Die Störche können auf den Masten nisten.
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Die Störche können auf den Masten nisten.

Ein Zuhause für Meister Adebar

Der Weißstorch ist wieder da: Bruterfolge im ganzen Landkreis Fulda

Nachdem es lange keine Brutpaare mehr in der Region gegeben hat, ist der Weißstorch inzwischen wieder heimisch geworden und verzeichnet Bruterfolge. Zu verdanken ist das einer Zusammenarbeit von Naturschützern und der RhönEnergie (RE) Fulda.

  • Die RhönEnergie baut mit Naturschützern gemeinsam Nisthilfen für Störche auf.
  • Seit den 1930er und 40er Jahren gab es keine Weißstörche mehr.
  • Im Frühjahr 2020 waren im Landkreis Fulda von 20 Storch-Brutpaaren 16 erfolgreich.

Kreis Fulda - Seit den 30er- und 40er-Jahren habe es in der Region viele Jahrzehnte lang keine Weißstörche mehr gegeben, heißt es in einer Mitteilung der RhönEnergie. Als Ergebnis „einer beispielhaften Zusammenarbeit regionaler Naturschützer, der RhönEnergie Fulda sowie lokaler Akteure“ sei die Vogelart inzwischen in Osthessen wieder heimisch und verzeichne „kontinuierlich wachsende Bruterfolge“. Wesentlich beigetragen hätten dazu „die zahlreichen über viele Jahre in der Region aufgestellten Storchenbrutmasten“.

Der Weißstorch ist wieder im Landkreis Fulda heimisch geworden

Eine „Führungsrolle bei der Wiederansiedlung des Weißstorchs in Osthessen“ hatte demnach die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) übernommen. Zur Umsetzung habe sie sich Partner gesucht, unter anderem den regionalen Energieversorger. Die gemeinsame Grundidee bestehe darin, den Störchen Bruthilfen in Form von Storchenmasten zu geben. Diese werden im Frühjahr von den aus dem Winterquartier heimkehrenden Störche aus der Luft entdeckt und bezogen.

Für das Aufstellen der Masten ist Spezialgerät notwendig.

„Initiatoren des Projekts waren Ehrenamtler von der HGON“, berichtet Reinhard Kolb vom HGON-Arbeitskreis Fulda/Rhön in der RE-Mitteilung. „Sie haben geeignete Standorte für die Brutmasten ausgesucht, standen jederzeit beratend zur Verfügung und haben mit unseren Mitgliedern zumeist auch die Nistkörbe vorgeflochten. Als leistungsfähiger Partner stand uns über all die Jahre die damalige ÜWAG, beziehungsweise seit 2013 die RhönEnergie Fulda, mit materieller und logistischer Unterstützung zur Seite“, berichtet er.

Ökologische Bewertung

Die Wiederkehr und die Ansiedlung der Störche sei für den Arten- und Naturschutz ein Gewinn, sagt Werner Peter, Vogel-Beringer im Auftrag der Vogelwarte Helgoland. „Als Charaktervogel der Auen ist der Storch Flaggschiff-Art für diesen Lebensraum und steht als Vorzeigeart für die Erhaltung der Auen, die über Jahrzehnte geschändet und ruiniert wurden. Die ‚Funktion‘ des Weißstorches ist, dass er das Artenspektrum der Auen bereichert und er in diese Lebensgemeinschaft gehört wie die Butterblume, der Frosch oder die Libelle.“

Außerdem sei er für den Arten- und Naturschutz ein Gewinn: „Der Weißstorch ist ein Sympathieträger und in der Auenlandschaft für die Bürger ein Erlebnisvogel.“

Naturschützer und RhönEnergie bauen gemeinsam Masten für die Störche zum Nisten auf

Ohne die langjährige Unterstützung der Firmen ÜWAG, RE und Osthessennetz sei dieser Erfolg für den Weißstorch nicht möglich gewesen. Die Bereitstellung von Masten, Metallkörben, der Transport zu den Standorten, Bagger- und Aufstellarbeiten sowie der Einsatz technischer Spezialfahrzeuge und qualifizierter Mitarbeiter hätten die Wiederansiedlung im Landkreis Fulda erst möglich gemacht, würdigt Kolb.

Konkret startete die Aktion mit den Metallhorsten in Osthessen in den Jahren 2008 und 2009 unter Leitung von Jörg Burkard, seinerzeit Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Fulda. Seither habe er die Standorte neuer Brutmasten ausgewählt. Seit Mai 2008 haben allein die RhönEnergie und deren Vorgänger ÜWAG 43 Storchenbrutmasten aufgestellt. Hinzu kämen Nester anderer Vogelschützer.

Die auf den Mast jeweils aufgesetzte Brutplattform hat laut RE die Lehrwerkstatt der Unternehmensgruppe entwickelt. Die Metallkörbe wurden dann jeweils mit RE-Auszubildenden gebaut und in Zusammenarbeit mit Flechtarbeiten von Naturschützern oder von Kindergartengruppen „wohnlich“ gestaltet.

16 Storch-Paare brüten im Frühjahr 2020 erfolgreich im Landkreis Fulda

Naturschützer Burkard konnte sich bei der Auswahl der neuen Standorte auf Erfahrungen mit Brutmasten stützen, die Naturschutzkollegen im Main-Kinzig-Kreis gemacht hatten. Denn: Entscheidend für die Attraktivität eines Nest-Standortes ist das Nahrungsangebot für die Vögel. Weitläufige (feuchte) Wiesen sind besonders geeignet, wie er berichtet. Seither ist die Zahl der in Osthessen brütenden Störche kontinuierlich gestiegen. Allein im Frühjahr 2020 waren im Landkreis Fulda von 20 Brutpaaren 16 erfolgreich. Diese haben 38 Jungstörche produziert, von denen 34 beringt wurden. Mit 1,9 Jungen pro Brutpaar liegt die Fortpflanzungsrate über dem Sollwert zur Bestandserhaltung.

Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda, erklärt, man engagiere sich seit Langem auf mehreren Ebenen für den Artenschutz. „Besonders sichtbaren Erfolg haben dabei die gemeinsamen Aktionen zur Rückkehr des Weißstorchs.“ Diese habe man finanziell und logistisch über Jahre unterstützt. „Dass dieses gemeinsame Engagement mit dem Naturschutz sichtbar Früchte trägt, freut uns sehr“, sagte Heun. (han)

Lesen Sie hier: In Herbstein hat ein Storchenpaar Drillinge bekommen. In der Dirloser Aue haben sich erstmals Störche niedergelassen.

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