Harald Jörges hofft, dass die 16 Schulungsflugzeuge, die im Hangar stehen, bald wieder eingesetzt werden können.
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Harald Jörges hofft, dass die 16 Schulungsflugzeuge, die im Hangar stehen, bald wieder eingesetzt werden können.

Keine Flieger am Himmel

Wasserkuppe: Flugschulen und Hotels leiden unter Corona-Beschränkungen

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Die Wasserkuppe ist der Berg der Flieger. An guten Tagen befinden sich dort mehr Flugzeuge, Modellsegler und Paraglider in der Luft als an jedem anderen Ort in Deutschland. Doch auch hier sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie sichtbar. Fliegen ist im Moment untersagt – mit Folgen für die Betreiber.

  • Durch die Corona-Beschränkungen ist das Fliegen an der Wasserkuppe untersagt.
  • Kunden bleiben aus. Das trifft nicht nur die Flugschulen sondern auch die Hotels und Restaurants.
  • Die Betreiber klagen über hohe Verluste und hoffen auf Lockerungen.

Wasserkuppe - Sowohl die Fliegerschule Wasserkuppe mit dem Restaurant Weltensegler als auch die Gleitschirmflugschule Papillon mit den dazugehörigen zwei Hotels, dem Restaurant und dem neuen Feriendorf leiden unter den Beschränkungen. Flug-, Gaststätten- und Hotelbetrieb ruhen. Eine ungewohnte Stille herrscht auf der Wasserkuppe.

Gesamte Schulungsflotte parkt im Hangar

„Wir haben jetzt schon mehr als 100.000 Euro Verlust, die gesamte 16 Flugzeuge umfassende Schulungsflotte steht im Hangar. Ich habe Dutzende von Anfragen aus allen Teilen Deutschlands und auch aus dem Ausland. Sie wollen gerne fliegen, sich aus- oder weiterbilden lassen. Ich muss leider allen absagen“, klagt der Leiter der Fliegerschule Wasserkuppe, Harald Jörges, und zeigt auf einen Wust von E-Mail-Ausdrucken.

Konkurrenz in NRW darf schulen

Sauer ist Jörges darüber, dass die Konkurrenz in Nordrhein-Westfalen, die Flugschule Oerlinghausen, schulen darf. Die Ungerechtigkeit versteht er nicht und befürchtet, dass einige der treuen Wasserkuppen-Flieger eventuell nicht mehr wiederkommen.

Andreas Schubert (links) und Boris Kiauka sind stolz auf ihr neues Feriendorf. Es ist ein Fünf-Millionen-Projekt. Doch aktuell dürfen keine Gäste kommen.

„Die Flieger stellen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor im Rhön-Tourismus dar“, betont Jörges. Bei gut 500 Kunden der Flugschule, die teilweise mit Familie anreisen und bis zu 14 Tage bleiben, bedeute dies viele Übernachtungen und Kaufkraft für die Region.

Auch die Modellflieger, für die die Wasserkuppe das Mekka des Fliegens ist, sind treue Rhöntouristen. Sie übernachten in den Orten rund um die Wasserkuppe. Und das seit vielen Jahren. Auch sie dürfen derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht kommen, erklärt Jörges.

Angestellte in Kurzarbeit

Insgesamt acht Angestellte der Fliegerschule, darunter vier Fluglehrer, sind in Kurzarbeit. Sie sorgen an guten Tagen dafür, dass die 250 bis 300 Starts am Tag problemlos verlaufen. Jörges hat schon eine Eingabe beim Regierungspräsidium Kassel gemacht, um wenigstens geschlossene Lehrgänge anbieten zu können. Seit Jahren kommt beispielsweise die Bundeswehr mit Dutzenden von Soldaten. Dies sei jedoch abgelehnt worden.

Rund 120 leere Betten

Noch ärger hat es die benachbarte Flugschule Papillon getroffen. „Wir sind ein mittelständisches Tourismusunternehmen“, sagt Geschäftsführer Andreas Schubert. Neben den Schulungen werden Reisen und Übernachtungen angeboten. Die Mehrheit der Mitarbeiter ist in Kurzarbeit. „Uns ist seit zwei Monaten fast das gesamte Geschäft weggebrochen“, klagt er. „Dabei lief es bis Mitte März richtig gut.“

Die Folgen aufgrund des Ausbildungsverbotes: Es kommen keine Flugschüler. Die beiden Hotels Peterchens Mondfahrt und Deutscher Flieger sowie das Feriendorf – eine Fünf-Millionen-Euro-Investition – mit zusammen rund 120 Betten stehen leer. Pro Jahr übernachten dort 20.000 Gäste. „Das ist ganz bitter“, sagt Schubert. Er kann ebenso wenig wie Mitgeschäftsführer Boris Kiauka verstehen, warum in den Ferienwohnungen niemand übernachten darf. Verstehen können sie auch nicht, warum sie nicht ausbilden dürfen. „Die Lehrer stehen mehr als zwei Meter von den Piloten entfernt. Der Abstand ist größer als im Baumarkt“, sagt Kiauka.

Hoffen auf Lockerungen

Die beiden Papillon-Geschäftsführer gehen davon aus, dass erst wieder im Jahr 2021 so viel Umsatz gemacht wird wie in den vergangenen Jahren. Sie hoffen jetzt, dass die coronabedingten Beschränkungen für die Schulungen sowie die Gastronomie und Hotellerie so schnell wie möglich aufgehoben werden.

Auch wenn die fehlenden Umsätze der vergangenen Wochen nicht aufzuholen sein werden, hoffen sie, dass es einen Deutschland-Trend beim Tourismus in diesem Jahr geben wird und die Rhön davon profitiert. „Die Wasserkuppe kann sich als Berg der Flieger vielleicht hervorheben“, sagt Harald Jörges. Das geht aber nur, wenn Flugzeuge und Paraglider wieder abheben dürfen.

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