Wie eine gewaltige Seenplatte, so sah das Regen-Rückhaltebecken in der Ochsenwiese am Samstag um 20.15 Uhr aus.
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Wie eine gewaltige Seenplatte, so sah das Regen-Rückhaltebecken in der Ochsenwiese am Samstag um 20.15 Uhr aus.

Abwasserverband berichtet

Unwetter-Chaos im Kreis Fulda: Darum hätten die Schäden noch größer sein können

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Die vom Abwasserverband geschaffenen Regen-Rückhaltebecken haben am Samstag noch größere Schäden verhindert. Bei übergroßen Regenmassen kämen die Kanäle aber an ihre Grenzen, sagt Geschäftsführer Jürgen Fehl.

Kreis Fulda - Eine Regenmenge von 49,7 Litern in einer Stunde – für den Deutschen Wetterdienst ist das für den Raum Fulda ein Ereignis, das einmal in einem Jahrhundert zu erwarten ist. Im Stadtgebiet wurden am Samstagabend aber tatsächlich bis zu 70 Liter gemessen. „Solche Mengen können mit vertretbarem Aufwand nicht durch die Straßenkanäle abgeführt werden“, sagt Fehl. Bei diesen Mengen spiele auch die Bodenversiegelung kaum noch eine Rolle.

Für den Hochwasserschutz von Bronnzell hat der Abwasserverband von 2016 bis 2019 vier Rückhaltebecken am Engelhelmbach gebaut. Der Bereich war jetzt aber nur wenig betroffen. „Für andere Nebengewässer der Fulda wurde bereits in den 1970er Jahren ein großflächiges Hochwasserschutzkonzept für die Gewässer Horasbach, Waides und Krätzbach umgesetzt“, berichtet Fehl.

Fulda: Schäden nach Unwetter-Chaos hätten noch viel größer sein können

Am Horasbach westlich der Mackenrodtstraße können 18.500 Kubikmeter gestaut werden, an der Waides oberhalb der Ochsenwiese 20.000 und im Schlossgarten 5200 Kubikmeter sowie am Krätzbach oberhalb der Bachmühle 11.000 Kubikmeter.

„Beim Starkregen kam es gegen 17 Uhr zu einem ersten Teil-Einstau der beiden Becken an der Waides. Gegen 18.30 Uhr hatten sich die Becken bereits wieder entleert, sodass der zweite, stärkere Niederschlag aufgenommen werden konnte“, sagt Fehl. „Innerhalb von weniger als 30 Minuten kam es zur Vollfüllung der Becken an der Ochsenwiese und im Schlossgarten. Bei beiden Becken überströmte das Wasser planmäßig die Entlastungsschwellen, ohne dass es zu Schäden kam.“ Der maximale Wasserstand wurde kurz nach 19 Uhr erreicht. Er lag bei 6,10 Meter. Die Einstauhöhe des 100-jährigen Ereignisses von 6,50 Meter wurde aber nicht erreicht. „Der Rückhalt der beiden Becken hat schlimmere Schäden im weiteren Verlauf der Waides, etwa im Bereich Tränke, verhindert“, erklärt Fehl.

Unwetter in Fulda: Überflutungen am Bahnhof wegen veralteter Kanäle

Das Becken oberhalb der Bachmühle erreichte den maximalen Füllstand gegen 19 Uhr, sodass nachfolgende Regenmassen ohne Rückhaltung weiterflossen – was die Heidelsteinstraße überflutete.

Grund der Überflutungen am Bahnhof seien die veralteten Kanäle. „Der älteste Bereich, das Bahnhofsgebäude, bildet ein Nadelöhr. Die Abwasserkanäle hier können Starkregen-Mengen nur bedingt aufnehmen und ableiten“, sagt Fehl. Eine Lösung könne erst bei künftigen Umbauten realisiert werden. Das MVZ in Fulda, das sich in der Nähe des Bahnhofs befindet, konnte wegen des Unwetters keine Patienten behandeln, da der Strom ausgefallen war.

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In Niesig reinigte der Abwasserverband die Kanäle noch in der Samstagnacht von den eingeschwemmten Böden, damit sie weiteren Regen aufnehmen konnten. Aus welchen Gründen es zum Starkregen im Kreis Fulda kam, hat ein Meteorologe aus Arzell gegenüber unserer Zeitung verraten.

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