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Wasserkraftbetreiber in Sorge: Kein Kompromiss nach Gespräch mit RP

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kreis Fulda - Viele Wasserkraftbesitzer der Region fürchten nach dem Mindestwassermengenerlass der Hessischen Landesregierung um ihre Existenz. Ein Gespräch mit dem Kassler Regierungspräsidenten hat zu keinem Kompromiss geführt.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

Umstieg auf Ölmotoren, acht Monate Stillstand bis hin zur Schließung der ganzen Mühle: Der Mindestwassermengenerlass (siehe Infobox) des Landes bereitet den ansässigen 80 Mühlenbetreibern des Landkreises Kopfzerbrechen. Für eine Kompromisslösung fand ein Gespräch zwischen der Interessengemeinschaft Rhön und Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU) in Kassel statt. Manfred Hempe, Sprecher der Interessengemeinschaft, zeigte sich nach dem Termin enttäuscht. Auch in den vergangenen eineinhalb Monaten habe sich nichts getan.

Anhörungsverfahren gestartet

Die Obere Wasserbehörde habe inzwischen Anhörungsverfahren gestartet und erste Festlegungen von Mindestwassermengen erlassen. Aus Sicht der Wasserkraft sei dieses bürokratische Vorgehen vom Schreibtisch aus auf Basis veralteter Pegeldaten inakzeptabel, heißt es in einer Pressemitteilung der Mühlenbesitzer. Auch das Argument, den ökologischen Wert des Gewässers zu verbessern, ist für Hempe unverständlich.

Im Fluss Weid, an dem Hempe seine über 500 Jahre alte Mühle betreibt, leben verschiedene Fischarten, sagt er. Sogar eine Fischtreppe, damit die Fische bei niedrigem Wasser keine Probleme bekommen flussaufwärts zu wandern, wurde 2010 für die Tiere gebaut. Es laufen durchschnittlich 120 Liter Wasser pro Sekunde durch die Weid. 75 werden davon in den Mühlbach abgeleitet. „Laut dem neuen Erlass dürfte ich nur noch 30 Liter ableiten. Damit kann ich keine Mühle betreiben. Hinzu kommt, dass beim Abstellen der Mühle die Flora und Fauna des Mühlbaches zu Grunde geht“, erläutert Hempe. Der gewünschte ökologische Zustand werde damit zunichte gemacht. „Deswegen muss jede Mühle individuell betrachtet werden.“

Die Nerven liegen blank

Die Nerven liegen bei den Mühlenbetreibern blank – sie fürchten um ihre Existenz so wie Mark Reinau, der die Hasenmühle in Tann betreibt. „Ich müsste die Turbinen meiner Mühle für sieben Monate im Jahr ausschalten. Damit würde mein zweites Standbein, die Stromerzeugung, wegfallen“, sagt der Landwirt. Das Regierungspräsidium Kassel befinde sich aufgrund der auftretenden Problematik in einem „komplexen Diskussions- und Entscheidungsprozess“ mit der Interessengemeinschaft Wasserkraft Rhön. „Deshalb möchten wir uns außerhalb dieses Prozesses zu inhaltlichen Fragen derzeit nicht öffentlich äußern“, lässt Pressesprecher Michael Conrad verlauten.

Zwar könnte Reinau mit einer leistungsstärkeren Turbine mehr Strom gewinnen, doch die aktuelle Situation lässt dies nicht zu. „Es traut sich niemand mehr in dieser Branche zu investieren. Anstatt umweltfreundlichen Strom zu fördern, gehen unsere Mühlen zugrunde“, ärgert sich der 54-Jährige. Durch einen möglichen Stillstand würden die Turbinen rosten und die Wartungskosten wären zu hoch.

„Auch ist eine solche Mühle ein Kulturgut, das verloren gehen würde“

Auch Hempe kann nicht viel Verständnis aufbringen, schließlich dienten die Mühlen für das Gemeinwohl der Region. Alle Mühlen im Landkreis erzeugen im Jahr genug Strom, um eine Stadt wie Hünfeld zu versorgen. „Auch ist eine solche Mühle ein Kulturgut, das verloren gehen würde“, zählt Hempe weitere Argumente auf. Zudem sei die ökologische Funktion des Mühlgraben nicht zu unterschätzen. „Sie sind wichtige Nischen für Vögel und Insekten. Auch legen die Forellen in der Laichzeit ihre Eier dort ab.“

Der Landtagsabgeordnete Markus Meysner (CDU), der ebenfalls bei dem Gespräch in Kassel anwesend war, könne beide Parteien verstehen. „Die Unterschiede bei den Mühlen sind sehr groß, so dass aus meiner Sicht jede Mühle individuell betrachtet werden muss. Die Schwierigkeit besteht darin, den richtigen Kompromiss zu finden, dass der eigentliche Bachlauf genügend Wasser hat, um Flora und Fauna zu erhalten, aber gleiches gilt auch für die oft qualitativ hochwertigen Mühlengräben.“ Insofern sei der eingeschlagene Weg, miteinander zu reden anstatt übereinander, der richtige und solle sachlich fortgeführt werden. Auch Markus Hofmann, Landtagsabgeordneter der Grünen, spricht sich für Einzelfallbetrachtungen aus, um Härtefälle weitestgehend zu vermeiden.

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