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Wasser und Abwasser werden in Neuhof teurer

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Neuhof - Turnusgemäß hat die Gemeindeverwaltung die Wasser- und Abwassergebühren neu kalkuliert. Resultat: Für Wohnungsmieter und Hausbesitzer steigen die Gebühren.

Die Gemeinde hob zum 1. Januar die Wassergebühren um 29 Cent auf 2,23 Euro je Kubikmeter an. Die Abwassergebühren stiegen um 13 Cent auf 3,03 je Kubikmeter Schmutzwasser und um 6 Cent auf 0,53 Euro je Quadratmeter veranlagte Fläche beim Niederschlagswasser. Zudem stiegen die monatlichen Grundgebühren für die Wasserzähler um 1,11 Euro beziehungsweise 1,65 Euro auf 5,35 Euro und 8,95 Euro. Dies galt als Kompromiss, denn eigentlich waren höhere Verbrauchsgebühren im Gespräch gewesen.

Mit einer großen Mehrheit von 24 zu 8 Stimmen nahmen die Neuhofer Gemeindevertreter in ihrer letzten Sitzung die geänderten Satzungen an. Die neuen Grund- und Verbrauchsgebühren sollen zu Mehreinnahmen von über 450 000 Euro jährlich führen. Eine Modellfamilie – zwei Erwachsene und zwei Kinder in einem durchschnittlichen Haus, Jahresverbrauch 140 Kubikmeter Wasser – muss 2020 rund 59,50 Euro mehr fürs Wasser und 70,30 Euro fürs Abwasser berappen.

Fehlbeträge nicht einbezogen

Als Gründe für die Steigerung nannte Alfred Schiffhauer, Leiter der gemeindlichen Finanzabteilung, die sogenannte Kostenunterdeckung der Vorjahre und Investitionen in das örtliche Wasser- und Abwassernetz. In der zurückliegenden Kalkulationsperiode seit 2017 seien die Gebühren „sehr knapp kalkuliert worden“ und die Gebühren seien seit Jahren zu niedrig gewesen, um die anfallenden Kosten zu decken. Wie der Experte erklärte, sind die Fehlbeträge der Vorjahre nicht einbezogen worden; eigentlich hätten die bisherigen Gebühren und jene ab 2020 höher ausfallen müssen.

Haupttreiber der Erhöhung sind jedoch neben den Personalkosten und Abschreibungen – auch diese waren in den Vorjahren „zu günstig“ kalkuliert worden – Baumaßnahmen der jüngsten Vergangenheit und der kommenden Jahre: Laut Schiffhauer wurden und werden im Wasserbereich bis 2021 rund 3,495 Millionen und im Abwasserbereich 4,96 Millionen Euro investiert. Diese Ausgaben sollen durch die erhöhten Gebühren langfristig refinanziert werden.

Mehrkosten durch Einführung von Digitalzählern

Eine Diskussion in der Vertretung entspann sich um ein Element aus dem Rechnungswesen: die kalkulatorischen Zinsen – also Kosten, die für die Nutzung des betriebsnotwendigen Kapitals anfallen. Der Zinssatz hatte die Finanzabteilung der Gemeinde um 0,5 Punkte auf 3,5 Prozent gesenkt. Diese Absenkung stellt heutige Gebührenzahler besser. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde eine weitere Absenkung auf 3,25 Prozent diskutiert, um Mieter und Hausbesitzer stärker zu entlasten.

Die BLN hatte eine Absenkung auf drei Prozent befürwortet, weswegen sie den Kompromiss und die Gebühren-Neuordnung in der aktuellen Form nicht mittrug. Thomas Kunze argumentierte, wegen der aktuellen Zinssenkung auf den Kapitalmärkten sei eine stärkere Senkung nötig, zumal es die derzeitige Gebührenerhöhung insgesamt abmildere. Zudem seien 2016 die Gebühren schon einmal erhöht worden. Und die Einführung von Digitalzählern führe zu Mehrkosten. Es sollte die interkommunale Zusammenarbeit gefördert werden, um Kosten zu senken.

Kritik sei sachlich falsch

Die Verwaltung und Abgeordnete traten dieser Kritik entgegen: Sie sei sachlich falsch. Laut Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) gehe es beim diskutierten Zinssatz nicht um den Kapitalmarkt, sondern um langfristige Verbindlichkeiten. „Er hat 30 bis 50 Jahre Gültigkeit.“ Zudem sei vorgeschrieben, dass Gebühren, die in einem Kalkulationszeitraum zu viel gezahlt werden, im darauffolgenden Jahr an die Bürger zurückfließen; es gehe kein Geld verloren, wie Josef Benkner, Sprecher der Grünen, sagte.

Seine Fraktion hatte sich für 3,5 Prozent ausgesprochen, damit die aktuellen Investitionen und Kosten nicht auf nachfolgende Generationen geschoben werden. Finanzchef Alfred Schiffhauer betonte zudem, dass die Digitalzähler fiskalisch besser abschnitten als analoge, weil keine Zählerableser mehr beauftragt und bezahlt werden müssten und weil es nicht zu Übertragungsfehlern komme. „Digitalzähler belasten die Gebühr mit nichts“, sagte er. / nz

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