Er will als Arzt praktizieren und nicht Manager einer Praxis sein: Deshalb wird Simon Dietrich seine Hausarztpraxis in Welkers schließen.
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Er will als Arzt praktizieren und nicht Manager einer Praxis sein: Deshalb wird Simon Dietrich seine Hausarztpraxis in Welkers schließen.

Künftig als Arzt angestellt

MVZ Rhön bekommt Zuwachs: Welkerser Hausarzt Simon Dietrich schließt Praxis und lässt sich anstellen

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Er will als Arzt praktizieren und nicht Manager einer Praxis sein: Deshalb wird Dr. Simon Dietrich (45) seine Hausarztpraxis in Welkers zum 1. April 2021 schließen und zukünftig im Landarzt MVZ Rhön in Poppenhausen und Schmalnau als Arzt angestellt sein.

Fulda - „Vor etwa einem Jahr habe ich mich dazu entschieden, dass ich eine Veränderung möchte. Ich will wieder Arzt sein und die Ebene des Praxismanagements in professionelle Hände geben“, sagt der 45-jährige Dietrich. Seit zwölf Jahren betreibt er die Praxis in Welkers, die er zuvor von Dr. Norbert Rothmund, dem Vater des jetzigen Bürgermeisters, übernommen hat. Sechs Arzthelferinnen, eine Weiterbildungsassistentin sowie die angestellte Ärztin Dr. Anna Eberhardt-Arland sind in der Praxis angestellt. Hier gebe es Gespräche, um Lösungen für Weiterbeschäftigungen zu finden. „Ich habe jung entschieden, als niedergelassener Arzt zu arbeiten. Die Realität holt einen allerdings ein. Letztlich hat mich die Praxisführung viel Zeit und Energie gekostet.“

Das sei der Grund gewesen, weshalb er auf das Landarzt MVZ Rhön zugegangen sei. Dieses Medizinische Versorgungszentrum mit Sitz in Schmalnau und Poppenhausen wurde im Februar 2019 von dem Gersfelder Urologen Werner Holtermann und dem Rothemanner Hausarzt Dr. Daniel Nolte gegründet, die als Gesellschafter das finanzielle Risiko tragen. Hintergrund war der drohende Zusammenbruch der hausärztlichen Versorgung in Schmalnau und Poppenhausen. Dort sollten die Praxen geschlossen werden.

Welkerser Hausarzt Simon Dietrich schließt Praxis und wird im MVZ Rhön als Arzt angestellt

Finanzielle Unterstützung für die Gründung des MVZ gab es vom Land Hessen, das 150 000 Euro zur Verfügung stellte, den Gemeinden Poppenhausen und Ebersburg sowie dem Landkreis Fulda, die zusammen nochmal 150 000 Euro aufbrachten, sodass die nötigen 300 000 Euro bereitstanden.

Aktuell arbeiten vier Ärzte im Landarzt MVZ Rhön, das als GmbH Verträge mit Ärzten und dem Personal abschließt, sich um Abrechnungen, Regresse und Einkäufe kümmert. Geschäftsführer ist der Betriebswirtschaftler Markus Knöfler. Seit Mitte 2020 wird das Ärzte-Team außerdem durch zwei Gemeindeschwestern unterstützt, die sich um Hausbesuche kümmern. Als nächstes sollen die Planungen für ein Praxisneubau in Poppenhausen auf dem Grundstück Steinwiesen vorangetrieben werden. Kürzlich sei der Bauantrag eingereicht worden. Der Umzug sei für Herbst 2022 vorgesehen.

Simon Dietrich wird seine Hausarztpraxis in Welkers zum 1. April 2021 schließen und im Landarzt MVZ Rhön in Poppenhausen und Schmalnau als Arzt angestellt sein.

Bürgermeister Johannes Rothmund: Weggang Dietrichs nicht optimal für Gemeinde Eichenzell

Dass Dietrich den Standort in Welkers verlässt, sei für die Gemeinde Eichenzell „nicht optimal“, wie Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU) erklärt. „Er geht aber zum Glück nicht allzu weit weg.“ Rothmund könne den Schritt nachvollziehen: „Ich bedauere das sehr, aber ich weiß auch, dass das, was mein Vater und auch Herr Dietrich als Arzt in Welkers leisten mussten, heutzutage nicht mehr erwartet werden kann. Die Verhältnisse haben sich geändert – und für niedergelassene Allgemeinmediziner ist es nicht einfacher geworden.“

Der Weggang Dietrichs zum 1. April 2021 zeige aber eines: „Es macht deutlich, dass in Eichenzell Handlungsbedarf beim Thema Ärzteversorgung besteht“, betont Rothmund. Gleichzeitig macht er Hoffnung auf ein MVZ oder zumindest auf so etwas in der Art: „Es gibt Gespräche mit Investoren. Und ich gehe davon aus, dass es eine deutliche Verbesserung der medizinischen Versorgung in Eichenzell geben wird.“ (Lesen Sie hier: Johannes Rothmund über die ersten 100 Tage als Eichenzeller Bürgermeister - „Man darf nicht konfliktscheu sein“).

Gemeinde Eichenzell gilt laut Bürgermeister Rothmund als überversorgt

In der Gemeinde Eichenzell gibt es im Kernort nur einen Allgemeinmediziner. Weitere Ärzte sind in Rothemann, Löschenrod und bislang noch Welkers. Mit einem Versorgungsgrad von rund 125 Prozent gilt die Gemeinde eigentlich als überversorgt. „Das ist aber alles höchst rechnerisch. Manche Zulassungen werden nicht voll genutzt. Deshalb besteht gefühlt schon ein Ärztemangel“, erklärt Rothmund. Hinzu komme, dass einige Ärzte demnächst in Ruhestand gehen.

Das Thema ist auch unter den Eichenzeller Kommunalpolitikern - gerade im Wahlkampf - ein Streitpunkt. Der Vorsitzende des Ausschusses für Sport, Kultur und Soziales, Alfons Schäfer (CWE), verfasste kürzlich eine Pressemitteilung, in der er Vorwürfe der BLE zurückweist. Die Bürgerliste hatte beklagt, dass die Sitzungen des Sozialausschusses mehrfach ausgefallen seien, obwohl es mit dem Thema Ärzteversorgung etwas gegeben hätte, das diskutiert hätte werden können.

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