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Nah an der Vollbeschäftigung: Fulda kämpft um Fachkräfte

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Vollbeschäftigung ist das erklärte Ziel von Politik und Arbeitsverwaltung. Der Landkreis Fulda ist in Hessen dem Ideal am nächsten. Das bringt aber auch neue Probleme.

Die Firma Jumo hat es bei der Suche nach Fachpersonal eigentlich nicht weit. Nur einen Steinwurf vom Stammsitz des Herstellers von Mess- und Regeltechnik entfernt schließen sich Gebäude der Hochschule Fulda an, in denen junge Menschen Elektrotechnik oder Informatik studieren. Doch trotz der Campusnähe muss Personal-Chefin Alexandra Dantmann bei einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur feststellen: „Wir müssen immer größere Anstrengungen unternehmen, um unsere freien Stellen zu besetzen.“

Das Unternehmen ist mit rund 1400 Beschäftigten schon einer der großen Arbeitgeber in Osthessen und leidet wie andere Betriebe auch am leer gefegten Arbeitsmarkt. Denn das ist die Kehrseite der glänzenden Medaille Vollbeschäftigung, der die Region Fulda so nahe kommt wie sonst keine andere in Hessen. Trotz der Sommerflaute lag die Arbeitslosenquote im Juli mit 2,8 Prozent in der Region Fulda deutlich unter dem Landesschnitt von 4,5 Prozent.

Spitzenplatz dank kleiner und mittelständischer Betriebe

Die Region Fulda wurde früher als strukturschwaches Gebiet im ehemaligen Zonenrandgebiet der Ex-DDR verschrienen, in den vergangenen zehn Jahren ist die Arbeitslosigkeit allerdings halbiert worden. Die Region hat damit Hessens Spitzenplatz inne. „Mit dem aktuellen Wert stehen wir am Eingangsportal zur Vollbeschäftigung“, sagt Waldemar Dombrowski, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Arbeitsagenturbezirks Bad Hersfeld-Fulda.

Dombrowski hat für den anhaltenden Trend mehrere Gründe ausgemacht. „Wir verfügen über einen guten Branchen-Mix und sind nicht abhängig von großen Arbeitgebern. Die Region ist geprägt von zahlreichen kleinen und mittelständischen Betrieben und Unternehmen. Zudem genießen unsere Handwerksbetriebe, die weit über die Region tätig sind, einen guten Ruf.“ Die Baubranche sei gefragter denn je. Ein Vorteil sei auch die zentrale Lage in Deutschland. Weitere starke Branchen in der Region sind Pflege, Gesundheit und Touristik, wie Dombrowski aufzählt.

Arbeitslosenzahl wird kaum noch sinken

Die Arbeitslosenzahl wird wahrscheinlich nur noch marginal weiter sinken. Der Chef der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, sieht die Vollbeschäftigung bei einer Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent erreicht. Neben der notwendigen Sucharbeitslosigkeit, die bei Job-Wechseln entstehen kann, gebe es eine große Gruppe mit „stark verfestigten Hindernissen“, eine Arbeit aufzunehmen. Das können fehlende Schul- und Ausbildungsabschlüsse sein, Sprachprobleme oder die alleinige Kindererziehung.

Von den zuletzt rund 3400 Arbeitslosen verfügt die Hälfte über keinen Berufsabschluss, berichtet Dombrowski. Ein weiteres Hemmnis: In Osthessen hätten es Menschen mit geringer Mobilität schwer. Manche Unternehmen in der Rhön und im Vogelsberg seien bei weitem nicht so gut erreichbar wie etwa Kommunen im Rhein-Main-Gebiet.

Doppelt so viele Ausbildungsstellen wie Bewerber

Das Problem des Fachkräftemangels dürfte sich in der Region Fulda weiter verschärfen. In diesem Jahr gibt es doppelt so viele Ausbildungsstellen (über 2600) wie Bewerber (über 1300) - „dieses 2:1-Verhältnis ist hessenweit einmalig“, sagt Dombrowski. „Von Altenpfleger bis Zimmerer haben wir überall etwas anzubieten.“

Die Firma Jumo tut sich vor allem schwer, nicht-akademische Fachkräfte zu finden. Es gebe allgemein zu viele Studierte und zu wenige Facharbeiter, klagt Firmensprecher Michael Brosig. „Auf Biegen und Brechen wachsen Hochschulen und Universitäten – und eine Ebene weiter unten mangelt es dann. Aber die Stellen sind nicht weniger anspruchsvoll und manchmal auch nicht schlechter dotiert.“ Das Unternehmen bildet daher verstärkt selbst aus. / dpa, mbl

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