Foto: Jessica Vey

Als es zu Weihnachten noch keinen Baum gab

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Wie wurde vor 250 Jahren Weihnachten gefeiert? Und warum gab es damals keine Weihnachtsbäume? Frau Hoys, eine Handwerkerfrau aus der Barockzeit, erzählt Kindern bei einer einstündigen Führung im Vonderau Museum, wie das Leben damals in der Weihnachtszeit aussah.

Von unserem Redaktionsmitglied Jacqueline Kleinhans

Wenn Monika Herchen aus Fulda ihr Kostüm anzieht, wird sie zu Maria Margareta Genoveva Hoys. Im Vonderau Museum sitzt sie an einigen Tagen in der Vorweihnachtszeit in der Bauernstube und erzählt den Kindern, wie Weihnachten in der Barockzeit gefeiert wurde. „Bei Frau Hoys bringt das Christkind die Geschenke – und nicht der Weihnachtsmann. Den kennt Frau Hoys nämlich überhaupt nicht“, erklärt Herchen, die eine von sieben Darstellerinnen ist.

In die Rolle der Handwerkerfrau schlüpft Monika Herchen gerne: „Es ist schön, den Kindern zu erzählen, wie abergläubisch die Menschen damals waren.“ So glaubten sie, dass in der Heiligen Nacht böse Geister durch die Straßen zogen. „Um diese zu vertreiben, haben die Bewohner Strohpuppen von außen über die Tür genagelt, damit die Geister vorbeiziehen“, sagt die Fuldaerin.

Herchen schlüpft in verschiedene Rollen

Solch eine Strohpuppe zeigt Frau Hoys den Kindern, die bei der rund einstündigen Führung im Vonderau Museum dabei sind. Außerdem hat sie immer einen Muff dabei, „denn die Leute trugen damals nur das, was sie selbst herstellen konnten“. Auch ein paar weihnachtliche Figuren aus Gips holt Herchen bei den Führungen zum Vorschein. „Maria Hoys war die Frau von Johann Hoys, der die Stadtpfarrkirche mit Stuck geschmückt hat“, so Herchen, die die jungen Besucher immer miteinbezieht, indem sie gemeinsam singen oder die Kinder ein Gedicht aufsagen. Außerdem erzählen sie Frau Hoys, wie sie Weihnachten feiern und was für sie zum Fest dazugehört.

Unvorstellbar für die Kinder sei die Tatsache, dass die Menschen vor 250 Jahren keinen Weihnachtsbaum in ihrem Wohnzimmer hatten. „Die standen – wenn überhaupt – am Hof oder in öffentlichen Gebäuden. Die ersten Tannenbäume in privaten Haushalten gab es in Thüringen“, weiß Monika Herchen, die seit mehr als zehn Jahren für Führungen in verschiedene Rollen – Schokoladenmädchen oder Frau Dientzenhofer – schlüpft.

Was an Weihnachten wirklich wichtig ist

Dass es an Heiligabend keine zahlreichen Geschenke gab, verblüffe die Kinder weniger. „Sie lernen, dass es an Weihnachten nicht darum geht, zig Geschenke zu bekommen. Die drei Kinder von Frau Hoys erhalten etwas Gestricktes“, so Herchen. Und im Dom, den es damals schon gab, würden die Menschen Geschenke neben die Krippe legen, die der Pfarrer an die armen Bürger verteilt. Erstaunt ist Herchen oft darüber, wie gut die Kleinen zuhören.

Die Rolle zu spielen, hat Monika Herchen sensibilisiert, für das, was wirklich wichtig ist an Weihnachten: „Es kommt nicht auf viele Geschenke unterm Baum an, sondern mit der Familie zusammen sein.“

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