Mehr als 160 Tote

Hochwasser-Katastrophe: Hünfelder Bundespolizei sucht mit Spürhunden nach vermissten Personen

  • Ann-Katrin Hahner
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Die Unwetter in Deutschland haben ganze Landstriche verwüstet, Orte von der Außenwelt abgeschnitten, Häuser weggespült und mehr als 160 Menschen das Leben gekostet. Die Bundespolizei Hünfeld sucht unter Hochdruck nach vermissten Personen.

Update vom 19. Juli, 13:30 Uhr: Die Zahl der Menschen, die in der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ihr Leben verloren haben, hat sich zwischen auf 163 erhöht. Während 30 Feuerwehrleute aus Osthessen bereits am Sonntag zurückkehrten, bestreite die Bundespolizei Hünfeld den fünften Tag ihres Einsatzes im Katastrophengebiet.

„Das Wasser hat sich zurückgezogen, das gesamte Ausmaß der Zerstörung wird sichtbar. Die Infrastruktur ist in vielen Bereichen zusammengebrochen“, teilt die Bundespolizei mit. Aktuell wird die Technische Einsatzhundertschaft im Landkreis Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) eingesetzt.

Die Bundespolizisten entfernen dort mit Radladern und Lkw Treibgut von den Straßen. „Untern den Bergen von Schutt kommen immer wieder Fahrzeuge zu Tage, die teilweise über mehrere Straßenzüge in den Fluten mitgerissen wurden“, schildert die Bundespolizei in einer Mitteilung die dramatische Lage vor Ort.

Am Samstag seien Kräfte der Ersten Einsatzhundertschaft der Hünfelder Abteilung herangezogen worden. Sie suchen mit Spürhunden aktuell unter Hochdruck Gebäude und Gelände nach vermissten Personen ab. Hierbei wurde bislang ein Todesopfer durch die Hünfelder Einsatzkräfte in einem Gebäude gefunden.

Durch die mitgeführten Stromaggregate kann der Bevölkerung an zentralen Stellen im Ort eine Stromversorgung bereitgestellt werden. Viele Menschen kämen, um ihr Handy aufzuladen und so weiter erreichbar zu bleiben. Am Montag soll zudem ein Wassertransportsystem aus Hünfeld nachgeführt werden, um auch die Versorgung mit Trinkwasser sicherzustellen. 

+++ 16.08 Uhr: Der Rettungseinsatz der Bundespolizei Hünfeld im Hochwassergebiet ist in vollem Gange. „Am gestrigen Tag konnten die ,Air-Rescue‘-Spezialisten der Hünfelder Bundespolizei gemeinsam mit Kollegen der Bundespolizeiabteilung St. Augustin und dem Bundespolizei-Flugdienst über 20 Menschen aus ihren von der Umwelt abgeschnittenen und teilweise völlig zerstörten Häusern retten“, berichten die Beamten. Es gebe „große Verwüstungen“.

Weitgehend zerstört und überflutet ist das Dorf im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter mit Hochwasser.

Auch Einsatzkräfte aus dem Main-Kinzig-Kreis haben sich am Donnerstag auf den Weg in den Regierungsbezirk Köln gemacht, um die Retter in besonders von Unwetter und Hochwasser betroffenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen. Ein Löschzug des Katastrophenschutzes und Teileinheiten des ersten und zweiten Betreuungszuges des Main-Kinzig-Kreises sollen das Hochwasser bekämpfen und gleichzeitig bei der Versorgung der Bevölkerung helfen. Dabei sind unter anderem die DRK-Verbände Hanau und Gelnhausen-Schlüchtern.

Hochwasser-Chaos: Einsatzkräfte aus Osthessen helfen in Rheinland-Pfalz und NRW

Seit der Nacht zu Donnerstag sind zudem erste Kräfte des Technischen Hilfswerks aus dem Main-Kinzig-Kreis im Einsatz, unterstützt durch weitere Verbände, die im Laufe des Tages hinzukamen, darunter aus Bad Orb, Gelnhausen, Erlensee und Steinau. Sie wurden schwerpunktmäßig in betroffene Gebiete in Rheinland-Pfalz berufen.

Dieses Bild, das die Bundespolizei Hünfeld am Freitag übermittelt hat, vermittelt einen Eindruck der Situation den Hochwasser-Gebieten.

+++ 13.27 Uhr: Bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands steigt die Opferzahl weiter. Bis Freitagmittag wurden 103 Tote als Folge der Überschwemmungen gezählt. Ein Meteorologe aus Arzell erklärt, warum sich Tiefs aktuell verstärkt über Deutschland entladen.

Update vom 16. Juli, 8.55 Uhr: Nach der Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW ist die Zahl der Toten auf 80 gestiegen. „Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz am Freitagmorgen. Die Bergungsarbeiten liefen weiter.

Wetter: Hochwasser-Katastrophe in Deutschland - Kräfte aus Fulda helfen

Update vom 15. Juli, 19.13 Uhr: Nach der Hünfelder Bundespolizei haben sich nun auch 30 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus Fulda und Großenlüder auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen gemacht, um dort die Folgen von Starkregen und Hochwasser zu bekämpfen. Der Hessische Innenminister Peter Beuth hatte die Katastrophenschutzeinheiten des Landes zur Länderunterstützung in Alarmbereitschaft versetzt und eine sofortige Hilfsaktion angeordnet.

„Wir danken den Einsatzkräften für ihr Engagement und die Unterstützung in Nordrhein-Westfalen. Der Einsatz wird sicherlich anstrengend und fordernd sein. Wir wünschen ihnen die nötige Kraft für den Einsatz und vor allem viel Erfolg bei der Unterstützung vor Ort“, betonten Landrat Bernd Woide und Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt. 

Der Fuldaer Katastrophenschutz entsendet 30 Einsatzkräfte in den Westen Deutschlands.

Lesen Sie hier die Erstmeldung vom 15. Juli, 17.44 Uhr: Die Lage ist nach dem Dauerregen der vergangenen Tage in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen unübersichtlich. Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll. Retter und Retterinnen brachten Menschen in überschwemmten Orten zum Teil mit Booten in Sicherheit. Viele suchten auf Bäumen und Hausdächern Schutz vor den Fluten, Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Es sei schwierig, die Vermissten zu erreichen, da das Mobilfunknetz zum Teil ausgefallen sei, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag in Mainz.

Inzwischen ist klar: Mindestens 42 Menschen haben bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands ihr Leben verloren. Viele Menschen werden aktuell noch vermisst.

Weitgehend zerstört und überflutet ist das Dorf im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter mit Hochwasser.

Das Land Hessen hat zur Unterstützung zahlreiche Helfer und Spezialisten in die Unwetterregionen entsandt. Es seien bereits vier Höhenrettungsteams der Berufsfeuerwehr Wiesbaden sowie die Bergwacht Hessen und die Polizeifliegerstaffel mit drei Hubschraubern in Rheinland-Pfalz im Einsatz, um Rettungsmaßnahmen in der Region Eifel zu unterstützen, erklärte Innenminister Peter Beuth (CDU).

Fulda: Hochwasserkatastrophe in Deutschland - Bundespolizei Hünfeld hatte ersten Einsatz

Auf den Weg machte sich am Donnerstag zudem die Abteilung der Bundespolizei, die in Hünfeld im Kreis Fulda stationiert ist. Aufgrund der extremen Lage seien sämtliche verfügbare Einheiten zur Hilfe angefordert worden, teilte die Pressestelle mit. Die Fachgruppe Technische Maßnahmen Höhen und Tiefen hatte am Donnerstag bereits ihren ersten Einsatz.

Die Bundespolizei aus Hünfeld ist wegen der Hochwasserkatastrophe ausgerückt und hat bereits ihren ersten Einsatz bestritten.

Mit einem Hubschrauber der Fliegerstaffel wurden die als Air-Rescue Spezialisten qualifizierten „Polizeikletterer“ in den Einsatzraum nach Nordrhein-Westfalen geflogen. Dort sollten sie Menschen aus lebensbedrohlichen Lagen retten. Alfons Werner, Polizeihauptkommissar ist von der Lage vor Ort erschüttert: „Die Bilder, die man sieht sind schrecklich.“ Die Situation sei unübersichtlich.

„Es ist eine Ad-Hoc-Situation. Wir wissen noch nicht wo wir eingesetzt werden und wie lange es dauern wird. Aber das ist bei solchen Einsätzen normal“, versichert er. Abhängig von der Wetterlage werde möglicherweise ein zweites Team zur Unterstützung losgeschickt.

Am Nachmittag verließen außerdem weitere Einheiten der Technischen Einsatzhundertschaft, verstärkt durch einen Trupp des Polizeiärztlichen Dienstes, Hünfeld. Die Ausrüstung der Einheiten umfasst unter anderem Radlader, schwere Lkws, Boote, Stromaggregate, Beleuchtungsmittel, die aus Hessen transportiert werden.

Hochwasser in der Eifel: Bad Neuenahr-Ahrweiler und Bitburg-Prüm besonders getroffen

Meteorologe Dominik Jung hatte bereits vor ein paar Tagen gewarnt, der Westen werde am meisten unter den Unwettern zu leiden haben. In Rheinland-Pfalz waren mehrere Orte in der Eifel besonders schwer von dem Hochwasser betroffen. „Leider müssen wir bestätigen, dass sich die Zahl der Todesopfer in Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler auf derzeit insgesamt 18 erhöht hat“, teilte die Polizei am Nachmittag bei Twitter mit. „Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen.“

Dutzende Menschen wurden noch vermisst. Erheblich betroffen sind auch die Landkreise Bitburg-Prüm, Vulkaneifel und Trier-Saarburg. Vielfach mussten Kitas und Schulen geschlossen bleiben.

In Schuld an der Ahr wurden in der Nacht zum Donnerstag nach Angaben der Polizei in Koblenz vier Häuser völlig und zwei weitere Häuser zur Hälfte weggespült. Eine Vielzahl weiterer Gebäude ist einsturzgefährdet. Die Fluten schnitten mehrere Orte von der Außenwelt ab. Etwa 50 Menschen wurden von Hausdächern gerettet, auf denen sie Zuflucht gesucht hatten.

Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurden Menschen in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen. Die Bewohner von mehreren Gemeinden waren von Stromausfall und Einschränkungen der Trinkwasserversorgung betroffen.

20 Tote in Köln - Hochwasserlage in Nordrhein-Westfalen verschärft sich

In Nordrhein-Westfalen bleibt die Lage ebenfalls weiter angespannt. Nach dem Abklingen des Starkregens kämpfen Feuerwehr und andere Einsatzkräfte an vielen Orten mit einer sich verschärfenden Hochwasserlage. Hier starben mindestens 24 Menschen.

Die Polizei Köln berichtete von 20 Toten in der Region. Neben zwei in Köln gefundenen Toten seien bislang aus Euskirchen 15 und aus Rheinbach drei Tote gemeldet worden, teilte die Polizei am Donnerstagnachmittag mit. Noch seien nicht alle gesichteten Leichen geborgen. „Aussagen zur Identität, Alter, Auffindeort und Todesumständen wird die Polizei zum Schutz der Angehörigen nicht veröffentlichen“, erklärten die Beamten.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass im Zusammenhang mit dem Unwetter auch in anderen Landesteilen Nordrhein-Westfalens Menschen starben. In Kamen (Kreis Unna) kam ein 77-Jähriger im einem unter Wasser stehenden Keller seines Hauses ums Leben. In Solingen starb ein 82 Jahre alter Mann nach einem Sturz ebenfalls im überfluteten Hauskeller. Zudem starben zwei Feuerleute. Ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann kollabierte bei einem Unwettereinsatz im sauerländischen Werdohl und starb trotz Reanimationsversuchen. Wenige Stunden zuvor war in Altena im Sauerland ein Feuerwehrmann bei der Rettung eines Mannes ertrunken.

Deutscher Wetterdienst (DWD) äußert sich zur Unwetterlage

Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland führten am Donnerstag Hochwasser und waren am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag über die Ufer getreten. Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll.

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist der Höhepunkt der extremen Niederschläge in Teilen Deutschlands überschritten. Der DWD-Meteorologe Marco Manitta erwartete am Donnerstag „eine Entspannung der Wetterlage“. Zwar könne es weiterhin „punktuellen Starkregen“ geben, dieser sei aber nicht mehr so verbreitet wie in der vergangenen Nacht, sagte Manitta der Deutschen Presse-Agentur. „Das Unwetterpotenzial sinkt deutlich.“ (Mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Bundespolizei Hünfeld

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