Der Wolf hält wieder Einzug in Deutschland. Experte Max Rossberg plädiert für einen verstärkten Herdenschutz. Wolfsfreie Zonen wird es laut ihm nur noch selten geben.
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Der Wolf hält wieder Einzug in Deutschland. Experte Max Rossberg plädiert für einen verstärkten Herdenschutz in der Rhön. Wolfsfreie Zonen werde es laut ihm nur noch selten geben.

Nutztiere gefährdet

„Den Wolf werden wir nicht mehr los“ - Experte plädiert für Herdenschutz in der Rhön

„Ist der Herdenschutz vor dem Wolf in der Rhön umsetzbar?“ Dieser Frage ging Wolfsexperte Max Rossberg nach. Er ist Vorsitzender der European Wilderness Society, einem von Bauern gestarteten Projekt.

Rhön - Im Biosphärenreservat Rhön soll nach Auskunft von Max Rossberg eines von drei Herdenschutzkompetenzzentren in Deutschland entstehen. Zwei ausgebildete Wolfschnüffelhunde würden hier zum Einsatz kommen. Eingeladen zu seinem Vortrag über Wölfe hatten der Verein Natur- und Lebensraum Rhön und das Biosphärenreservat Rhön im Verwaltungsgebäude des Biosphärenreservates.

Nutztierhalter sehen sich beim Thema Wolf von der Politik im Stich gelassen. Die Vielzahl von Bürgern sehen Isegrim als Sympathieträger, freuen sich über dessen Rückkehr. Und „den Wolf werden wir nicht mehr los“, stellte Rossberg fest. (Lesen Sie hier: Frau nach Wolf-Begegnung im Garten geschockt: „Er sah aus wie eine Bestie“)

Rhön: „Wolf werden wir nicht mehr los“ - Experte plädiert für Herdenschutz

Von rund 17.000 in Europa lebenden Tieren geht er aus. Dem im Jahr 2000 in der Lausitz erstmals gesichteten Wolf folgten weitere. Im Bereich Hoyerswerda-Bautzen-Dresden bildeten sich mehrere Rudel. Für zusätzliche habe es dort keinen Platz mehr gegeben. Deshalb machten sich Einzeltiere auf den Weg, um sich neue Partner zu suchen und Rudel zu bilden. Laut Monitoring-Jahr 2019/20 gab es 128 Wolfsrudel in Deutschland. „Wir haben in der Rhön geglaubt, Brandenburg ist so weit weg, nie Gedanken gemacht, dass ein Wolf von dort in zwei Tagen hier ist“, so der Experte.

Schäfer Frieder Beyer mit seinen Herdenschutzhunden.

Die Überlebenskünstler haben Hunger, reißen Rehe, Hirsche, Kälber, Rinder oder auch Schafe und Ziegen. Deshalb stehen die Wölfe bei Schäfern, Jägern und Landwirten in großer Kritik.

Wolfsfreie Zonen werde es nicht mehr oder nur noch selten geben, und Nutztiere seien immer und überall gefährdet, außer man schütze sie. Deshalb sollte man sich in der Rhön auf Fixzäune mit fünf übereinander verlaufenden Drähten mit einer 10.000-Volt-Spannung konzentrieren, an die die Wölfe nur bis auf 40 Zentimeter herantreten, sagte Rossmann. Ferner plädierte der Fachmann für Herdenschutzhunde. Dies alles koste Geld.

Auf europäischer Ebene hätten sich der Jagdverband mit dem World Wide Fund For Nature (WWF) und den Landwirtschaftsverbänden 2014 geeinigt. „Der Wolf ist hier, um zu bleiben und gehört geschützt“, kommentiert Rossberg die Entscheidung. (Lesen Sie auch: Totes Kalb bei Buchenau: Das haben die Untersuchungen der Wolfsexperten ergeben)

Für die Herdenschutzmaßnahmen würden finanzielle Mittel bereitstehen. Allerdings bezeichnete er es als ein Problem, dass man es dabei mit zwei verschiedenen Verantwortlichkeiten zu tun habe. „Über den Wolf entscheiden die Umweltminister, über den Herdenschutz die Agrarminister.“

Video: Erstmals Nachwuchs bei Wölfen in Hessen

Über diese Finanzmittel könne aber zu 100 Prozent der Ankauf von Fixzäunen finanziert werden. „Frankreich ist das einzige Land in der EU, welches das alles bezahlt“, sagte Rossberg. In Deutschland sind es nur zwei Regionen, die teilweise den Ankauf von Zäunen und Herdenschutzhunden finanzieren. Der Experte stellte abschließend heraus: „Es ist also eine Frage der Politik, ob uns die Schafbauern das Geld wert sind.“ Eine rege Diskussion mit kritischen Anmerkungen entfachte sich.

Vieles sei für die hiesigen Verhältnisse nicht umsetzbar, sagte Berufsschäfer Frieder Beyer (Eiterfeld-Soisdorf), der mit Hüte- sowie Wolfsschafhunden hütet. Behörden verschwiegen nach Meinung eines Landwirts aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, dass es Wolfsrisse gebe. Der Wolf sei nicht das einzige Problem, sagte Schäferin Julia Djabalameli aus Ehrenberg-Melperts, die Koppelschafhaltung betreibt. Man habe keine Lobby. „Wir als Schafe haltende Betriebe müssen letztlich dafür sorgen, dass unsere Arbeit, unsere Wertschöpfung, die wir in der Fläche schaffen, honoriert wird. (von Karl-Heinz Burkhardt)

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