Abgebauter Kalkstein wird in einem Kalksteinbruch auf einem Muldenkipper abtransportiert.
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Die Zement- und Kalkwerke Otterbein wollen ihren Steinbruch bis auf 135 Meter an Müs heran erweitern.

Interessante Ergebnisse

Mehr Stimmen aus Münster als aus Müs bei Online-Voting zu Erweiterungsvorhaben der Zement- und Kalkwerke Otterbein

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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Beinahe ein 50:50-Bild hat sich bei der nicht-repräsentativen Online-Umfrage der Fuldaer Zeitung zu dem Erweiterungsvorhaben der Zement- und Kalkwerke (ZKW) Otterbein ergeben. Aus dem Voting mit krasser Beteiligung lassen sich einige interessante Ergebnisse herauslesen.

Großenlüder - Zu den nackten Zahlen: 8700 Einwohner hat die Gemeinde Großenlüder nach eigenen Angaben. Etwa 1000 Menschen leben im Ortsteil Müs, der direkt vom Erweiterungsvorhaben der Zement- und Kalkwerke Otterbein betroffen ist. Bei unserer Online-Umfrage ist nun innerhalb von nicht einmal 24 Stunden 25.936-mal abgestimmt worden.

Zementwerke-Erweiterungsvorhaben: Fast 50:50-Bild bei Online-Voting zu ZKW Otterbein

Das heißt: Es gab dreimal mehr Stimmen als die Gemeinde Einwohner hat! Wir hatten gefragt: Halten Sie es für richtig, dass die Zement- und Kalkwerke Otterbein ihren Steinbruch bis auf 135 Meter an den Ort Müs heran erweitern wollen? Bei unserer nicht-repräsentativen und am Samstag um 12 Uhr auslaufenden Online-Umfrage klickten 43,96 Prozent der Stimmen auf Ja, 56,04 Prozent auf Nein.

Mehrfaches Abstimmen war bei dieser Umfrage möglich, aber nur in Abständen von einer Minute. Früher wiederholtes Klicken auf die Umfrage wurde deshalb nicht gezählt. Die Analyse der Umfrage ergibt, dass 9734 eindeutige Besucher an dem Online-Voting abstimmten. Sprich jeder Nutzer nahm im Durchschnitt weniger als dreimal an der Umfrage teil.

Interessant ist auch, woher die Teilnehmer an dem Online-Voting kamen. Nachfolgend die Städte-Top-10: Mit 5876 Stimmen wurden am meisten in Herbstein mitgemacht, gefolgt von Bimbach (2997 Stimmen) und Großenlüder (2942). Aber auch in Karlsruhe (2827), Lauterbach (2554), Ulrichstein (1105), Bad Salzschlirf (823), Oberhausen (710) und Landenhausen (706).

Platz zehn in der Städte-Top-10 belegt Münster (555). Das heißt, dass mehr Stimmen aus Münster als aus Müs abgegeben sein müssten. 199 Stimmen kamen sogar aus Italien, der absolut überwiegende Teil aber aus Deutschland (25.736).

Interessant auch, wie sich das Abstimmungsbild im Laufe der Umfrage veränderte. Mit Stand Freitagabend, 23.20 Uhr (12.369 abgegebene Stimmen), lehnten 78 Prozent der Stimmen die Steinbruch-Erweiterungspläne bei dem Voting ab, 22 Prozent hatten hingegen auf Ja geklickt.

Am Samstagvormittag um 10.39 Uhr ergab sich ein Ja-Nein-Verhältnis von 40:60 bei 21.754 Stimmen. Eine Stunde später hatten 42 Prozent der (24.388) Teilnehmer auf Ja geklickt, 58 Prozent auf Neun. Innerhalb von 20 Minuten bis zum Abstimmungsende am Samstagmittag um 12 Uhr verschob sich das Stimmenverhältnis dann noch einmal um zwei Prozent zugunsten der Ja-Antworten.

Unterdessen fragt Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) aktuell die Bürger um ihre Meinung zu den ZKW-Erweiterungsplänen. In der Jugend- und Bürgerbefragung werden schriftlich alle Bewohner von Müs ab 14 Jahren befragt. Zudem auch im Ortsteil Uffhausen rund 100 Jugendliche und Bürger, die in besonders betroffenen Straßen wohnen. Abgabe der Fragebogen ist bis 19. Juli. 

Zuletzt hatte es ein Runden Tisch der Gemeinde Großenlüder zum Kalksteinabbau in Müs gegeben – mit Vertretern aus Kommunalpolitik, Behörden und Verbänden, allerdings ohne Vertreter der ZKW. Und Jürgen Hübl, Ortsvorsteher von Großenlüder, sprach Klartext. Er lehnt die ZKW-Erweiterung ab. (sar)

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