Das stark beschädigte Segelflugzeug wurde am Sonntagnachmittag abtransportiert.
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Hier wird der Segelflieger am Sonntag, 30. Mai, von der Landesstraße geräumt. Der Pilot hatte offenbar den Bremshebel nicht bedient und ist über die Landebahn hinausgeschossen.

Segelflieger gerät auf Straße

„Wir wären fast getroffen worden“: Zwei Ehrenbergerinnen waren bei Flugunfall auf der Wasserkuppe

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Als vor drei Wochen ein Segelflieger ungebremst auf die Landesstraße geraten ist, waren Marie Hohmann (20) und Antonia Brehl (18) auf der Wasserkuppe unterwegs. Wären sie nicht zur Seite gesprungen, hätte der Flieger sie getroffen, berichten sie unserer Zeitung.

Wasserkuppe - An einem warmen Sonntagnachmittag waren sie mit Freunden auf der Wasserkuppe unterwegs und wollten zum Guckaisee wandern. Die Gruppe, drei Männer und drei Frauen zwischen 18 und 27 Jahren aus Ehrenberg, lief auf dem Gehweg, der zum Fuldaquelle-Parkplatz und entlang des Flugfeldes führt.

Plötzlich näherte sich der Segelflieger – nur eine von ihnen habe das Flugzeug kommen sehen und die anderen laut gewarnt. „Ich weiß gar nicht mehr, was sie gerufen hat. Aber wir rannten alle sofort los“, sagt Marie Hohmann. Einige von ihnen sprangen zur Seite und duckten sich. „Dann hörten wir einen lauten Knall.“ 

Flugunfall auf der Wasserkuppe: „Wir wären fast getroffen worden“

Der Segelflieger war auf die Landesstraße gerollt und gegen den Bordstein des angrenzenden Gehwegs geprallt. „Das Flugzeug hat sich auf der Straße gedreht. Es hatte echt lange und scharfkantige Flügel. Die hätten mindestens einen von uns sechs getroffen“, sind die beiden Frauen sicher. Sie sind froh, dass ihre Freundin, die vorne gelaufen ist, den Flieger zufällig gesehen hat, „wir haben ihn ja nicht gehört“. Segelflieger fliegen normalerweise geräuschlos, ohne Motor.

„Wir waren alle geschockt“, schildert die 18-jährige Antonia Brehl. Eine Passantin lief herbei. Sie sei Kinderärztin und fragte, ob es allen gut gehe. Unterdessen liefen die Jungs aus der Gruppe zum Flugzeug und sahen nach dem Piloten, der unverletzt blieb. Er habe ausgesehen, als stehe er unter Schock.

Dann seien Mitarbeiter der Flugschule zum Unfallort gekommen. „Wir wussten irgendwie nicht, was wir tun sollen. Wir wollten nicht gaffen oder im Weg stehen und sind nach zehn Minuten gegangen. Ich war irgendwie auch froh, dass ich dann da weg war“, erklärt Antonia Brehl.

„Vor uns war ein Mann mit einem Kinderwagen. Er hätte nicht schnell reagieren können.“

Marie Hohmann bemerkte jedoch später Schmerzen in Knien und in der Schulter. Sie war bei der „Flucht“ vor dem Flieger gestolpert und hingefallen. Ihr Arzt stellte eine Prellung an der Schulter fest. „Nach zwei Tagen habe ich mich bei der Polizei gemeldet, dass ich bei dem Unfall verletzt wurde“, erklärt die 20-Jährige. Ob sie Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung stellen wolle, hätten die Beamten gefragt. Sie sieht davon ab. „Der Pilot macht sich bestimmt eh schon große Vorwürfe“, sagt Hohmann.

„Wir wollen niemandem etwas Böses“, sagt Antonia Brehl. „Wir sind froh, dass niemandem etwas Ernsthaftes passiert ist.“ Doch der Vorfall habe sie alle an den Flugunfall von 2018 erinnert, als drei Menschen auf jenem Gehweg starben, nachdem ein Propellerflugzeug über die Landebahn hinausgeschossen war. Sie sagen: „Vor uns war ein Mann mit einem Kinderwagen. Er hätte nicht wie wir schnell reagieren und wegrennen oder wegspringen können.“

Die beiden, die aus dem nahegelegenen Ehrenberg-Reulbach kommen, täglich die Flieger am Himmel sehen und oft die Wasserkuppe besuchen, lieben den Berg der Flieger. Aber sie würden sich wünschen, dass es dort sicherer wird.

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