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Wegen hoher Spritpreise: Fuldaer Baustoffhändler verlangt „Dieselkostenzuschlag“ - Belastung für Kunden wächst

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Von: Bernd Loskant

Die Spritpreise belasten Unternehmen derzeit massiv. Die höheren Kosten werden nun häufig an die Kunden weitergegeben.
Die Spritpreise belasten Unternehmen derzeit massiv. Die höheren Kosten werden nun häufig an die Kunden weitergegeben. © Sina Schuldt/dpa

Angesichts der hohen Spritpreise geben erste Unternehmen die höheren Kosten an die Kunden in Form eines „Dieselkostenzuschlags“ weiter. Auch in Fulda. Das verstärkt den Druck auf die Bundesregierung, etwas gegen die hohen Energiepreise zu unternehmen.

Fulda/Berlin - Das Baucentrum Leinweber in Fulda, einer der größten Baustoffhändler in der Region, hat in einer Mail an Kunden und Geschäftspartner bei Lieferungen einen Dieselkostenzuschlag von 28 Cent pro Kilometer plus Mehrwertsteuer angekündigt.

„In den vergangenen Tagen mussten wir enorme Kostensteigerungen durch unerwartet hohe Preise für Betriebsstoffe verzeichnen“, schreibt das Unternehmen. „Da wir aufgrund einiger Prognosen, auch in den nächsten Wochen/Monaten mit dieser Ausnahmesituation kalkulieren müssen, sind wir gezwungen, diese dramatische Preisentwicklung weiter zu berechnen.“

Fulda: Dieselpreis belastet Unternehmen - Kunden tragen höhere Kosten

Der Zuschlag soll „jeden Morgen“ an den aktuellen Rohöl-Tagespreis anpasst werden. Bundesweit gibt es inzwischen etliche Meldungen von Unternehmen, die bei Lieferungen Zuschläge verlangen.

Der extreme Anstieg der Spritpreise verlangsamte sich seit Freitag etwas. Super der Sorte E10 verteuerte sich laut ADAC um 2,8 Cent. Im bundesweiten Tagesschnitt am Donnerstag kostete der Kraftstoff 2,202 Euro pro Liter. Bei Diesel betrug der Anstieg 5,3 Cent auf 2,321 Euro pro Liter. Auch andere Fuldaer Unternehmen hatten auf die zuletzt steigenden Kosten reagiert - Ein Taxifahrer stellte gar auf Elektroautos um.

Angesichts der extremen Preise forderten mehrere Bundesländer von der Bundesregierung weitere Maßnahmen, um die Belastung der Verbraucher zu begrenzen. Deutschland brauche „eine wirkungsvolle, effektive Energiepreisbremse“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im Bundesrat. Die Energiepreise seien Hauptinflationstreiber und für viele Menschen zu einem „handfesten Problem“ geworden.

Hendrik Wüst: „Warme Wohnung in Deutschland darf nicht zum Luxus werden“

Konkret forderte Wüst „eine Senkung der Stromsteuer, eine Absenkung der Steuersätze auf Heizöl, Erdgas, Diesel und Benzin und eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Erdgas, Elektrizität und Fernwärme“. Daneben sei eine umfassende Entlastung für Pendler ab dem ersten Kilometer nötig.

Die Ampel-Koalition hat sich auf eine Erhöhung der Pendlerpauschale erst ab dem 21. Kilometer verständigt. Wüst warnte vor den gesellschaftlichen Folgen zu hoher Energiekosten: „Eine warme Wohnung darf in Deutschland nicht zum Luxus werden.“ (Lesen Sie hier: Ukraine-Krieg macht Lebensmittel teurer - Hohe Belastung für Endverbraucher)

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) betonte, die „Preisexplosion“ belaste „längst nicht mehr nur die Haushalte mit geringen und kleinen Einkommen“. Auch die Mittelschicht sei betroffen. Es müsse „dringend gehandelt werden“. Der niedersächsische Regierungschef Stephan Weil (SPD) sah noch Spielräume für Entlastungen.

Video: Teures Tanken: Deutsche Frachtwirtschaft ächzt

Andere Länder reagieren bereits: In den Niederlanden werden die Abgaben auf Benzin und Diesel um 21 Prozent gesenkt. Außerdem bekommen Menschen mit geringem Einkommen Beihilfen als Ausgleich für gestiegene Strom- und Gaspreise.

Ein Liter Benzin kostet in den Niederlanden zurzeit im Schnitt 2,50 Euro. Irland will Lkw-Fahrern vorübergehend 100 Euro pro Woche zahlen, um sie angesichts stark gestiegener Spritpreise zu unterstützen. Zuvor hatte die irische Regierung bereits angekündigt, die Spritsteuern zu senken.

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