Löschfahrzeug und Drehleiter der Berliner Feuerwehr beim Ausrücken aus der Feuerwache 1300 in Berlin-Prenzlauer Berg.
+
Achtung, am Donnerstag heulen im ganzen Land die Sirenen.

Technische Gründe

Am Donnerstag heulten beim Warntag im ganzen Land die Sirenen – im Kreis Fulda und im Vogelsbergkreis aber nicht

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
    schließen
  • Michel Ickler
    Michel Ickler
    schließen

Der schrille Alarm weckt die Aufmerksamkeit. Zwar heulen die Sirenen meist „nur“ bei Übungen oder Feuerwehreinsätzen; für den Ernstfall können sie allerdings als Lebensretter fungieren. In Hessen gibt es drei verschiedene Signale. Am Donnerstag gibt es ab 11 Uhr einen Warntag.

  • Sirenensignale sind ein Wecksignal. Ein Warntag findet am Donnerstag, 10. September 2020, statt.
  • Im Landkreis Fulda und auch im Vogelsbergkreis werden am Donnerstag aber aus technischen Gründen kein Signaltöne zu hören sein.
  • Es gibt Smartphone-Apps, die über Push-Meldungen auf amtliche Warnungen aufmerksam machen können.

Update vom 8. September, 15.44 Uhr: Aus ähnlichen Gründen wie im Landkreis Fulda (siehe Update von 12.55 Uhr weiter unten) nimmt auch der Vogelsbergkreis nicht am bundesweiten Warntag teil. „Die Sirenen unterstützen nur das Signal Feueralarm. Eine Auslösung der Sirenen kann hierbei zu Verwechslungen führen.“

Das antwortete der Vogelsbergkreis am Dienstag auf eine Anfrage der Fuldaer Zeitung. Aus den genannten Gründen verzichte der Vogelsbergkreis am Warntag auf eine Auslösung. Weiter erklärte eine Sprecherin: „Unsere Kommunen wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass wir keinen Sirenenalarm auslösen.“

Auch andere Landkreise würden das so wie im Vogelsbergkreis handhaben, hieß es. Beispielsweise wird es auch in Heidelberg kein Sirenen-Spektakel geben. Die rProbewarnung erfolgt dort lediglich über die Warn-Apps und Rundfunkdurchsagen, berichtet das Portal heidelberg24. Der Grund: Das Heidelberger Sirenennetzes befindet sich gegenwärtig im Wiederaufbau.

Update vom 8. September, 12.55 Uhr: Aus technischen Gründen werden am bundesweiten Warntag am Donnerstag im Landkreis Fulda keine Sirenen zu hören sein. Das teilte der Kreisfeuerwehrverband des Landkreises Fulda mit. „Aus aktuell technischen Gründen können nicht alle Sirenen mit dem gewünschten Warnsignal, welches für die Bevölkerung gedacht ist ausgelöst werden.“

Bundesweiter Warntag: Im Landkreis Fulda heulen die Alarm-Sirenen nicht

Stattdessen würde ein falsches Signal, nämlich die Feuerwehr-Alarmierung, ausgelöst werden. Das könnte die Bevölkerung verwirren, hieß es. Gerade für die Bevölkerungswarnung sollte aber mit einem einminütigen auf- und abschwellenden Heulton sensibilisiert werden. Zudem „würde die Alarmierung aller Sirenen im Landkreis Fulda 30 Minuten dauern. Die Entwarnung ist für 11.20 Uhr vorgesehen. Somit wäre ein Zeitverzug gegeben.“

Erstmeldung vom 8. September, 11.45 Uhr: „Die Alarmierung über Sirenensignale soll bei der Bevölkerung als Wecksignal gesehen werden“, informiert Leoni Rehnert, Pressesprecherin des Landkreises Fulda. Der Landkreis Fulda verfüge flächendeckend über einen sehr hohen Abdeckungsbereich der Sirenenanlagen, die primär zur Warnung der Bevölkerung genutzt werden.

Warnung erfolgt über drei Signale

„Es ist abzusehen, dass sich der Anteil durch Neuinstallationen erhöhen wird“, ergänzt die Sprecherin. Für den Betrieb und die Einrichtung der Anlagen sind die jeweiligen Gemeinden zuständig. Am Donnerstag, 10. September 2020, findet bundesweit der erste Warntag statt.

„Die Alarmierung über Sirenensignale soll bei der Bevölkerung als Wecksignal gesehen werden“, sagt Leoni Rehnert, Pressesprecherin Landkreis Fulda

Dieser wird danach jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September durchgeführt. Ziel ist es zum einen, die technische Infrastruktur der Warnung in ganz Deutschland mittels einer Probewarnung zu testen.

Zum anderen geht es am Warntag darum, Warnprozesse transparenter und mögliche Warnanlässe, wie zum Beispiel zuletzt bei einem Großbrand in einer Lagerhalle in Fulda-Kohlhaus oder einem Feuer in der Raiffeisen-Lagerhalle in Hünfeld zum Einsatz gekommen, bekannter zu machen.

Die Warnung der Bevölkerung über Sirenen erfolgt über drei Signale: Die bekannteste Form ist der Feueralarm. Bei diesem ist ein einminütiger Dauerton zu hören, der zweimal unterbrochen wird. Feuerwehren, wie die der Stadt Fulda, werden allerdings nicht mehr über Sirenen alarmiert, da jeder Feuerwehrmann einen Funkmeldeempfänger besitzt.

Ein Probealarm der Sirene findet jeden vierten Samstag im Quartal statt, teilt die Feuerwehr Fulda-Nord auf ihrer Webseite mit. Nach dem Ertönen des Signals sollten Verkehrsteilnehmer speziell auf Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn achten.

Welche Aufgaben haben die Landkreise?

Sie sollen Gemeinden bei deren Aufgaben beraten und unterstützen. Dazu zählt auch die Warnung der Bevölkerung. Dabei sind Landkreise unter datenschutzrechtlichen Vorschriften befugt, Warnmitteilungen an Mobilfunkgeräte zu übermitteln. Diese Warnmitteilungen können auch Verhaltensempfehlungen enthalten.

Zudem sind Landkreise für die Planung und Förderung der Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung zuständig. Alarmpläne und Einsatzpläne für die Gewährung nachbarlicher Hilfeleistungen innerhalb und über die Grenzen des Kreisgebietes hinaus sind aufzustellen.

Gemeinsame Übungen, Ausbildungs- und Fortbildungsveranstaltungen der Feuerwehren im Landkreis werden von den Landkreisen geplant und durchgeführt. Zudem muss eine ständig erreichbare und betriebsbereite Leitstelle für den Brandschutz, die Allgemeine Hilfe, den Katastrophenschutz und den Rettungsdienst betrieben werden.

Ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton bedeutet indes eine Warnung für die Bevölkerung vor drohenden Gefahren. „Der Alarm würde zum Beispiel bei erheblichen Unwettern wie Fluten, Stürmen, Gefahrstoffwolken in Form radioaktiver, biologischer oder chemischer Substanzen aktiviert“, erklärt Rehnert.

Weitere Gefahren könnten Naturgefahren, gefährliche Wetterlagen, Waffengewalt und Angriffe, Unfälle in Chemiebetrieben, Störungen des Verkehrs, Stromausfälle, Ausfälle der Versorgung, Krankheitserreger, Radioaktivität und Feuer sein. „Die gewarnten Personen sollen sich im Fall des auf- und abschwellenden Heultons über weitere Quellen genauer über die Art der Gefahr und Verhaltensempfehlung informieren“, sagt die Pressesprecherin.

Video: Bundesweiter Alarm: Darum gibt es den Warntag

Rundfunkdurchsagen erfolgen über die Sender des Hessischen Rundfunks, des Südwestrundfunks und weiterer regionaler Sender, informiert das Land Hessen. Mittlerweile gibt es zudem mehrere Smartphone-Apps, die über Push-Meldungen auf amtliche Warnungen aufmerksam machen können. Dazu gehört zum Beispiel „NINA“, die amtliche Warn-App des Bundes.

Welche Aufgaben haben die Gemeinden?

Gemeinden sind dazu verpflichtet, in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden eine Bedarfs- und Entwicklungsplanung zu erarbeiten. Diese dient der stetigen Überprüfung der örtlichen Verhältnisse. So ist eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, die mit den notwendigen baulichen Anlagen und Einrichtungen sowie technischer Ausrüstung ausgestattet ist.

Dazu gehört auch eine angemessene Löschwasserversorgung für die örtlichen Verhältnisse. Die Gemeindefeuerwehr ist so aufzustellen, dass sie innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung wirksame Hilfe einleiten kann. Darüber hinaus sind Gemeinden verpflichtet, Notrufmöglichkeiten einzurichten und die Warnung der Bevölkerung sicherzustellen. 

Geben die Behörden Entwarnung – das dritte Signal – , ertönt ein einminütiger Dauerton über die Sirenen. Um die Funktionalität der Anlagen zu gewährleisten, erfolgt eine vierteljährliche Kontrolle der Sirenen im Landkreis. Zudem soll am 10. September eine bundesweiten Probewarnung durchgeführt werden. Dadurch sollen auch Warnprozesse transparenter gemacht werden, wie sie zuletzt auch bei einem Großbrand in Fulda notwendig waren, bei dem viele Schaulustige vor Ort waren.

Welche Aufgaben hat das Land?

Das Land Hessen berät und unterstützt die Gemeinden und Landkreise bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Des Weiteren ist es verpflichtet, Alarmpläne und Einsatzpläne für Ereignisse aufzustellen, von denen Gefahren für mehrere Landkreise ausgehen könnten.

Bei einer Katastrophe trifft Hessen die zur Abwehr erforderlichen Maßnahmen. Das Land kann erforderlichenfalls den Einsatz von Feuerwehren, der anderen Einheiten und Einrichtungen des Katastrophenschutzes sowie Übungen anordnen.

Auch unterhält das Bundesland eine Landesfeuerwehrschule. Die Brandschutzerziehung, Brandschutzaufklärung und Brandschutzforschung muss gefördert werden. Außerdem ist Hessen dafür zuständig, ein gemeinsames Funknetz für den Brandschutz, den Katastrophenschutz und den Rettungsdienst einzurichten und zu unterhalten.

Prinzipiell gibt es zwei Sirenenarten. Elektromechanische Sirenen, die durch ihr charakteristisches Pilzdach bekannt sind, erzeugen mittels Elektromotor einen Luftstrom, der gegen einen schlitzförmig unterbrochenen Stator gerichtet wird, wodurch der Ton erzeugt wird. Signale der elektrischen Sirenen werden hingegen durch einen elektronischen Generator erzeugt. Sie sind durch mehrere Lautsprecher gekennzeichnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema