun durch das Coronavirus gestoppt wird. Ausgerechnet eine Seuche war einst der Grund dafür gewesen, dass die Wallfahrt entstand.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Die Vierzehnheiligen-Wallfahrt basiert auf einem Gelübde, das junge Männer gaben, die die Pest überlebten. Es heißt, dass dies im Jahr 1635 geschah. 385 Jahre später ist es ein Virus, das die Wallfahrer zwingt, dieses Versprechen nicht einhalten zu können.

Am Dienstag haben die Wallfahrtsführer Werner Vey und Thorsten Müller die Absage bekanntgemacht. Vom 17. bis 20. Mai sollte die Pilgerfahrt nach Oberfranken stattfinden, an der etwa 600 Menschen teilnehmen wollten.

Start in der Rhön

Start ist immer in Simmershausen in der Rhön – mit einem Aussendungsgottesdienst. Betend und singend, begleitet von 50 Musikern, treten die Wallfahrer den langen Fußmarsch an – in vier Tagen sind es gut 120 Kilometer. All das ist dieses Jahr nicht möglich.

„Wir haben lange gezögert. Aber es sind keine Lockerungen für so große Gruppen in Sicht“, erklärt Thorsten Müller. Er kommt aus Simmershausen und ist schon 30-mal mitgelaufen. „Man kann auf der Wallfahrt abschalten und Kraft tanken.“ Werner Vey fügt hinzu: „Unsere Wallfahrt sollte Hoffnung und Freude verbreiten, aber wir haben auch eine Verantwortung.“

Digitale Wallfahrt als Entschädigung

Die beiden haben ein Video am Gedenkstein zwischen Hilders und Frankenheim aufgenommen, das sie per Handy an die Teilnehmer gesendet und so die Absage mitgeteilt haben.

Thorsten Müller erklärt: „Dass Gottesdienste im Mai wieder stattfinden dürfen, ist fraglich.“ Außerdem könne man von den Übernachtungsbetrieben nicht erwarten, dass sie in diesen Zeiten so viele Menschen beherbergen. Das Ansteckungsrisiko sei zu groß.

Doch die Organisatoren arbeiten bereits an einer „Entschädigung“. „Wir wollen eine digitale Wallfahrt an dem Termin auf die Beine stellen – mit Livestream und Videos. Und ansonsten können wir von der Vorfreude zehren: Wir sind guter Hoffnung, dass die Wallfahrt am 9. Mai 2021 wieder stattfinden kann“, betont Müller.

Entscheidungen stehen noch aus

Eine ähnlich bekannte und populäre Wallfahrt in der Region, ist die Walldürn-Wallfahrt, die am Fuldaer Dom startet. Termin ist der 6. bis 10. Juni, doch Winfried Möller aus Rasdorf, der dem Leitungsteam angehört, ahnt bereits, dass auch hier kein Weg an einer Absage vorbeiführen wird.

„Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, erklärt er. „Letztendlich müssen wir schauen, wie die Bundesregierung bezüglich des Versammlungsverbots entscheidet. Aber wir haben auch eine eigene Verantwortung. Es ist nicht vertretbar, in einer so großen Menge zu laufen – wegen der Ansteckungsgefahr.“ Das Leitungsteam werde am Wochenende darüber sprechen. Etwa 800 Menschen legen normalerweise an viereinhalb Tagen die 150 Kilometer nach Walldürn im Odenwald zurück.

Kommen Pilger aus allen Himmelsrichtungen?

Noch größer ist die Bonifatius-Wallfahrt. Jedes Jahr zum Bonifatiusfest kommen Pilger aus allen Himmelsrichtungen zum Domplatz nach Fulda gelaufen – bis zu 8000 Menschen. An dieser sternförmigen Wallfahrt nehmen umliegende Pfarrgemeinden teil, die mitunter früh morgens starten.

Auch über diese Wallfahrt, die am 7. Juni stattfinden soll, ist laut Bistumssprecher Christof Ohnesorge noch nicht entschieden worden. „Wir werden das kommende Woche thematisieren“, kündigte er an.

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