Das Berghotel mit dem Restaurant Talblick am Hoherodskopf soll trotz laufendem Insolvenzverfahren geöffnet bleiben, bis ein Nachpächter gefunden ist. / Foto: Alina Hoßfeld

Weitere Insolvenz: Howa-Chef Fertig zieht sich aus mehreren Gastronomie-Betrieben zurück

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Das Gastronomieunternehmen Howa war durch sein rasantes Wachstum bekanntgeworden. Dann kam im vergangenen Jahr die Insolvenz. Einer der beiden damaligen Geschäftsführer, Mario-Sebastian Fertig (31), führte einige Betriebe in einer anderen Gesellschaft weiter. Doch auch diese – die GHC Service OHG – steht nun vor dem Aus.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Sie hatten sich viel vorgenommen: Mario-Sebastian Fertig und Stephan Krause kamen im September 2016 als Jungunternehmer in die Region und mischten die Gastroszene mächtig auf. Ihr Vorhaben klang ambitioniert: Sie sagten unserer Zeitung, sie wollten das Wirtshaussterben auf dem Land aufhalten.

Mit ihrer neuen HOWA Gastronomie & Hotel Services GmbH mit Sitz in Gersfeld übernahmen sie innerhalb von einem Jahr sieben Gastrobetriebe in der Rhön, in Unterfranken und im Vogelsberg und schufen 60 Arbeitsplätze. Dafür wurden Krause und Fertig mit dem hessischen Gründerpreis ausgezeichnet.

Erstes Insolvenzverfahren im November 2018

Ende November 2018 jedoch wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet, aber nur gegen die Howa Management GmbH. In dieser waren laut Mario-Sebastian Fertig ausschließlich die „risikobehafteten Betriebe“ geführt worden: die Guckaistuben am Guckaisee, der Ziegelhof in Poppenhausen-Steinwand, die Stadthalle und die Krone Post in Gersfeld sowie zwei Betriebe in Bad Kissingen. Diese waren von der Insolvenz betroffen.

Grund für das Scheitern war, wie Fertig damals sagte, vor allem „die sehr problematische Personalsituation im Gaststättenbereich, speziell in der Rhön“. Und er betonte damals: Die Rhöner Betriebe seien seit Sommer 2018 von Krause allein geführt worden, Fertig sei seitdem alleiniger Geschäftsführer der gesunden Gastronomie & Hotel Services OHG beziehungsweise GHC Service OHG.

In dieser führte Fertig das Berghotel und Restaurant Talblick am Hoherodskopf, die Rimbachfarm in Steinau an der Straße sowie die Gastronomien im Hessenpark in Neu-Anspach und im Kulturbahnhof in Bad Homburg.

Gesundheitliche Probleme

Doch jetzt steht auch diese Gesellschaft, die ihren Sitz in Bad Homburg hat, vor dem Aus. Das dortige Amtsgericht hat am Dienstag das Insolvenzverfahren über die Firma eröffnet.

Geschäftsführer Fertig nennt für die Aufgabe der Gastronomiebetriebe in Neu-Anspach und Bad Homburg „ernsthafte gesundheitliche Probleme“ als Grund. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Hessenparks Neu-Anspach hervor.

Zukunft von Rimbachfarm und Talblick ungeklärt

Darin erklärt der 31-Jährige, er werde sein Engagement in Neu-Anspach und im Bad Homburger Kulturbahnhof aufgeben. „Ein so großes Gastronomie-Unternehmen zu führen, kostet enorm viel Kraft. Das ist in der momentanen Situation für mich nicht zu bewältigen.“ Allein im Hessenpark sind im Jahr 230 000 Gäste zu bewirten.

Wie es um die Rimbachfarm in Steinau an der Straße sowie um das Berghotel und Restaurant Talblick am Hoherodskopf steht, dazu gab Fertig keine Stellungnahme ab. Für Gespräche stünde die GHC Service OHC nicht bereit, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung.

Nachpächter soll gefunden werden

Die Eigentümerin der Rimbachfarm in Steinau, Jutta Kling, erklärt auf unsere Anfrage hin: „Das Restaurant ist seit Ende Juli zu. Dieses Jahr wird es nicht wieder geöffnet, aber es wird weitergehen.“ Es gebe bereits Gespräche mit einem möglichen Nachpächter, der in der Gastronomie ein anderes Konzept verwirklichen wolle. Die Ferienhausvermietung sei davon unberührt, hier gehe es ganz normal weiter.

Und am Hoherodskopf? Dort läuft aktuell der Hotel- und Restaurantbetrieb. Die Immobilie gehört dem Vogelsberger Höhen Club (VHC). Dessen Vorsitzender Jürgen Klein sagt: „Wir versuchen jetzt, wenn viele Touristen auf den Hoherodskopf kommen, den Betrieb mit den verbleibenden Mitarbeitern aufrechtzuerhalten, bis wir wissen, wie es weitergeht. Es ist Hauptsaison – wäre die größte Gastronomie am Hoherodskopf plötzlich geschlossen, wäre das schlecht.“ Er sei guter Hoffnung, dass der VHC einen Nachpächter findet, der den Betrieb nahtlos weiterführen kann.

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