Fotos: Karl-Heinz Burkhardt

Warum wurden in Steinbach mehrfach Bomben gefunden?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Steinbach - Nicht nur in Großstädten stößt man bei Erdbewegungen immer wieder auf militärische Altlasten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Meist sind diese mehrere Meter tief verschüttet. Oft aber liegen sie nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche, wie in der Gemarkung des Burghauner Ortsteils Steinbach.

Das teilt der Landkreis Fulda mit. Zuletzt förderte man im Herbst 2018 beim Pflügen ein Geschoss aus dem Ackerboden, ohne dass ein solches Ereignis an die Öffentlichkeit drang. Plötzlich bemerkte der Fahrer eines Schleppers des Getreidebaubetriebs Josef von Wrede einen starken Schlag. Doch zu aller Verwunderung war es kein Stein, der da erheblich am Ackergerät ruckelte, den der Mitarbeiter aus dem Erdreich herauspflügte, sondern eine Bombe.

Bereits in der Vergangenheit hatte Reinold Gabel bei Bodenbearbeitungen auf einem seiner Felder entsprechendes Material entdeckt. Jedes Mal wenn solche „Fundstücke“ in Steinbach ans Tageslicht kamen, waren Polizei und der Kampfmittelräumdienst Hessen zur Sprengstoffbergung vor Ort, schirmten die Fundstellen ab, bargen die mehr oder weniger gefährlichen militärischen Überbleibsel und transportieren sie ab.

Luftangriff auf Steinbacher Bahnhof

Diese stammten von einem Luftangriff kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945. Auf den Gleisen des Steinbacher Bahnhofs war damals ein mit Munition beladener Militärzug der deutschen Wehrmacht abgestellt, auf dessen letztem Wagen eine Haubitze postiert war. Die jungen Soldaten, die diesen verteidigen sollten, seien allesamt verschwunden gewesen, erinnert sich Vinzenz Vogt (86) noch heute.

Zu ihrem Glück, wie sich später herausstellen sollte. Denn vermutlich amerikanische Tiefflieger nahmen im Anflug von Roßbach aus die Munitionswaggons unter Beschuss. Laut Vogt, Walter Klüber (84), Reinhold Vogel (85) und Leopold Kiel (87) kam es dadurch zu verheerenden Explosionen. Kartuschen flogen vom abseits des Dorfs gelegenen Bahnhof auf die „Bimbelbahn“-Strecke Hünfeld-Wenigentaft weit durch die Luft. Bis in den Ortskern hinein, so die Zeitzeugen.

Zeitzeugen berichten von umherfliegenden glühenden Splitter

Aber auch andere glühend heiße Teile des Zugs schleuderten umher. Die Bevölkerung habe sich eine Nacht lang nicht mehr aus den Häusern getraut, wird im Buch „Steinbach – Einblicke in 700 Jahre Dorfgeschichte“ geschildert. Es knallte überall. Die Höfe „Wingefelds“ und „Waltersch“ brannten lichterloh. Vor Scheune und Stallungen des Gehöfts der Eltern von Vinzenz Vogt lagen glühende Munitionskartuschen, die zum Glück kein Feuer entfachten.

Im Jubiläumsbuch berichtet der damals achtjährige Erwin Zimmer als Zeuge des Geschehens: „Mit meinem Opa, dem Albrechts Josef, und einem Schubkarren war ich bei der Ernte auf dem Feld. Der Fliegerangriff kam aus der Richtung, in der die Grotte ist. Opa rief nur ‚Los, mach schnell heim’, dann bin ich losgerannt. Über mich ist der Tiefflieger dann in Richtung Dorfmitte geflogen.“

Zimmer führt weiter an, es sei alles sehr schnell gegangen, und er habe sich bei „Kellersch“ mitten im Dorf in der heutigen Königstraße versteckt. Wie der Opa heimgekommen sei, wisse er nicht mehr. Vom Munitionszug seien Achsen, Steine und glühend heiße Trümmer herumgeflogen.

Widerstandslose Kapitulation bei Einmarsch der US-Truppen

„Als der Zug ausgebrannt und alles ruhig war, haben mein Freund, der ‘Saanad’ Josef (Josef Hohmann), und ich dort kleine weiße Säckchen mit Munitionspulver gefunden. Diese haben wir mitgenommen und das Pulver dann beim Spielen angesteckt.“ Ende März 1945 drangen die US-Militärs von Rothenkirchen her kommend über Steinbach bis nach Eiterfeld vor. Dann rückten auch US-Panzertruppen von Burghaun an. Zum Glück kam es zu keinem Widerstand – wie in manch anderem Dorf im Altkreis Hünfeld - und somit zu keinen Kampfhandlungen. Für Steinbach war der Krieg vorbei. / mbl

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