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Wenig Vertrauen in die Hilfspakete – Viele Fitnessstudios sind auf Mitgliederbeiträge angewiesen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Die Online-Kurse als alternative Angebote zum Workout in den Studios komme bei den Mitgliedern sehr gut an, sagen die Anbieter. Für sie geht es dabei auch darum, ihre Existenz zu sichern. Denn streng genommen müssen die Mitglieder während der Schließung keine Beiträge bezahlen.

Die meisten Fitnessstudios buchen derzeit weiter Mitgliedsbeiträge von den Kunden ab. Viele Studios appellieren dabei an die Solidarität der Mitglieder. Wie reagieren diese?

„Anfragen nach Geldrückzahlungen gibt es bisher nicht. Ich glaube, da macht sich bemerkbar, dass wir keine Kette, sondern ein persönliches Studio mit lange gewachsenen Beziehungen zu unseren Kunden sind“, sagt Maike Schneider vom Yoga- und Pilates-Studio „Blaue Stunde“.

Kommen Kredite und Zuschüsse zu spät?

Andere Erfahrungen hat Daniel Vey vom Fit & Fun gemacht: „Die Reaktionen sind teils positiv, teils negativ. Leider auch ab und an unter der Gürtellinie“, sagt er. Nicht verstehen könne er, wenn Leute ihn und sein Team als „Abzocker“ bezeichnen. „Wir haben in einem öffentlichen Post darauf hingewiesen, dass niemandem ein finanzieller Schaden entstehen wird, wenn alles wieder normal läuft.“ Aber man müsse doch sehen, dass über 50 Arbeitsplätze mit Familien und Kindern an seinem Betrieb hängen. „Würde jeder seinen Beitrag stilllegen oder nur jeder Dritte, dann gibt es bald kein Fit & Fun mehr“, sagt er.

Das Problem ist: Das Kurzarbeitergeld, das viele beantragt haben, reicht nach Meinung vieler nicht aus, um die Krise zu überstehen. Und den angekündigten Hilfspaketen traut man nicht. „Bis einzelne Kredite oder Zuschüsse die Betriebe oder uns erreichen, kann es oft schon zu spät sein“, so Vey.

Betreiber fühlen sich allein gelassen

„Die Kosten – Miete , Kredite, Leasingverträge, Vertragsverpflichtungen und auch ein Teil der Personalkosten – laufen weiter“, sagt Peter Spahn vom Paradiso. „Echte und vor allem ausreichende Hilfen des Staates sind nicht wirklich in Sicht, egal was die Politik zurzeit sagt.“ Soforthilfe bekämen aller Voraussicht nach nur die, „die in den letzten Jahren nicht gut gewirtschaftet haben.“ Alles andere seien Kredite, „die kleinen Betrieben im Nachhinein den Strick um den Hals legen werden.“

In die gleiche Kerbe schlägt Simone Hartmann von der Fitness- und Freizeitinsel. „Viele von uns fühlen sich extrem allein gelassen“, sagt sie. Mit einem Hilfspaket in Form von Darlehen würden viele Insolvenzen nur verzögert. Gleichwohl habe sie Verständnis für die, die Beiträge zurückfordern. „Wir sitzen doch alle im selben Boot.“ Es gebe einige Fälle von Soloselbständigen, von denen man nun keine Beiträge einziehe.

Eine weitere Möglichkeit: Zeitgutschriften

Aber: Sofern sich kein Mitglied meldet, buchen derzeit alle Studios weiter ab. Allerdings manche mit Gegenleistung: Viele kündigen „individuelle Lösungen“ nach Ende der Krise an. Jürgen Weber, Studioleiter im Kieser, sagt: „Wir haben alle unsere 1600 Mitglieder angeschrieben. Die Kunden bekommen eine Zeitgutschrift.“ Das heißt: Die Wochen, in denen nicht trainiert werden kann, können am Ende der Vertragslaufzeit nachgeholt werden. Auch Claus Pieper von der Urbanic Lounge ersetzt die Ausfallzeiten in Form von Gutschriften.

Bei Mrs.Sporty in Petersberg hat Inhaberin Rebecca Mayer bislang keine Probleme mit ihren Kundinnen. Das liege auch daran, dass man die Kunden weiter individuell betreue. Man habe derzeit soviel Arbeit, dass nicht mal Kurzarbeit ein Thema sei.

Jan Bogachev vom AktivFit in Lauterbach hält es für wichtig, dass man die Kunden ehrlich und umfassend informiere. Man müsse nicht auf die Tränendrüse drücken, sondern aufklären. Dann verstehe der Kunde auch die Situation der Studios. / bt

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