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Zeugenaussagen zu Telefonterror im Edeka – „Ich komm jetzt, Revolver ist geladen“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Im Prozess um den 28-Jährigen, der die Mitarbeiter des Edeka-Marktes in der Fuldaer Pacelliallee belästigt haben soll, haben am Mittwoch weitere Zeugen ausgesagt. Der Angeklagte soll die Beschäftigen des Marktes täglich mit bis zu 40 Anrufen terrorisiert und auch bedroht haben.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanna Wiehe

Fünf weitere Zeugen berichteten am Mittwoch vor dem Landgericht von der Situation zwischen September 2016 und November 2018. In dieser Zeitspanne, die von wochenlangen Pausen unterbrochen wurde, hatte ein 28-Jähriger laut Anklage immer wieder im Markt angerufen, teilweise dutzende Male am Tag, und die Mitarbeiter beschimpft und bedroht.

Zunächst „nur“ Alkohol im Markt gekauft

Dabei hatte alles vergleichsweise harmlos begonnen: Eine Zeugin erinnerte sich daran, dass der Angeklagte zunächst „nur“ Alkohol im Markt gekauft und draußen getrunken hatte. Doch vor etwa zwei Jahren kamen Jugendliche in den Markt und berichteten, draußen sei ein Mann, der sie beschimpfe und mit Bierflaschen werfe. Daraufhin erteilte der Marktleiter dem 28-Jährigen Hausverbot.

Mitgeschnittene Anrufe vor Gericht abgespielt

Doch damit gingen die Probleme laut Aussagen der Zeugen erst richtig los. Der Angeklagte rief mehrfach täglich an, teilweise gefühlt im Sekundentakt, wie eine andere Zeugin berichtete. Teilweise sei dabei lediglich laute Musik im Hintergrund zu hören gewesen, bei anderen Anrufen sprach der 28-Jährige zusammenhanglos oder sang vor sich hin. Einige solcher Anrufe hatte ein Zeuge auf dem Handy gespeichert und spielte sie am Mittwoch dem Gericht vor.

„Ich komm jetzt, Revolver ist geladen“

Doch dabei blieb es nicht: „Er hat permanent Beleidigungen ins Telefon geschrien und gedroht“, berichtete dieser Markt-Mitarbeiter. Besonders der Marktleiter sei immer wieder beschimpft und bedroht worden. Sätze wie „Dich krieg ich auch noch“ oder „Ich komm jetzt, Revolver ist geladen“ waren bei dem Abspielen gestern zu hören.

Unbeschwerte Lebensweise sei kaum noch möglich

Da der Zeuge den Angeklagten vom Sehen kannte, habe dieser schließlich auch seine Familie bedroht. Eine unbeschwerte Lebensweise sei kaum noch möglich gewesen – mit dem ständig klingelnden Telefon während der Arbeit und der Angst vor körperlichen Übergriffen durch den Angeklagten.

Eine Zeugin berichtete, sie habe sich gar nach dem Arbeitsende abends mehrfach von ihrem Freund abholen lassen, weil sie Angst davor hatte, der Angeklagte könne ihr auf dem dunklen Parkplatz auflauern.

Mutter und Betreuer als Zeugen

Auch die Mutter und der Betreuer des Angeklagten waren vor Gericht als Zeugen geladen. Die Mutter wollte jedoch keine Aussage machen. Der 61-Jährige indes, der seit März 2018 Betreuer des Mannes war, erklärte, die Zusammenarbeit mit ihm sei zunächst problemlos gelaufen. Der 28-Jährige leidet laut Anklageschrift unter „einer organisch bedingten Intelligenzminderung mit erheblichen Verhaltensstörungen sowie einem schädlichen Gebrauch von Alkohol“.

So kam es wohl vor, dass er, wenn er betrunken war, in der Wohnung randalierte und nachts aus dem Fenster brüllte. Körperlich angegriffen habe er seinen Betreuer oder seine Mutter aber nie.

Doch als der Betreuer ihm vorgeschlagen habe, sich eine Arbeit zu suchen, habe der 28-Jährige gezögert. „Das war der Knackpunkt“, berichtete der 61-Jährige vor Gericht. Denn einige Wochen später fing der junge Mann an, auch ihn mit Anrufen und SMS zu terrorisieren, in denen er ihn beschimpfte und bedrohte. Nach einer Aussprache sei das jedoch beendet worden.

Der Prozess wird am Montag, 16. Dezember, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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