Industrikletterer sanieren Radom auf der Wasserkuppe.
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In schwindelerregender Höhe sanieren die Industriekletterer die undichte Radarkuppel.

Arbeiten in luftiger Höhe

Radom auf der Wasserkuppe ist undicht: Industriekletterer flicken die Radarkuppel

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Das Radom auf der Wasserkuppe ist undicht. Um das Bauwerk zu sanieren, sind diese Woche Industriekletterer an oder besser gesagt auf Hessens höchstgelegenem Denkmal im Einsatz – in 25 Metern Höhe. 

  • Das Radom auf der Wasserkuppe ist undicht.
  • Industriekletterer sanieren Hessens höchstgelegenes Denkmal.
  • Es ist die größte Sanierungsmaßnahme seit Errichtung des Bauwerks.

Wasserkuppe - Sergej Kurevlev macht dem Fliegerdenkmal (Berg der Flieger) Konkurrenz. Zumindest, wenn es darum geht, wer zurzeit am häufigsten fotografiert wird. Wenn der 36-jährige Industriekletterer leichtfüßig an der Kuppel des Radoms hinauf läuft, erinnert das ein bisschen an einen Astronauten auf dem Mond.

Für die vielen Touristen, die am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein auf dem Gipfel der Wasserkuppe unterwegs waren, bot dies ein besonderes Fotomotiv – was sie sicher dafür entschädigt, dass sie in der Zeit der Sanierungsarbeiten das Radom nicht besichtigen können. Bis Freitag sind zwei Industriekletterer im Einsatz. „Aber wenn sie Feierabend haben, um circa 16 Uhr, ist das Drehkreuz wieder begehbar“, erklärt Heike Herzog-Best von der Radom gGmbH.

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Bild: Arved Sartorius

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Industriekletterer an der Wasserkuppe: Größte Sanierung seit Errichtung des Radoms

Am Dienstag haben die Industriekletterer der Firma Gears aus Steinau an der Straße mit der Sanierung des Kulturdenkmals begonnen. Laut Herzog-Best ist es die größte Sanierungsmaßnahme seit der Errichtung der Radarkuppel vor 25 Jahren.

Die Kuppel, die aus glasfaserverstärkten Kunststoffelementen besteht, ist undicht.

Grund sind undichte Stellen an der Hülle, die aus fünf- und sechseckigen glasfaserverstärkten Kunststoffelementen besteht – die das Radom von Nahem ein bisschen wie einen Fußball aussehen lassen.

Die Fugen zwischen den Elementen werden mit einer speziellen Masse verdichtet, damit keine Feuchtigkeit mehr eindringen kann. Gut 20 Stellen müssen ausgebessert werden. Während Sergej Kurevlev am Dienstag mit der Sanierung von außen beschäftigt war, befand sich sein Kollege Konstantin Hengl (38) im Inneren der Kuppel.

Der Beruf

Ein Industriekletterer – oder auch Seilzugangstechniker genannt – wird vor allem dann gebraucht, wenn Arbeiten in luftiger Höhe erledigt werden müssen: „Beim Aufbau von Windkraftanlagen oder beim Säubern großer Verbrennungskessel in Müllverbrennungsanlagen“, nennt Konstantin Hengl, der aktuell für die Firma Gears auf der Wasserkuppe tätig ist, Beispiele.

Die Seilzugangstechnik ist eine gesonderte Ausbildung. Hengl und sein Kollege Sergej Kurevlev sind gelernte Handwerker (Maler/Lackierer sowie Tischler). Jeder Arbeiter wird immer mit zwei Seilen gesichert. Die Seilzugangstechnik ist oft eine günstige Alternative zur Arbeit mit Hebebühnen und Gerüsten

Von dort hat er die undichten Stellen im Blick und kann seinen Kollegen per Funk von einem „Leck“ zum nächsten lotsen, weil die Stellen von außen nicht gut zu finden seien, wie Hengl erklärt. Er sagt, er orientiere sich an den Punkten, an denen Licht durchscheint.

Sein Kollege draußen hängt an nur einem Seil – daneben gibt es noch ein Notfallseil. Die zwei Seile sind mithilfe einer Hebebühne an der Spitze der Kuppel befestigt worden. Die Oberfläche des Radoms ist glatt. „Wir können uns nur am Seil festhalten“, erklärt Sergej Kurevlev. Das sei aber kein Problem. „Letztendlich klettern wir ja nicht wirklich.“ Mit einer Seilwinde ziehen sie sich hinauf und stützen sich letztendlich mit den Füßen ab.

Haben die Industriekletterer keine Höhenangst?

Haben vor und auch auf dem Radom alles im Griff: die Industriekletterer Konstantin Hengl (links) und Sergej Kurevlev.

Gefährlich sei der Job am Radom nicht: „Wenn ein Seil beschädigt ist, hält mich das andere“, erklärt der 36-Jährige und sein Kollege fügt hinzu: „Ob du nun aus zehn Metern oder aus 25 Metern abstürzt – tödlich wäre beides.“ So abgebrüht muss man in diesem Beruf wohl sein.

Höhenangst wäre nicht von Vorteil“, sagt Hengl und lächelt verschmitzt. „Und es bringt nichts, wenn ich das Seil hoch- und runterkomme, aber zwei linke Hände habe.“ Beide sind gelernte Handwerker, einer Maler und Lackierer, der andere Tischler. Der 38-jährige Hengl aus Göttingen hat sich vor zehn Jahren zum Industriekletterer ausbilden lassen, sein Kollege, der aus Wildflecken kommt, vor sieben Jahren.

Aus der Entfernung sieht der Industriekletterer aus wie eine Stecknadel in einem Globus.

Die beiden wirken erfahren und unerschrocken. „Mit der richtigen Ausrüstung und guter Vorbereitung gehen wir bei unseren Arbeiten kein Risiko ein“, betonen sie. Einzig das Wetter muss mitspielen. Die Arbeiten sollten vergangene Woche beginnen. Doch wegen des unbeständigen Wetters wurden sie auf diese Woche verschoben: So führt sie ihr Job noch bis Freitag täglich bei schönstem Wetter auf fast 1000 Höhenmeter – auf den höchsten Punkt Hessens.

Einsätze in luftiger Höhe hat auch die Bergwacht Wasserkuppe.

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