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Bei der ersten Pressekonferenz zu „Robin Hood“ ahnte Peter Scholz noch nicht, dass die Premiere um ein Jahr verschoben wird.

Interview mit Peter Scholz

Wegen Corona: Verschiebung der „Robin Hood“-Premiere

Der Musicalsommer 2020 ist wegen Corona abgesagt. Robin Hood wird seinen Bogen erst 2021 im Fuldaer Schlosstheater spannen. Dazu stand Peter Scholz, Produzent und Geschäftsführer von spotlight, unserer Zeitung Rede und Antwort.

Seit wann hat spotlight mit eine Absage des Musicalsommers gerechnet?
Ich habe es seit einigen Wochen schon nicht mehr ausgeschlossen. Ein bisschen hatte ich noch darauf gehofft, dass alle Nationen ihre Kräfte und Gelder bündeln und ein Medikament gegen Corona finden. Aber das konnte natürlich nicht so schnell gefunden werden, es braucht noch Zeit. Und wir mussten nun eine Entscheidung treffen.
Diese ist am Mittwoch endgültig gefallen.
Ja. Wir mussten dabei die Entscheidung der Landesregierung abwarten, damit die juristischen Grundlagen geschaffen sind, die sachlichen, und keine emotionalen.
Dahinter steckt auch die Frage, wie es finanziell für alle Beteiligten weitergeht, oder?
Genau. Wir werden für alle Künstler, die bei uns unter Vertrag stehen, Kurzarbeitergeld beantragen. Das ist ein enormer bürokratischer Aufwand. Dafür werden wir in Vorleistung gehen und haben nun die juristische Grundlage, dass wir das Geld zurückbekommen.
Wie weit war der Musicalsommer denn schon aus organisatorischer Sicht?
Seht weit natürlich, das Stück ist fertig, alles war fix geplant und vorbereitet.
Der finanzielle Schaden dürfte damit groß sein.
Wir arbeiten nunmal in einem Hochrisiko-Bereich, was die Gelder betrifft. Das muss uns in jedem Jahr klar sein. Es kommt einfach auf jede Vorstellung an. Anders formuliert: Hätte es im vergangenen Jahr bei den Open-Air-Abenden mit „Bonifatius“ vor dem Dom durchweg geregnet, dann würden wir heute wahrscheinlich nicht miteinander sprechen.
Unlängst war zu lesen, dass spotlight durch Corona nicht automatisch in den Ruin getrieben wird.
Das hängt aber unter anderem auch mit der emotionalen Bindung unserer Kunden und Partner zusammen. Ob Zuschauer, Sponsoren oder auch die Stadt Fulda: Alle sind uns so eng verbunden, dass sie uns weiter ihre Unterstützung zukommen lassen. Denn alle wissen, was der Musicalsommer für Fulda bedeutet. Sowohl kulturell als auch wirtschaftlich. Unser Glück, so muss man es sagen, ist natürlich auch der Zeitpunkt, an dem wir absagen mussten. Der Stopp kam nicht Knall auf Fall. Wir konnten uns etwas vorbereiten. Den Messeorganisator Peter Kinold, der jetzt insolvent ist, hat es da ungleich härter erwischt. Wir hoffen für ihn, dass der Staat ihn irgendwie auffangen wird.
Den Herbst 2020 anzuvisieren, war von Anfang an keine Option?
Nein, diese Überlegung wäre nicht belastbar gewesen. Technisch wäre es nicht durchführbar, etwa was Verträge betrifft. Ganz abgesehen davon, dass niemand weiß, wie im Herbst die Situation aussehen wird und ob ein Theaterbetrieb dann überhaupt wieder aufgenommen werden kann. Außerdem heißt es „Musicalsommer“ und nicht „Musicalherbst“.
Wie haben die Darsteller reagiert?
Natürlich sind die auch enttäuscht, aber alle haben schon damit gerechnet, dass es so kommen wird. Für 2021 bekommen sie alle neue Verträge, wir werden nämlich kein neues Casting machen. In dem Punkt greift unsere gegenseitige Solidarität. Was Corona betrifft, da sitzen wir alle im selben Boot. Wir werden niemanden fallenlassen.
Wird der „Robin Hood 2021“ exakt der sein, der er 2020 gewesen wäre?
Das Stück ist natürlich fertig. Aber wir werden nun wieder ein wenig Abstand dazu gewinnen und neue Blickwinkel einnehmen. Und weiter an dem Musical arbeiten.
Legt spotlight darüber hinaus jetzt die Hände in den Schoß?
Auf gar keinen Fall. Wir nutzen die Zeit konstruktiv und arbeiten jetzt zusammen mit Chris de Burgh an einer CD, auf der der Werdegang des Musicals dokumentiert sein wird.
Das heißt, ein bisschen „Robin Hood“ gibt es in diesem Jahr doch zu hören?
Ja.
Wann ist diese CD im Handel zu kaufen?
Gar nicht. Es wird ein Produkt sein, das als Dankeschön für die Kunden gedacht ist, die ihre bereits erworbenen Tickets für 2021 eintauschen oder sich Karten für die Spielzeit im kommenden Jahr kaufen. Es ist eine Anerkennung für das Vertrauen, welches uns entgegengebracht wird.
Die Termine für 2021 stehen schon, oder?
Ja, und es wird einige Zusatzvorstellungen geben. Auf den Musicalsommer 2021 freuen wir uns jetzt schon.

Service

Die neue Weltpremiere wird am 4. Juni 2021 in Fulda stattfinden. Chris de Burgh hat sein Kommen zugesagt. Die erste Preview startet am 26. Mai 2021.

„Wir starten zwei Wochen früher als üblich und spielen auch nach hinten raus länger, so dass wir im kommenden Jahr drei Wochen mehr Spielzeit haben als 2020“, erklärt Produzent Peter Scholz. „Jeder hat die Chance, einen vergleichbaren Platz zu bekommen wie 2020. Die Preiserhöhung 2021 wird zurückgenommen, daher gelten weiter die Preise von 2020, womit wir ein möglichst unkompliziertes Verfahren beim Umtausch haben. Wir danken dem Schlosstheater Fulda für die Möglichkeit der Terminausweitung 2021.“

Umbuchungen ab Mitte Mai geplant: Unter den Homepages www.spotlight-musicals.de und www.musicalsommer-fulda.de werden ab Mitte Mai alle Möglichkeiten und Vorgehensweisen zum Tickettausch übersichtlich vorgestellt.

Von Deutschlands größter Ticketplattform wird an einer neuen Umtauschsoftware gearbeitet, mit der alle Kunden bequem und ohne Kosten bedient werden sollen. Darüber hinaus wird auch für Einzelbuchungen an einem Online-Formular und Rückrufservice gearbeitet, um Kunden telefonisch bedienen zu können. Gruppenbuchungen und Reservierungen der Reiseindustrie werden ab sofort telefonisch bearbeitet.

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