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Wintersport im Klimawandel: Weniger Schnee und Nebel auf der Wasserkuppe

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Wasserkuppe - Wintersport im Mittelgebirge bei ausschließlich natürlichem Schnee? Das ist die große Ausnahme. Auch in der Ski- und Rodelarena Wasserkuppe wird seit Jahren verstärkt auf Maschinenschnee gesetzt, wie Betriebsleiter Martin Kirchner (56) berichtet.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

„Der Klimawandel ist auf der Wasserkuppe noch nicht richtig angekommen. Bei uns haben wir immer 70 bis 80 Schneetage im Jahr. Als ich hier anfing, waren es oft nur 40 bis 50 Tage – und 2008 waren es sehr gute Jahre“, erzählt der Mann, der so hautnah wie kein anderer die Entwicklung verfolgt hat. Seit nahezu 31 Jahren ist er auf Hessens höchstem Berg tätig – und hat schon alles erlebt. Fast zumindest.

Manche Begebenheit kennt allerdings auch er nur aus Erzählungen: „Einmal wurde sogar am 1. Mai Ski gefahren. Da hat man mehr zum Spaß den Lift laufen lassen. Damals gab es viele Gäste mit Jahreskarten. Die wurden angerufen. Das war aber vor meiner Zeit.“ Als 1983 der Panoramalift – der erste auf der Wasserkuppe – gebaut worden war, „konnte man ihn nicht in Betrieb nehmen, da kein Schnee lag“.

16 Skitage im März

Seither habe es etliche Schwankungen gegeben. Ein Extrem ist das Jahr 2008: „Damals hatten wir 16 Skitage, und es ging erst Anfang März los.“ So gesehen kann Kirchner gelassen auf die Zwischenbilanz des laufenden Winters blicken. Gerade einmal 14 Skitage stehen da zu Buche: „In den 30 Jahren war von 107 bis zu 16 Tage alles dabei. Des öfteren hatten wir im November 8 bis 10 Tage, und dann ging es meistens nach Weihnachten weiter.“

Bei allen Schwankungen gibt es aber auch Trends, die sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert haben. Der eine betrifft das Wetter sowohl im Sommer wie im Winter und freut Kirchner besonders: „Wir haben jetzt schöneres Wetter. Anfangs hatten wir oft drei Monate lang Nebel. Bei 50 Meter Sichtweite war der Bart ab. Das kennen wir hier schon lange nicht mehr.“

Schneemenge sei weniger geworden

Die zweite Veränderung, die der 56-Jährige im Laufe der Zeit festgestellt hat, betrifft die Schneemenge: „Der Schnee an sich ist etwas weniger geworden. Aber bei den Temperaturen sind wir immer noch im Kältebereich.“ An diese Entwicklung hat sich die Ski- und Rodelarena immer wieder angepasst – und Kunstschnee produziert.

Zunächst hätten nur zwei Maschinen für die Beschneiung der Pisten zur Verfügung gestanden. „Die Technik war da noch nicht so ausgereift wie heute. Wenn es wärmer als minus vier bis minus fünf Grad war, ging nichts. Dieses Jahr haben wir selbst bei plus zwei Grad produziert.“

„Maschinenschnee“ statt „Kunstschnee“

Kirchner spricht nicht gerne von „Kunstschnee“. „Maschinenschnee“ sei korrekter: „Es wird fein verstäubtes Wasser in die Luft geblasen, gefriert und fällt runter – nicht mehr und nicht weniger. Wenn die Luft trocken ist, gefriert Wasser schon bei leichten Plusgraden. Zusätze, wie sie zum Teil im Ausland eingesetzt werden, sind für uns kein Thema.“ Neben Strom ist also nur Wasser nötig. Nachdem Ende 2018 nach dem Dürresommer nicht genügend zur Verfügung stand, wurde ein Speicherteich angelegt, in dem Oberflächenwasser aufgefangen wird.

15 Schneeerzeuger stehen auf der Wasserkuppe zur Verfügung. Dennoch sind die Bedingungen in diesen Tagen und Wochen alles andere als optimal. Im Januar konnten zumindest der Zauberteppich und die Märchenwiese beschneit werden und die Lifte liefen – bei einer Schneeauflage von etwa 15 Zentimeter. Als vergangenes Wochenende aber selbst in den Höhenlagen der Rhön die Temperaturen in den hohen einstelligen Plusbereich stiegen, musste der Betrieb wieder eingestellt werden.

Ansprüche der Wintersportler verändert

Noch ärger trifft es den Liftbetrieber am Zuckerfeld. Er hat mit drei Maschinen Schnee produziert. Die Menge reichte aber nicht, um den ganzen Hang zu belegen und die Piste zu öffnen.

Neben dem Wetter und der Technik haben sich auch die Ansprüche der Wintersportler verändert, stellt Martin Kirchner fest: „Sie fordern ordentlich präparierte Pisten. Da wird gerne der Vergleich mit den Bergregionen gezogen. Wir verzeichnen in den vergangenen Jahren aber eine Steigerung. Die Gäste kommen wieder mehr in die Mittelgebirge, weil Skifahren hier noch bezahlbar ist. Von Anfängerpisten bis zur Schwarzen Abfahrt haben wir hier alles – und bei 17 Euro für eine Tageskarte im Vergleich zu 45 Euro in den Alpen kann eine Familie, die einige Tage in die Rhön kommt, einiges an Geld sparen.“

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