Prozess vor Landgericht Fulda

Flugunglück auf der Wasserkuppe 2018 - Pilot: „Es tut mir wahnsinnig leid“

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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In 100 Jahren Flugsportgeschichte auf der Wasserkuppe ist die Tragödie vom 14. Oktober 2018 eines der schlimmsten Unglücke, die dort je passiert sind. Eine Mutter und ihre zwei Kinder starben, weil sie von einer Propellermaschine erfasst wurden. Der Pilot muss sich ab heute vor dem Landgericht Fulda verantworten.

Update von 12.31 Uhr: Zum Auftakt des Prozesses um einen Flugunfall mit drei Toten auf der Wasserkuppe, hat der angeklagte Pilot den Angehörigen sein tiefes Bedauern ausgedrückt. „Es tut mir wahnsinnig leid“, sagte der Mann am Dienstag vor dem Landgericht Fulda. „Ich kann nicht verstehen, wie dieser schlimme Unfall passieren konnte, der so viel Leid gebracht hat.“ Bis heute denke er täglich an den Unfall und träume nachts davon. Sein Anwalt erklärte, sein Mandant würde alles dafür geben, den Flug ungeschehen zu machen.

Bildergalerie: Flugunglück auf der Wasserkuppe - Prozessauftakt vor dem Landgericht Fulda

Nach dem Flugunglück auf der Wasserkuppe vor drei Jahren muss sich der Pilot vor dem Landgericht Fulda verantworten.
Nach dem Flugunglück auf der Wasserkuppe vor drei Jahren muss sich der Pilot vor dem Landgericht Fulda verantworten. © Daniela Petersen
Großer Medien-Ansturm vor dem Prozess-Auftakt am Landgericht Fulda: Nach dem Flugunglück auf der Wasserkuppe vor drei Jahren steht der Pilot vor Gericht.
Großer Medien-Ansturm vor dem Prozess-Auftakt am Landgericht Fulda: Nach dem Flugunglück auf der Wasserkuppe vor drei Jahren steht der Pilot vor Gericht. © Daniela Petersen
An der Unfallstelle auf der Wasserkuppe erinnern Gestecke an das Unglück. Ab Dienstag, 2. März, steht der Pilot vor Gericht.
An der Unfallstelle auf der Wasserkuppe erinnern Gestecke an das Unglück. Ab Dienstag, 2. März, steht der Pilot vor Gericht. © Daniela Petersen
Die Schranke wurde nach dem Unfall auf die Fahrbahn gerollt, das Flugzeug untersucht.
Die Schranke wurde nach dem Unfall auf die Fahrbahn gerollt, das Flugzeug untersucht. © Joscha Reinheimer

Der Mann aus Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz ist wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Luftverkehrs angeklagt.

Flugunglück auf der Wasserkuppe 2018 - Pilot steht vor Gericht

Erstmeldung vom 2. März, 9.03 Uhr:

Wasserkuppe/Fulda - Gestecke, Grablichter und eine Engelsfigur mit den Worten „Du lebst in unseren Herzen“ erinnern heute an das Unglück vom 14. Oktober 2018. Es ist damals ein warmer Sonntag, einer der letzten schönen Tage des Jahres. Viele Besucher sind auf die Wasserkuppe gekommen, um dort spazieren zu gehen, um den Segelflugzeugen bei den Starts und Landungen zuzuschauen. Auch eine 39-Jährige aus Sinntal macht mit ihren beiden Kindern, elf und zwölf Jahre alt, einen Ausflug. Sie stehen auf einem Gehweg in der Nähe der L 3068, als sie von einem Flugzeug, das über die Landebahn schießt, erfasst und mitten aus dem Leben gerissen werden.

Hinter dem Steuer sitzt ein 56-jähriger Pilot, der sich für diesen Unfall nun vor dem Landgericht Fulda verantworten muss. Der Mann aus Ludwigshafen ist wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Luftverkehrs angeklagt. Die einmotorige Propellermaschine, eine Cessna F 172 N, soll laut Staatsanwaltschaft überladen gewesen sein. Der Pilot habe versäumt, das Gewicht der mit vier erwachsenen Passagieren besetzten Maschine zu überprüfen.

Flugunglück auf der Wasserkuppe: Propellermaschine soll 62 Kilo zu schwer gewesen sein

Der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) führt an, dass die Maschine nur mit maximal 1043 Kilo hätte beladen sein dürfen. Beim Start in Mannheim habe das Gesamtgewicht inklusive Kraftstoff, Passagieren und Gepäck 1105 Kilo betragen – 62 Kilo zu viel. Auch bei der Landung sei die Maschine noch 28 Kilo zu schwer gewesen. Darüber hinaus habe der Pilot Fehler beim Landeanflug begangen. So sei er zu schnell gewesen und habe die Entscheidung zum Durchstarten zu spät getroffen.

„Der Flugunfall ist darauf zurückzuführen, dass das Durchstartmanöver von dem Piloten an einer Position eingeleitet wurde, an der die Leistung des Luftfahrzeugs nicht ausreichte, um im ansteigenden Gelände wieder ausreichend an Höhe zu gewinnen“, heißt es in dem Untersuchungsbericht. Eine technische Störung habe zum Unfallzeitpunkt an der Maschine nicht vorgelegen. Zum Unfall beigetragen habe die späte Entscheidung, doch durchzustarten, das anspruchsvolle Flugplatzgelände in Kombination mit der Beladung, leichtem Seitenwind, der Geländehöhe sowie der Temperatur, aber auch die Tatsache, dass quer zur Piste eine Straße mit Gehweg verläuft, die „bei an- und abfliegenden Luftfahrzeugen nicht ausreichend von Fahrzeug- und Personenverkehr freigehalten wurde“.

Angeklagter Pilot war nicht unerfahren - Vater der Familie als Nebenkläger vor Landgericht Fulda

Der Bericht führt auch an, dass der Pilot nicht unerfahren war. Seit 1984 habe er Flugerfahrung. Nach den persönlichen Flugbuchaufzeichnungen habe er 682 Flugstunden mit Motorflugzeugen absolviert. Bis 2012 wurden außerdem 107 Flugstunden auf Ultraleichtflugzeugen aufgezeichnet. In den drei Monaten vor dem Unfall habe er elf Landungen absolviert. Auch der Sonderlandeplatz Wasserkuppe sei ihm nicht unbekannt gewesen. In der Vergangenheit sei er laut Zeugenaussagen dort bereits drei oder viermal gelandet.

Zehn Prozesstage sind angesetzt. Der Vater der Familie ist als Nebenkläger zu der Verhandlung vor dem Landgericht Fulda zugelassen.

Rubriklistenbild: © Daniela Petersen

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