360 Wespenarten gibt es laut WWF allein in Deutschland. Eine Wespe sitzt auf einem Blatt.
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360 Wespenarten gibt es laut WWF allein in Deutschland.

Ratschlag der Nabu

Ein gutes Jahr für Wespen: Was man gegen die Plagegeister und bei einem Stich tun kann

Ein Stück Kuchen lockt leider nicht nur Schleckermäuler an, sondern auch Wespen. Das ist vor allem nervig. Wie wird man die Ruhestörer wieder los?

  • Experten verraten, was man gegen die Ruhestörer tun kann und was bei Wespen nicht hilft.
  • Laut WWF gibt es in Deutschland rund 360 Wespenarten - nur zwei Arten davon gehen an das Essen.
  • Wird man von einer Wespe gestochen und geht die Schwellung nach mehreren Tagen nicht weg, sollte man zum Arzt gehen.

Region - Ein paar süße Erdbeeren, ein Marmeladenbrot und duftendes Grillfleisch: Das Picknick in der Natur könnte so schön sein – wären da nicht die nervigen Wespen. „Die wollen einfach nur das haben, was ich auf dem Teller habe“, sagt Biologin Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin.

Aber was kann man tun, wenn man sein Essen nicht mit den kleinen Quälgeistern teilen möchte? „Um keine Wespen anzulocken, kann man Speisen abdecken, süße Getränke verschließen und auf stark parfümierte Körperpflegeprodukte verzichten“, rät Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Leisten die Wespen einem trotzdem am Tisch Gesellschaft, kann man versuchen, sie vorsichtig wegzuschieben – wenn nicht mit der Hand, dann etwa mit der Speisekarte, rät von Orlow. „Ganz dreiste Ruhestörer lassen sich mit Wasser aus kleinen Sprühfläschchen zur Raison bringen“, sagt Wessel vom BUND.

Überreifes Obst, Kaffeepulver und Co.: Wie man die Ruhestörer los wird - und was nicht gegen Wespen hilft

Man könne es auch mit einer Ablenkungsfutterquelle versuchen, etwa überreifes Obst, die einige Meter entfernt abgelegt wird. Tricks wie das Abbrennen von Kaffeepulver, Kupfergeld oder ätherische Öle gegen die Wespen bringe hingegen nicht allzu viel.

Berthold Langenhorst (Nabu Hessen): Wespen seien „hungrig, aber nicht aggressiv“

Nach Einschätzung der Umweltschutzorganisation Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dürften in diesem Jahr etwas mehr Wespen in Hessen umherschwirren als im Vorjahr. Sprecher Berthold Langenhorst sagte, es sei ein „gutes Wespenjahr“. Die Zahl der Tiere hänge insbesondere von der Wetterlage im Frühling ab. Der sei dieses Jahr überwiegend warm gewesen, daher konnten sich die Insekten Langenhorst zufolge gut entwickeln. Die Zahl der Wespen wird nur geschätzt und basiert etwa auf Eindrücken von Insektenexperten, Imkern und Schädlingsbekämpfern.

Auch wenn Wespen am Frühstücks- oder Abendtisch im Freien als Quälgeister empfunden werden, sind sie laut Langenhorst sehr nützliche Tiere. Sie seien sehr gute Mückenfänger und als „Gesundheitspolizei“ bekannt, da sie für die Weiterverwertung toter Insekten sorgten. Die Larven fütterten Wespen nämlich mit Fleisch, beispielsweise von toten Insekten. Auf dem Speiseplan der erwachsenen Tiere stehe dagegen Süßes, erklärte Langenhorst. Sobald die Fütterung der Larven im Spätsommer abgeschlossen sei, seien die Tiere nur noch auf der Suche nach eigenem Futter. „Ab Mitte August sind viele Arbeiterinnen ‚arbeitslos‘ und gehen dann auf Süßes los.“

Bei lästigem Besuch der Wespen am Frühstückstisch rät Langenhorst zu Ruhe. „Die Tiere sind nicht aggressiv, sie können nur ganz schlecht sehen.“ Aufgrund der starken Kurzsichtigkeit, flögen sie meist nah an den Menschen heran, was einige als aggressives Verhalten fehldeuteten. In dieser Situation sollten die Tiere auf keinen Fall angepustet werden, da das ausgestoßene Kohlenstoffdioxid ein Warnsignal für die Wespen sei, erklärte Langenhorst.

Berthold Langenhorst, Sprecher der Nabu Hessen, gibt Tipps, was man gegen Wespen tun kann.

Artenvielfalt: „In der Regel trauen sich nur zwei Wespenarten an unsere gedeckten Tafeln, nämlich die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe“, erklärt Naturschutzexperte Wessel. „Alle anderen Wespenarten interessieren sich nicht für unser Essen.“ Laut WWF gibt es allein in Deutschland 360 verschiedene Wespenarten – dazu zählt im Übrigen auch die Hornisse.

Was tun, wenn man ein Wespennest entdeckt - Experten verraten Tipps

Wer gleich ein ganzes Wespennest bei sich zu Hause entdeckt, sollte sich vom Fachmann Hilfe holen. Eine Genehmigung brauche man nicht, um ein Nest zu entfernen. Bis auf die besonders geschützten Hornissen unterliegen alle Wespenarten dem allgemeinen Naturschutz, erklärt die Biologin Melanie von Orlow. „Aber ich brauche, wie es so schön heißt, einen vernünftigen Grund.“ Das können etwa gefährliche Allergien gegen das Wespengift oder von den Wespen verursachte Bauschäden sein.

Wespen verlassen ihre Nester übrigens nach einer Saison wieder. Von einem Wespenstaat überlebt nur die Königin den Winter. Im Frühjahr beginnt sie mit dem Bau eines neuen Nests. Mit etwas Geduld verschwinden die Tierchen zum Ende der Saison also von ganz allein.

Video: Wespen im Anflug - So wehren Sie sich gegen Angriffe

Das hilft bei Wespenstichen - Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden

Wird der Mensch von einer Wespe gestochen, ist es ganz normal, dass es innerhalb kürzester Zeit zur schmerzhaften Rötung und Schwellung rund um die Einstichstelle kommt. Diese haben jedoch keinen größeren Durchmesser als zehn Zentimeter und klingen innerhalb von 24 Stunden wieder ab.

Wird die Einstichstelle mit Eiswürfeln oder einem Kühlpad gekühlt, dann lindert das den Schmerz und den Juckreiz. Alternativ kann eine halbierte Zwiebel auf die Stelle gelegt werden. Das kühlt und wirkt der Entzündung entgegen. Auch ein Umschlag mit kaltem Essig hilft gegen das Gift. Steht nichts anderes zur Verfügung, kann auch Speichel gegen den Schmerz und die Schwellung helfen. Das Gift aus der Wunde zu saugen wird nicht empfohlen, dadurch kann das Gift über die Schleimhäute noch zusätzlich in den Kreislauf gelangen.

In Apotheken gibt es spezielle Saugstempel aber auch eine Vielzahl an Gels, die kühlen und schmerzlindernd wirken. Wird die Schwellung über zehn Zentimeter groß oder geht auch nach mehreren Tagen nicht zurück, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dieser kann auch noch nach einer Woche feststellen, ob Sie an einer Insektengiftallergie leiden. (dpa, msf)

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