Seit 70 Jahren ist der ältere Teil sich selbst überlassen worden: Grabsteine sind umgestürzt, Totholz liegt herum.
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Seit 70 Jahren ist der ältere Teil sich selbst überlassen worden: Grabsteine sind umgestürzt, Totholz liegt herum.

Der vergessene Ort

Nach 70 Jahren: Der alte Teil des jüdischen Friedhofs in Weyhers wird saniert

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Nach 70 Jahren ist es endlich gelungen, dass der Jüdische Landesverband Hessen den alten Teil des jüdischen Friedhofs in Weyhers, der in einem schlimmen Zustand ist, übertragen bekommen hat.  

Weyhers - Der Vermittlung von Regierungspräsident Hermann-Josef Klübers sei es zu verdanken, dass der Friedhofsteil endlich erworben werden konnte, erklärt Daniel Neumann, Geschäftsführer des Landesverbandes. Seit Jahrzehnten sei nach einer Möglichkeit der Rückübertragung beziehungsweise des Kaufs gesucht worden, erzählt er. Denn das Gelände gehörte einem Ebersburger Landwirt, der es nicht verkaufen wollte. Unterschiedliche Menschen, Gruppierungen und auch politische Initiativen seien erfolglos gewesen. Ein Grund war der hohe Preis, den der Besitzer erlösen wollte. Jetzt haben laut Neumann der Landesverband und das Regierungspräsidium das Areal erworben.

Einen großen Anteil an diesem Erfolg haben drei Frauen, die sich seit etwa drei Jahren intensiv darum bemüht haben, dass der Friedhof in einen würdevollen Zustand überführt wird. Inge Hohmann, die sich der Geschichte der Rhöner Juden widmet, Alja Epp-Naliweiko, Fuldaer Grünen-Politikerin sowie Historikerin, und Apothekerin Gerhild Birmann-Dähne. Ihnen ist die Sanierung des alten Teils des Friedhofes ein großes Anliegen. Es geht ihnen darum, den Respekt vor den Toten sowie die Ehrfurcht vor dem Friedhof wiederherzustellen. „Wenn ein christlicher Friedhof so aussehen würde, dann wäre was los“, sagt Epp-Naliweiko. Sie erinnert daran, dass in Weyhers Juden aus der gesamten Rhön seit fast 300 Jahren begraben sind. „Es sind Rhöner“, macht sie klar. (Lesen Sie hier: Erinnerung an das jüdische Leben: Ab November sollen Stolpersteine in Wüstensachsen verlegt werden).

Weyhers: Nach 70 Jahren wird der alte Teil des jüdischen Friedhofs saniert

Michael Lee Buchsbaum, ein Nachfahr von Juden, die in Wüstensachsen gewohnt haben, hat bei einem Aufenthalt vor drei Jahren den Friedhof in Weyhers besucht und war entsetzt über den Zustand des alten Teils. Er sah Bäume, die auf Gräber gestürzt sind, umgefallene Grabsteine, und Spuren, die davon zeugen, dass der Friedhof als Spielplatz genutzt wird. Auch Inge Hohmann und der mittlerweile verstorbene Gabriel Moeller bemerkten den schlechten Zustand, und dass der ewige Ort teilweise zu einem Abenteuerspielplatz wurde. Moeller erstattete Anzeige. Denn der Friedhof ist ein geschütztes Kulturdenkmal.

Gerhild Birmann-Dähne, Alja Epp-Naliweiko und Inge Hohmann (von links) freuen sich, dass der ältere Friedhofsteil saniert werden kann.

Gespräche mit dem Eigentümer hätten schon vor vielen Jahren stattgefunden, aber es kam zu keiner Einigung wegen der hohen Preisvorstellungen. Ein Antrag der Linken im Kreistag vor zwei Jahren, den alten Teil zu kaufen, ist abgelehnt worden, erinnert sich Inge Hohmann. Den drei Frauen schien es, als ob niemand ernsthaft Interesse an dem Kauf und der Sanierung habe, auch nicht der Landesverband.

Alja Epp-Naliweiko: Wenn ein christlicher Friedhof so aussehen würde, dann wäre was los

Schließlich nahmen sich die drei Frauen des Themas an. Epp-Naliweiko sprach mit den Ministern Kai Klose (Soziales und Integration) und Angela Dorn (Wissenschaft) über das Thema. Bei einer Ausstellungseröffnung traf sie den neuen Regierungspräsidenten Hermann-Josef Klüber, der aus Fulda stammt. Sie schilderte ihm das Problem. „Von dem Moment an nahm die Geschichte an Fahrt auf“, erinnert sie sich. Als sie schließlich hörte, dass auf Vermittlung des Regierungspräsidenten der Kauf und die Rückübertragung des Areals an den jüdischen Landesverband gelungen seien, waren die drei Frauen überglücklich. Sie hatten es geschafft.

In Zukunft wird sich der Landesverband zusammen mit dem Regierungspräsidium, dem Landkreis Fulda und der Gemeinde Ebersburg um die Wiederherrichtung der gekauften Teilfläche kümmern, um den gesamten Friedhof in einen würdigen Zustand für eine Gedenkstätte zu versetzen. Der Friedhofsbeauftragte des Landesverbandes sei jetzt in Verhandlungen, damit das Areal wieder in einen guten Zustand gebracht werden könne, berichtet Neumann. Es gehe darum, den Friedhof einzuzäunen, von Totholz zu befreien und Grabsteine, die umgestürzt sind, wieder aufzurichten. Dafür gebe es Mittel des Landes Hessen, sagter. Die Sanierung soll so schnell wie möglich umgesetzt werden.

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