Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert.
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Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert.

Werk wird Ende des Jahres geschlossen

100 Wirthwein-Mitarbeiter demonstrieren erneut

Das Unternehmen Wirthwein schließt seinen Standort in Eichenzell, die Mitarbeiter werden zum Jahresende gekündigt. Nach einem ersten Streik Ende Mai sowie einer Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeber, haben gut 100 Mitarbeiter beziehungsweise deren Angehörige am Mittwoch erneut gestreikt.

Update vom 10. Juni, 15 Uhr: Zu der Demonstration am Mittwoch sind unter anderem auch Johannes Rothmund (CDU), neuer Bürgermeister von Eichenzell, und Sabine Waschke, SPD-Landtagsabgeordnete, erschienen und haben zu den Wirthwein-Mitarbeitern und ihren Angehörigen gesprochen.

Bürgermeister Rothmund will mit Gesellschaftern sprechen

„Mir ist es wichtig zu zeigen, dass die Gemeinde hinter den Mitarbeitern und ihren Familien steht und wir wollen, dass Sie eine Zukunftsperspektive haben“, sagte Rothmund an die Anwesenden gerichtet. Er sehe seine Aufgabe als Mittler und Gesprächspartner. Deshalb habe er in der kommenden Woche ein Gespräch mit den Gesellschaftern des Unternehmens terminiert.

„Es geht um Familien und Existenzen“

„Es geht um mehr als 80 Arbeitsplätze, es geht um Familien und Existenzen“, sagte Sabine Waschke. Sie wünschte den Mitarbeitern viel Durchhaltevermögen. Grund für die nun bereits zweite Demonstration (Ende Mai fand ein Auto-Korso statt) ist die angekündigte Entlassung aller Mitarbeiter zum Jahresende, zumal dies ohne Abfindung vom Unternehmen stattfinden solle.

Wirthwein-Mitarbeiter demonstrieren erneut

Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert.
Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert. © Lea Marie Kläsener
Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert.
Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert. © Lea Marie Kläsener
Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert.
Die Wirthwein-Mitarbeiter haben ein zweites Mal demonstriert. © Lea Marie Kläsener
Sabine Waschke, SPD-Landtagsabgeordnete, hat an der Demo der Wirthwein-Mitarbeiter teilgenommen.
Sabine Waschke, SPD-Landtagsabgeordnete, hat an der Demo der Wirthwein-Mitarbeiter teilgenommen. © Lea Marie Kläsener
Johannes Rothmund (CDU), Bürgermeister von Eichenzell, hat bei der Demo der Wirthwein-Mitarbeiter gesprochen.
Johannes Rothmund (CDU), Bürgermeister von Eichenzell, hat bei der Demo der Wirthwein-Mitarbeiter gesprochen. © Lea Marie Kläsener

Update vom 9. Juni, 10.00 Uhr: Nachdem Mitarbeiter des Automobilzulieferers Wirthwein in Eichenzell am 29. Mai gestreikt hatten, kam es zu Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeber. Aus Sicht der Gerwerkschaft IG Metall, die die Mitarbeiter unterstützt, verlief die erste Verhandlungsrunde „enttäuschend“. Der Arbeitgeber habe kein Angebot zu berechtigten Forderungen vorgelegt, sagte Uwe Zabel, Verhandlungsführer der IG Metall Bezirksleitung Mitte. 

Die Gewerkschaft kündigte am Dienstag deshalb „eine weitere gewerkschaftliche Aktion an“, heißt es in der Pressemitteilung. So werde am Mittwoch die Wirthwein-Belegschaft zu einem weiteren Warnstreik aufgerufen. „Wir wollen als starkes Zeichen der Solidarität eine gemeinsame Menschenkette bilden und haben zur Unterstützung der Beschäftigten und ihrer Familien die regionalen Bundes- und Landtagsabgeordneten, Vertreter der Gemeinde Eichenzell, Betriebsräte aus anderen Betrieben der Region und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung mit eingeladen“, sagte Robert Weißenbrunner. 

Im Rahmen der Aktion werden alle Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten, heißt es von der IG Metall Hanau-Fulda. Treffpunkt ist am Mittwoch um 13.30 Uhr am Besucherparkplatz der Firma Wirthwein.

Erstmeldung vom 29. Mai, 15.48 Uhr: Circa 60 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Wirthwein haben gemeinsam gegen ihre Kündigung zum Jahresende gestreikt. Aufgrund der aktuellen Situation rund um Corona entschieden sich die Betroffenen, einen Autokorso zum Arbeitsgericht zu machen. 

„Wir sind eine große Familie, schreibt das Unternehmen auf ihrer Webseite“, ruft ein Mitarbeiter zu seinen Kollegen. „Betrug, was für eine Sauerei“, antworten die gut 60 Mitarbeiter, die sich vor dem Firmengelände versammelt haben. 

Sitzkreis-Demo für eine Abfindung

In einem Sitzkreis haben sie unter dem Slogan „Wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich“ gegen ihre Entlassung demonstriert, zumal die Mitarbeiter keine Abfindung vom Unternehmen erhalten soll. „Viele von uns sind über 20 Jahre hier beschäftigt und haben gute Arbeit gemacht und sollen jetzt ohne einen Cent Abfindung vor die Tür gesetzt werden“, zeigen sich die Beschäftigten empört. 

Die Beschäftigten des Unternehmens Wirthwein demonstrieren.

Da erst am Tag der Demonstration ein Betriebsrat gewählt wurde, gab es bisher keinen Sozialplan, der die wirtschaftlichen Nachteile der Beschäftigten bei dieser Unternehmerischen Entscheidung ausgleicht, informiert die IG Metall. Die IG Metall hat als „Notwehrmaßnahme“ dem Unternehmen Wirthwein Tarifforderungen für einen Sozialtarifvertrag übermittelt. Mit den Forderungen sollen Abfindungen und der Ausgleich der sozialen Nachteile für die Betroffenen und ihrer Familie durchgesetzt werden.

Die Beschäftigten des Unternehmens Wirthwein demonstrieren.

Wirthwein braucht nicht zu glauben, dass die Beschäftigten auch noch Samstags- und Sonntagsarbeit machen, um die unternehmerische Entscheidung zu befördern und damit Arbeitsplätze so schnell wie möglich zu verlagern“, sagt Robert Weißenbrunner, erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda.

„Wir sind zutiefst empört über das Verhalten des Unternehmens. Gerade in Zeiten der Krise dürfen die Kosten nicht die Beschäftigten tragen, während sich reiche Unternehmen aus der Verantwortung stehlen.“ IG Metall-Verhandlungsführer Uwe Zabel fordert Wirthwein „nachdrücklich zu einer Vernunftlösung am Verhandlungstisch auf“. Insgesamt hat Wirthwein 80 Mitarbeiter. 

Die Beschäftigten des Unternehmens Wirthwein demonstrieren.

Die Beschäftigten des Automobilzulieferers wurden auf einer Mitarbeiterversammlung vor drei Wochen darüber informiert, dass sie zum Ende des Jahres gekündigt werden und der Standort geschlossen wird. Von Eichenzell sind die Mitarbeiter in einem Autokorso zum Arbeitsgericht Fulda gefahren. Per Hupe machten die Mitarbeiter auf sich aufmerksam. Vor dem Gericht kam es zu einer Abschlusskundgebung und zur Übergabe der Kündigungsschutzklagen. Der Warnstreik wird bis Montag andauern. 

Das Unternehmen hatte unlängst mitgeteilt, dass die Umsatz-, Kosten- und die Ertragsziele bereits für die Jahre 2018 und 2019 nicht hätten erreicht werden können. In den vergangenen Wochen habe sich die Situation, unter anderem durch die Ausbreitung des Coronavirus nochmals verschärft, so dass es zusätzlich zu einem starken Umsatzeinbruch gekommen sei.

Eine Verbesserung der bereits seit längerer Zeit bestehenden schlechten Auftrags- und damit verbundenen Ertragslage sei nicht in Sicht. Die aktuellen Planzahlen für die kommenden Jahre würden diesen negativen Trend zusätzlich bestätigen. „Aufgrund dieser negativen Zukunftsprognose sei die Situation wirtschaftlich nicht länger tragbar“, so das Unternehmen.

lea, mic, sec

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