Emotionale Ansprache des Angeklagten

Prozess um Flugzeug-Unglück auf der Wasserkuppe: 58-jähriger Pilot erhält Bewährungsstrafe

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Im Prozess um das Flugzeug-Unglück auf der Wasserkuppe, bei dem im Oktober 2018 drei Menschen ums Leben kamen, ist am Landgericht in Fulda das Urteil gesprochen worden. Der 58-jährige Pilot aus Ludwigshafen erhält eine Bewährungsstrafe.

Fulda - Etwas früher als erwartet ist die Kammer um den Vorsitzenden Richter Josef Richter am Donnerstag, 18. März, in Fulda zu einem Urteil gekommen: Der Pilot (58), der mit seiner einmotorigen Propellermaschine am 14. Oktober 2018 eine Mutter (39) und ihre beiden Kinder (11 und 12) aus Sinntal erfasst und tödlich verletzt hat, ist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Das Strafmaß reicht hierbei von einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Der Pilot wurde zu sechs Monaten Haft, die auf Bewährung ohne Auflagen ausgesetzt ist, wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen und zur Übernahme der Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Angeklagte hatte angekündigt, einen Geldbetrag von 5000 Euro an den Nebenkläger zu zahlen. Da „die Kammer die Erwartung hat, dass er dies auch tun werde, wurde von der Erteilung weiterer Bewährungsauflagen und -weisungen abgesehenen“, erklärt das Langericht Fulda. (Lesen Sie hier: Flugzeug-Unglück auf der Wasserkuppe - Augenzeuge berichtet vor Gericht)

Prozess um Flugzeug-Unglück auf der Wasserkuppe: 58-jähriger Pilot erhält Bewährungsstrafe

Nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung hatte der Angeklagte noch einmal das Wort. Wie bereits zum Prozessauftakt verlas er eine Erklärung. Diesmal waren es wenige, aber bewegende Worte. Er rang um Fassung, als er den Satz vom Beginn der Verhandlung wiederholte: „Seit zweieinhalb Jahren gab es keinen Tag, an dem ich nicht an dieses schreckliche Unglück, an die Opfer und an die Hinterbliebenen denke.“ Er sagte: „Aufgebaut haben mich spontane Gespräche mit der Mutter und der Schwester der Verstorbenen und die Aussicht darauf, gemeinsam das Grab zu besuchen.“ Mit tränenerstickter Stimme sagte er abschließend: „Meine Gedanken werden auch weiterhin bei den Opfern und Hinterbliebenen sein.“

Bei dem Flugzeug-Unfall auf der Wasserkuppe sind drei Menschen gestorben.

Zu Beginn der Verhandlung hatte sich die Kammer zu einer Einstellung des Verfahrens geäußert, die von der Verteidigung ins Spiel gebracht worden war. Der Vorwurf der fahrlässigen Gefährdung des Luftverkehrs wurde daraufhin fallen gelassen. Hauptgrund dafür war das Thema Überladung des Fliegers. Nach Aussagen eines Gutachters sei davon auszugehen, dass das Flugzeug beim Start in Mannheim mit acht Kilogramm „nur geringfügig überladen gewesen ist“, erklärte Richter Josef Richter. Auf der Wasserkuppe habe sich die Überladung durch den Verbrauch von Benzin erübrigt, sodass dies „letztendlich nicht ursächlich für den Unfall war“, so Richter. Was blieb, war der Vorwurf der fahrlässigen Tötung.

Wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung: Pilot erhält nach Flugzeug-Unglück Bewährungsstrafe

Die Staatsanwaltschaft forderte, den 58-jährigen Piloten zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung zu verurteilen sowie 10.000 Euro an eine gemeinnützige Rettungsorganisation zu zahlen. „Außerdem kann ich mir vorstellen, dass sich der Angeklagte dazu verpflichtet, sich ehrenamtlich im Bereich der Opferhilfe zu betätigen“, sagte Staatsanwalt Andreas Hellmich.

Die Verteidigung wiederum plädierte auf eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Diese juristische Möglichkeit werde nur sehr selten angewandt. Sie hätte zur Folge, dass der 58-Jährige straffrei bleibt, dass er sich aber in einer Bewährungszeit von einem Jahr an Auflagen halten muss. Diese Auflagen würden eine Zahlung von 5000 Euro an die Hinterbliebenen der Opfer sowie eine Mitarbeit in einer Opferschutz oder Hilfsorganisation beinhalten. Falls gegen die Auflagen verstoßen wird, würde eine Geldstrafe verhängt von 180 Tagessätzen. Einen Betrag nannte Verteidiger Steffen Lindberg nicht. Dieser würde sich dann nach dem Nettogehalt des Angeklagten bemessen. 

Rubriklistenbild: © Joscha Reinheimer

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