Die Brücke in dem Dorf im Kreis Ahrweiler ist nach dem Unwetter mit Hochwasser unpassierbar geworden.
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Die Brücke in dem Dorf im Kreis Ahrweiler ist nach dem Unwetter mit Hochwasser unpassierbar geworden.

Fuldaer Meteorologe klärt auf

Tief Bernd richtet Hochwasser-Chaos im Westen Deutschlands an: Darum fällt dieses Jahr so viel Regen

  • Daniela Petersen
    VonDaniela Petersen
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  • Leon Schmitt
    Leon Schmitt
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Enorme Wassermassen haben in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz große Schäden angerichtet. Dutzende Menschen verloren bei den Überschwemmungen ihr Leben. Wie Starkregen entsteht und ob es auch die Region Fulda hätte treffen können, erklärt Wetter-Experte Oliver Reuter.

Fulda - Bei der Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands sind bislang 103 Todesopfer zu beklagen (Stand: Freitagmittag). In Rheinland-Pfalz kamen in den Fluten mindestens 60 Menschen ums Leben, in NRW waren es 43. Die Zahl dürfte sich angesichts einer hohen Zahl von Vermissten noch erhöhen.

Bei den Aufräum- und Bergungsarbeiten in den Hochwasserregionen helfen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Die Einsatzkräfte sind nonstop im Einsatz. Auch aus Hessen - unter anderem aus Fulda und Hünfeld - kommt Unterstützung.

Wetter: Tief Bernd sorgt für Hochwasser-Chaos in NRW - Wieso fällt 2021 so viel Regen?

Auch in Fulda hat ein Unwetter vor wenigen Wochen große Schäden angerichtet. Verglichen mit den jüngsten Ereignissen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kam die Region aber glimpflich davon. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt.

Nach dem Hochwasser in Fulda hatte Diplom-Meteorologe Oliver Reuter aus Arzell unserer Zeitung erklärt, wie es zu dem Unwetter kommen konnte. Nach der Einschätzung des Wetter-Experten sind die dramatischen Folgen, die Tief Bernd in NRW und Rheinland-Pfalz hatte, prinzipiell auch in Fulda möglich:

Sind solche Unwetter-Folgen auch bei uns in Fulda möglich?
Rein theoretisch ja. Bis zuletzt war nicht ganz klar gewesen, wo die höchsten Regenmengen bei diesem Unwetterereignis niedergehen werden, was vor allem an der teils gewittrigen Verstärkung lag. Das Tief hätte genauso gut 200 Kilometer östlicher liegen können, dann wären die enormen Summen von teils 100 bis über 200 Liter in gerade mal 36 Stunden möglicherweise über Hessen niedergegangen. Zwar haben wir in Osthessen nicht die ganz großen Gewässer wie den Rhein oder die Mosel, aber es zeigt sich auch in der Eifel, dass insbesondere die kleinen Bäche zu katastrophalen Schäden geführt und ganze Straßen mitgerissen haben.
Wie würde das bei uns aussehen?
Durch die bergige Struktur läuft das Wasser talwärts, sammelt sich dort und kann somit noch wesentlich schadensträchtiger werden. In Osthessen könnte man hier beispielsweise die Fulda, die Werra, die Haune, Lüder oder Nüst nennen, aber auch sonst könnte bei solch extremen Mengen nahezu jeder Bach zu katastrophalem Hochwasser führen, da sich auch bei uns das Wasser in so manchen Tälern sammeln kann. Extremereignisse wie vom 19. Juli 1966 haben dies bereits gezeigt, auch damals wurde im Landkreis Hünfeld der Katastrophenalarm ausgelöst.

Video: 1300 Vermisstenmeldungen nach Hochwasser im Kreis Ahrweiler

Wieso fällt in diesem Jahr so viel Regen?
Die diesjährigen Witterung ist vor allem durch eine lange Verweildauer von Drucksystemen (Hoch- und Tiefdruckgebiete) quasi an Ort und Stelle bestimmt. Für Mitteleuropa bedeutet das seit Februar fast durchweg Tiefdruck-dominiertes Wetter, da beispielsweise kräftige Hochs am Atlantik und über Osteuropa kein Weiterziehen der Tiefs ermöglichen, diese also alles an Wetter an Ort und Stelle – derzeit Deutschland – abladen müssen. Fatalerweise zapfen sie dabei sehr warme und überaus feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum an, was ein enormes Potenzial für unwetterartigen Starkregen mit sich bringt.
Sind das nur die Vorboten? Auf was müssen wir uns in den nächsten Jahren einstellen?
Ja und Nein. Prinzipiell kann man dieses eine singuläre Ereignis nicht als Ursache des Klimawandels sehen, denn solche extremen Kapriolen brachte das Wetter schon immer mal hervor. Womit man in der Zukunft jedoch rechnen muss, ist eine steigende Häufigkeit solcher Ereignisse, womit Wetter (einzelnes Ereignis) zum Klima wird. Mehr als bedenklich ist jedoch, dass es mit diesem Ereignis schon die dritte Flutkatastrophe in Deutschland seit 2002 gegeben hat, die man als „Jahrhunderthochwasser“ bezeichnen kann – also in nicht einmal 20 Jahren.

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