Foto: Biosphärenreservat Rhön

Wirtschaftlich sinnvoller Naturschutz – Beratungen für Landwirte

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Gersfeld - Zahlreiche Landwirte waren am 3. Juli zur Auftaktveranstaltung eines neuen Beratungsprogramms im LIFE-Projekt „Hessische Rhön – Berggrünland, Hutungen und ihre Vögel“ gekommen. Die Experten Tobias Pape und Andreas Kern bieten ab sofort eine gesamtbetriebliche Natura-2000-Beratung sowie Beratungen für Schaf- und Ziegenhalter an.

„Wir haben in der Rhön Arten verloren, die nicht mehr wiederkommen werden“, sagte LIFE-Projektmanager Jonas Thielen. „Die Situation ist äußerst kritisch, wir müssen handeln.“ Wichtige Lebensräume erhalten und wiederherstellen zu können, funktioniere aber nur im Zusammenspiel mit Landwirten. „Sie haben unser kulturhistorisches Grünland, das wir schützen wollen, geschaffen“, sagte Thielen.

„Ohne die Landwirte ist Naturschutz im LIFE-Projekt nicht möglich“, betonte auch Dr. Hubert Beier, Vorsitzender des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön e.V. und Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld e.V.. Mit dem neuen Beratungsangebot steige das LIFE-Projekt nun auf eine neue Stufe.

Naturschutz mit wirtschaftlich sinnvollen Methoden

Tobias Pape leitet ein Beratungsbüro in Baden-Württemberg und hat bereits zahlreiche Projekte zur Umsetzung von Natura-2000-Maßnahmen begleitet. Andreas Kern ist seit 15 Jahren als Berater tätig, zuvor war er Schafhalter im eigenen Familienbetrieb. Ihre Hilfe soll Landwirten die Möglichkeit bieten, naturschutzfachliche Anforderungen mit wirtschaftlich sinnvollen Modellen des Betriebs zu verbinden.

Zudem soll die Ziegenhaltung auf den Hutungen der Rhön gefördert werden, da diese Tiere besonders geeignet sind, um Flächen von Gebüschen freizuhalten.

Wichtiger neuer Baustein

Betriebe, die in die Haltung von Ziegen zur Landschaftspflege einsteigen möchten, sollen vor allem technische und tierhalterische Informationen erhalten. Tobias Pape und Andreas Kern betonten, es gehe ihnen um „partnerschaftliche Gespräche auf Augenhöhe“, angepasst auf die individuelle Situation und die Möglichkeiten der Betriebe. „Sie sagen, wo es brennt, wir suchen nach Lösungen. Flächen zu erhalten oder sie in einen guten Zustand zurückzuversetzen gelingt nur, wenn Ihr Betrieb eine langfristige Perspektive hat“, sagte Kern.

Die Beratung könne Fragen zur Hofnachfolge und Fördermöglichkeiten ebenso umfassen wie Vermarktung und Betriebswirtschaft. Vor allem das Thema Vermarktung wurde an diesem Abend von den anwesenden Schaf- und Ziegenhaltern diskutiert.

Diskussionen über Vermarktung

Einige kritisierten fehlende Zusammenarbeit und gescheiterte Versuche, eine Erzeugergemeinschaft zu gründen. Auch hierbei könne die Beratung helfen, sagte Kern: „Wir können die Situation neu bewerten und klären, warum es bisher nicht funktioniert hat.“ Der Trend zu regionalen Produkten sei spürbar, ergänzte Hubert Beier. „Die Gunst der Stunde sollte man nutzen.“ In diesem Zusammenhang wurde unter anderem ein Workshop zum Thema Vermarktung angeregt. Betriebe, die an dem kostenlosen Beratungsangebot interessiert sind oder Anregungen für künftige Workshops haben, können sich unter (06654) 96120 oder per E-Mai ulla.heckert@br-rhoen.de an Ulla Heckert vom LIFE-Team wenden. /mbl

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