Wilm Hosenfeld war zwölf Jahre lang Lehrer in Ebersburg-Thalau. Heute erinnert eine Gedenktafel an sein Wirken in seinem Heimatort.
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Wilm Hosenfeld war zwölf Jahre lang Lehrer in Ebersburg-Thalau. Heute erinnert eine Gedenktafel an sein Wirken in seinem Heimatort.

„Bad Nazi – Good Nazi“

TV-Doku befasst sich mit Wilm Hosenfeld - Lehrer aus der Rhön rettete 1944 den „Pianisten“

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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  • Sebastian Reichert
    Sebastian Reichert
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Der israelische Regisseur Chanoch Ze’evi dokumentiert in „Bad Nazi – Good Nazi“, wie sich im Heimatort von Wilm Hosenfeld, in Thalau (Landkreis Fulda), eine Initiativgruppe dafür einsetzt, dass dem Lehrer ein Denkmal gesetzt wird. Der Film ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Thalau - Regisseur Chanoch Ze’evi begleitet Marieke und Friedhelm, Hosenfelds Enkel, bei ihrer Annäherung an die Geschichte ihres Großvaters. Er ist dabei, als seine Tochter mit ihren Enkeln zur Gedenkstätte Yad Vashem reist. Und er begleitet die Diskussionen in Ebersburg-Thalau (Landkreis Fulda), die sich um das geplante Denkmal entspinnen, heißt es bei 3sat. 

Bei 3sat wird der Film am heutigen Donnerstag (11. November) um 22.55 Uhr im Fernsehen gezeigt. Die TV-Doku ist aber auch schon jetzt und bis zum 11.11.2022 online in der ZDF-Mediathek abrufbar. Dort heißt es: „75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg setzt sich ein Dorf bei Fulda mit dem Erbe von Wilm Hosenfeld auseinander, dem Wehrmachtoffizier, der für die Rettung des „Pianisten“ bekannt ist.“      

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Und weiter heißt es über die TV-Doku über Wilhelm Adalbert „Wilm“ Hosenfeld: „Roman Polanski hat der Rettung des polnisch-jüdischen Musikers Władysław Szpilman mit seinem Film „Der Pianist“ 2002 ein Denkmal gesetzt. Viel schwerer fällt die Würdigung des Retters in dessen Heimatgemeinde Thalau bei Fulda. Einem Nazi ein Denkmal setzen?“

Die Fuldaer Zeitung berichtete, wie das Thema Gedenkstätte für Wilm Hosenfeld vor vier Jahren in Thalau diskutiert wurde. „Zukunft braucht Erinnerung“, sagt Dr. Hans Unbehauen. Nach diesem Motto setzte sich eine Initiativgruppe mit der Person Wilm Hosenfeld auseinander. Die Haltung Hosenfelds, der im Krieg nicht nur den Wladislaw Szpilman vor den Nazis rettete, sondern auch viele andere Juden, sei immer noch aktuell. 

Es gehe um den Einsatz für Freiheit, Humanität und Menschenrechte. In Mackenzell geboren, war Hosenfeld als Lehrer von 1927 bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht 1939 in Thalau tätig. Dort hat er reformpädagogisch gearbeitet. Zu Beginn der NS-Zeit war er von Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus überzeugt. Er trug auch die Uniform mit Stolz und zog als Soldat überzeugt in den Krieg.

Schon immer habe aber der Mensch für Wim Hosenfeld im Mittelpunkt gestanden. Konfrontiert mit den schrecklichen Verbrechen, deren Zeuge er wurde, distanzierte sich der Lehrer aus Osthessen zunehmend vom Nationalsozialismus und versuchte zu helfen, wo es ihm möglich war. In Yad Vashem wird er als einer der Gerechten unter den Völkern geführt.

Chanoch Ze’evi drehte vor vier Jahren für den Dokumentarfilm in Ebersburg-Thalau in der Rhön. Eine Info-Veranstaltung für die Bürger, ein Musical der Schule, die Fronleichnamsprozession und Befragungen von Zeitzeugen sind Inhalte des Films. 

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„Hosenfeld hat ein Tagebuch geschrieben, das enthüllt, wie ein deutscher Soldat während der Nazi-Zeit seine Einstellung geändert hat – vom Hitler-Verehrer hin zu dem Punkt, dass er sich für die Ziele des Nazi-Regimes schämte und schuldig fühlte für das, was Polen und Juden angetan wurde“, sagt Ze’evi zu seinen Beweggründen, den Film zu drehen.

Wilm Hosenfeld starb 1952 in einem Kriegsgefangenenlager in Stalingrad in Russland. Die von im Geretteten hatten ihren Retter, der zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war, nicht retten können. Ihm war in sowjetischer Kriegsgefangenschaft zum Verhängnis geworden, dass er wahrheitsgemäß angegeben hatte, dass er zu einer Abteilung gehört hatte, die auch nachrichtendienstliche Aufgaben wahrgenommen hat.

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