In Petersberg

„Vaterlandsliebe ist eine gute Sache“: CDU-Politiker Wolfgang Bosbach spricht im Wahlkampf Klartext

  • Norman Zellmer
    VonNorman Zellmer
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Prominenter Gast zum Auftakt: Mit Wolfgang Bosbach ist die CDU Fulda am Samstagmittag offiziell in ihren Bundestagswahlkampf gestartet. Im Propsteihaus in Petersberg schwor der Bundespolitiker seine Partei ein und fand deutliche Worte.

Fulda/Petersberg - Fast genaue eine Stunde sprach der langjährige Politiker bei dem Wahlkampftermin zur Bundestagswahl ohne Manuskript vor rund 200 Zuschauern, darunter CDU-Landes- und -kommunalpolitiker aus Stadt und Landkreis Fulda sowie Vertreter des Kreisverbands der CDU-Mittelstandsvereinigung MIT und Altlandrat Fritz Kramer.

Bosbach kam auf Einladung des Bundestagsabgeordneten und CDU-Direktkandidaten im Wahlkreis Fulda-Lauterbach, Michael Brand, der betonte, dass das Land vor der „wichtigsten Bundestagswahl seit Jahrzehnten“ stehe. Die CDU, die er eine Volkspartei und Partei der Mitte nannte, müsse ihre führende Rolle verteidigen.

Fulda: CDU-Politiker Wolfgang Bosbach spricht im Wahlkampf über Patriotismus

Vor dem Eintreffen des Gastredners hatte die Formation Brasserie gespielt. Nach dem Vortrag sprachen MIT-Vertreter. Wolfang Bosbach bekam als Geschenk von CDU und MIT Musical-Karten. Offenbar freute er sich sehr. „Zu 99 Prozent bin ich dabei. Da freue ich mich richtig“, sagte der 69-Jährige. 

Bei seiner frei gehaltenen Rede spannte Bosbach einen weiten thematischen Bogen, sprach zahlreiche Themen an und reicherte sie an mit Zahlen, Rückblicken, geschichtlichen Exkursen. Als erfahrener Redner erzählte er auch die eine oder andere Anekdoten, die für Kurzweil und Zwischenapplaus sorgten, sparte auch nicht mit plakativen Aussagen und Vergleichen und teilte gegen politische Gegner aus.

Unter anderem keilte er gegen die Linke, die er mit ironischem Unterton bewunderte, wenn sie „mit dem 187. sozialistischen Projekt scheitern“, aber wieder aufstehen und es erneut versuchen. Die Grünen seien nach sieben Jahren rot-grüner Regierung nicht wiedergewählt worden, weil sie so erfolgreich gewesen seien, sondern gescheitert seien.

Wolfgang Bosbach forderte die Zuhörer unter anderem auch auf, zwischen Nationalismus und Patriotismus zu unterscheiden, wobei Ersteres „nie Haltung von Christdemokraten“ sei. Es wäre schön sagen zu dürfen, auf das Land stolz zu sein, „ohne dafür in die rechte Ecke gestellt zu werden“. „Vaterlandsliebe ist eine gute Sache“, sagte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach im Propsteihaus in Petersberg beim Fuldaer Wahlkampfauftakt zur Bundestagswahl

Zur Klimapolitik sagte Bosbach, dass der Ausstieg sowohl aus der Kernenergie als auch der Kohleverstromung „für Deutschland nicht ohne Risiko“ sei. „Man kann nicht gegen Naturgesetze antreten.“ Der notwendige Ausbau der Windenergie sei so schnell nicht zu erreichen. Deutschland könne in der Energiewende jedoch „politisches Vorbild sein“ und „eine technologische Führerschaft“ mit einem Ausbau der Forschung und mit Investitionen in Bildung erreichen. Allein mit Ver- und Geboten wie die Grünen es praktizierten, sei die Energiewende nicht zu schaffen, so Bosbach.

Wolfgang Bosbach zum Auftakt: CDU Fulda startet in den Bundestagswahlkampf

An seine Parteifreunde gerichtet, mahnte Bosbach, den gewählten Kanzlerkandidaten zu unterstützen, statt zu zweifeln und erneut Debatten darüber zu führen. Mit Friedrich Merz sei die Mobilisierung der CDU-Basis und der politischen Konkurrenz wohl größer, vermutete Bosbach. Bei Armin Laschet stimme jedoch „das Gesamtpaket“.

Im kommenden Wahlkampf gehe es im Kern um zwei Aspekte: die Wähler mobilisieren und diese zu überzeugen, für die CDU zu stimmen – denn sie habe in den zurückliegenden Jahrzehnten „die meisten Entscheidungen richtig getroffen – trotz Widerstands“. Es gehe im September um eine „fundamentale politische Entscheidung“ und „fundamentale Weichenstellung“.

Bosbach prognostizierte, dass es Rot-Rot-Grün geben werde, wenn es rechnerisch reiche. Daher „muss die CDU kämpfen“. Die Christdemokraten seien in den vergangenen Jahrzehnten neben der SPD ein Garant wirtschaftlicher und sozialer Stabilität gewesen und dafür, dass keine Extremisten es an die Macht geschafft haben.

CDU-Politiker Wolfgang Bosbach zieht klare Grenze zur AfD - „streng rechtsradikale Idee“

Zugleich forderte Bosbach seine Parteifreunde und seine Partei auf, sich klar zu positionieren, ein unterscheidbares Profil zu entwickeln, Standpunkte und Positionen klar zu benennen und mehr zu diskutieren, statt sich zu sorgen, anzuecken. „Worttreue, ein Geradeaus und klare Haltung schaffen Vertrauen beim Wähler“, sagte er.

Mit Blick auf die AfD sagte der frühere Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags, diese Partei sei nicht konservativ, sondern eine „streng rechtsradikale Idee“, gerade im Osten. Wenn er, Bosbach, Abgrenzung meine, sei dies „eine Brandmauer und kein Lattenzaun“.

Wer sich mit den Stimmen der AfD wählen lasse, mit dem arbeite er nicht zusammen. Weil die CDU als größte Partei in den vergangenen Jahren die meisten Stimmen an die AfD verloren habe, habe sie die größte Verantwortung, diese Wähler mit Sachthemen zurückzugewinnen.

Rubriklistenbild: © Charlie Rolff

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