Foto: Loredana Larocca/Deutsche Bahn AG

„Zug ist wie Kloster“: Fuldaer BahnCard-Professor singt Lobeshymne auf Eisenbahn

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - „Die Bahn gehört für mich zum Leben wie eine knackige Krume zum Brot.“ Das ist nur ein Satz aus einem fünfseitigen Manuskript einer Dankesrede, die Professor Dr. Joseph Dehler zu einer Ausstellungseröffnung hielt. Der 74-jährige ehemalige Rektor der Fuldaer Hochschule und frühere Fuldaer OB-Kandidat ist seit mehr als 25 Jahren BahnCard-100-Kunde.

„Mein Vater war ein Eisenbahner. Demzufolge bin ich ein Eisenbahner-Sohn“, sagte Dehler am Montag in Nürnberg. „Dass ich die Ehre habe, hier einmal im DB-Museum ausgestellt zu werden, hätte mein Vater ganz sicher als Aberwitz bezeichnet. Und ich niemals für möglich gehalten. Umso mehr bin ich darüber erstaunt, welche Ehre mir hier entgegengebracht wird. Ich freue mich sehr darüber. Es ist für mich eine große Überraschung.“

„Die Eisenbahn wurde uns Kindern, meinen zwei Brüdern, meiner Schwester und mir regelrecht in die Wiege gelegt. Immer und überall war sie bei uns zugegen: am Küchentisch, auf Spaziergängen und natürlich in Begleitung des Vaters auf „Freifahrtschein“. Denn Zugfahren hätten wir uns nicht leisten können“, erinnert sich Dehler. „Wir fuhren meist kleine Strecken, die es bedauerlicherweise schon vor der Bahnreform 1994 alle nicht mehr gab, zum Beispiel von Fulda nach Hilders in der Rhön – und von dort über Tann nach Wüstensachsen. Oder von Fulda nach Schlitz und Bad Hersfeld über Bad Salzschlirf.“

Sexuelle Aufklärung „auf der Bahn“

„Wir als Kinder (hatten) auch wunderschöne Erlebnisse auf der Bahn“, führte Dehler aus, der nach eigenen Angaben Mitte der 1980er einen Verein mitgegründet hatte, der auf der alten Strecke von Bad Salzschlirf nach Schlitz eine Schmalspurbahn errichten wollte. „Selbst meine – von Mutter erbetene – sexuelle ‚Aufklärung‘ fand durch Vater auf der Bahn statt. Zumindest hatte er es versucht!“

„Das Einzige, glaube ich, was mir aus meiner Zeit mit meinem Eisenbahn-Vater geblieben zu sein scheint, ist meine nahezu blinde Solidarität mit dem fahrenden Personal, wenn es in meiner Anwesenheit Konflikte mit Fahrgästen gibt, und ich diese beobachte“, erklärt Dehler laut Manuskript und fügt zu seiner 25-jährigen BahnCard-100-Geschichte an:

„Wenn ich sie (die BahnCard 100) bezahlt habe, fühle ich mich wie ein Zugchef, der mich gratis überall da hinbringt, wohin ich gerade hinfahren möchte. Und sie macht mir auch einen sinnvollen Druck, in etwa auch die verausgabten 7400 Euro wieder hereinzufahren. So fahre ich inzwischen jährlich mindestens zwischen 45.000 und 55.000 Kilometer mit der Bahn und etwa 3000 bis 4000 Kilometer mit meinem kleinen Auto.“

Dehlers BahnCard-Story

Schließlich gipfelt Dehlers Rede in einem Aufruf: „Kauft Euch eine BahnCard 100! (...) Die Bahn könnt ihr mietfrei zu eurem Büro machen; mit Draht zur Außenwelt über ein gutes WLan. (...) Die Bahn ist euer Energiereservat. Ihr könnt im Zug vollkommen entspannen. Denn ihr habt einen vertrauenswürdigen Fahrer, den Lokführer.“

Doch wie kam der frühere Fuldaer OB-Kandidat zu seinen 25 BahnCard 100? In seiner Zeit als Hochschulrektor Fulda „konnte ich der Verführung und Bequemlichkeit nicht widerstehen, mich von meinem Fahrer von Pontius zu Pilatus bringen zu lassen; auch dahin, wo es mit dem Zug umweltfreundlicher, schneller und kostengünstiger gewesen wäre. War das vielleicht ein Image- und Statusproblem? Wohl sicher. Auch wenn das schlechte Gewissen immer mitfuhr.“

Kloster und Bahn

Dehler führt aus: „Erst als mir das Fahren auf vollgestopften Autobahnen und unwegsamen Landstraßen zu unbequem wurde, und mir bei den zunehmenden Vollbremsungen im Fond des Wagens die Akten ins Genick flogen, dachte ich dann im Jahre 1992/93 erstmals über eine BahnCard 100 nach. Verbunden mit einem Berufswechsel als Innovationsbeauftragter des Landes Hessen war dann klar, dass künftig nur noch die Bahn im Vordergrund der Bewältigung meiner Lang- und Kurzstrecken stehen wird.“

„Dabei entdeckte ich vor allem, dass ich Vorträge und später auch Artikel und Bücher am besten im Zug schreiben und entsprechend nachdenken konnte. Hier begann für mich eine neue Ära auf der Bahn. (...) Und so schreibe ich heute zu 90 Prozent meine Texte im Zug und zu etwa 10 Prozent im Kloster. Daraus könnten Sie den Schluss ziehen: Der Zug ist für mich so etwas wie ein Kloster. Stimmt. Zumindest von der räumlichen Enge her. Das Kloster jedoch mehr für besinnliche Texte. Der Zug mehr für Inspirierendes.“

Im Büro nach Salzburg

Das habe letztlich dazu geführt, dass der frühere Fuldaer Hochschulrektor nicht selten ohne konkretes Fahrziel unterwegs ist. Immer begleitet von seinem elektronischen Büro. „Das macht mich nicht nur mobil, sondern regt auch meine Phantasietätigkeit an, und macht mich effizienter. Ich werde, wenn ich nicht will, weniger als zu Hause ablenkt. (...) Auf diese Weise bin ich auch schon öfter in Salzburg gelandet. Verbunden mit einem schönen Spaziergang am Mönchsberg und einem guten Kaffee mit Kuchen bei Tomaselli habe ich am Ende – in Fulda wieder angekommen – immerhin mindestens acht Stunden konzentriert gearbeitet.“

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